Zukunftsfähige Wirtschaft Mitteldeutschland idealer Standort für Batterie-Werke

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

An mehreren Standorten in Mitteldeutschland werden gerade Batterie-Fabriken gebaut: In Erfurt, Bitterfeld-Wolfen, Leipzig, Döbeln und Schwarzheide. Da stellt sich die Frage: Brauchen wir so viele Batterien? Und wenn ja: Wofür?

Mitarbeiter im BMW-Werk Leipzig montieren das Drive-Modul, die Unterbodengruppe mit Batterie, für den elektrisch angetriebenen i3
Im BMW-Werk in Leipzig werden auch Elektrofahrzeuge produziert - und demnächst vielleicht auch mit Batterien, die in Mitteldeutschland hergestellt werden. Bildrechte: dpa

Mit Batterien ist es ein bisschen wie mit Lebewesen: Alles beginnt mit ein paar Zellen. Sie können so klein sein wie ein Fingernagel oder so dick wie ein Buch. Um solche Batteriezellen herzustellen, entstehen in Mitteldeutschland gerade zwei gigantische Werke: bei Erfurt und bei Bitterfeld-Wolfen.

Produktion deckt sich mit Bedarf

Beide wollen ab 2022 liefern. Ihre Zellen, sagt Michael Stelter vom Fraunhofer Institut in Erfurt, würden vor allem von der Autoindustrie benötigt. "Der größte Hersteller von Elektrofahrzeugen hier in der Region ist Volkswagen mit dem Werk in Mosel. Im Vollausbau wird dieses Werk etwa 300.000 Elektrofahrzeuge im Jahr herstellen."

Hinzukämen noch das BMW- und das Porsche-Werk in Leipzig, die auch mehrere Gigawattstunden an Batterien brauchen würden, ergänzt Stelter seine Aufzählung. Darum: "Was hier in der Region gebraucht wird, passt ungefähr zu dem, was in der Region produziert wird."

Wie stark ist die Konkurrenz aus China?

Bislang kommen Batteriezellen vor allem aus Südkorea und China – gut und günstig. Kann eine Produktion in Deutschland da mithalten?

Das kann sie, sagt Sebastian Wolf. Er verantwortet für die chinesisch-amerikanische Firma Farasis den Aufbau der Zellfabrik bei Bitterfeld-Wolfen. Die Personalkosten, sagt er, machten in der Produktion wenig aus.

Andere Aspekte wögen schwerer: "Wir reden da über Logistik-Kosten aus China nach Europa. Wir reden auch über Zollgebühren, die natürlich jetzt immer dominanter werden. Also zusammengefasst kann man sagen, dass tatsächlich die Fertigung in Europa mittlerweile preisgünstiger ist als der komplette Import aus China."

Außerdem könne eine Produktion vor Ort in Europa beim Thema "CO2-Rucksack" helfen, denn Ziel sei es an die Kunden und Kundinnen in Europa CO2-neutrale Batterien zu liefern, so Wolf weiter.

Nicht nur Autoindustrie profitiert

Bevor man sie nutzen kann, müssen die Batteriezellen noch verbunden werden – zu sogenannten Modulen. Das erledigen in Mitteldeutschland diverse Firmen. Fast alle produzieren für die Autoindustrie.

Eine Ausnahme bildet die Firma Tesvolt in Lutherstadt Wittenberg. Sie stellt stationäre Energiespeicher her. Trotzdem, sagt Geschäftsführer Daniel Hannemann, profitiere auch sein Unternehmen von der Elektromobilität.

Er nennt ein Beispiel: "Ein Unternehmer wechselt seine Flotte in Elektrofahrzeuge und möchte dann diese Elektrofahrzeuge am Standort laden. Dafür würde er eine Photovoltaik-Anlage installieren und dann auch einen Batteriespeicher, damit die Fahrzeuge, die den ganzen Tag unterwegs sind, dann auch nachts am Standort geladen werden können."

Batteriefertigung passe gut zu Mitteldeutschland

Für solche Anwendungen könnte Mitteldeutschland sogar noch eine weitere Zellfabrik vertragen. So sieht es zumindest Fraunhofer-Forscher Michael Stelter. Und er fände es gut, wenn sich dafür auch deutsche Investoren fänden, denn die entstehenden Werke bauen Chinesen und Amerikaner.

In Deutschland sei aber auch noch genügend Platz für weitere Hersteller und es ist wichtig, dass das die deutsche Industrie tue, erklärt Stelter. "Es macht besonders Sinn in Mitteldeutschland. Wir haben perfekte Voraussetzungen hier, wir haben die Kunden für diese Batterien hier. Und wir haben die Kompetenz."

Stelter findet: Vor allem wegen der vielen Windräder passe die Batteriefertigung gut nach Mitteldeutschland. Denn die Windräder erzeugen Ökostrom im Überfluss. Die Zellfabriken könnte diesen abnehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. November 2020 | 06:12 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland