Elektromobilität Batteriewerke in Mitteldeutschland mit Verzögerungen

In Mitteldeutschland werden zwei große Batteriefabriken gebaut. Damit soll der Nachschub für die E-Auto-Industrie sichergestellt werden. CATL will dazu ein Werk in Arnstadt eröffnen, Fararis in Bitterfeld. Doch an den geplanten Batteriewerk-Standorten geht es nur schleppend voran. Die Unternehmen versprechen, bald einsatzbereit zu sein. Experten sehen Mitteldeutschland eh schon auf einem guten Weg.

E-Auto
Durch die immer größere Nachfrage nach E-Autos werden auch immer mehr Batterien gebraucht. Bald auch Made in Mitteldeutschland? Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Vom Solar-Valley zum Batterie-Cluster – das ist eine Hoffnung für Mitteldeutschland mitten im Strukturwandel. In Bitterfeld will das amerikanisch-chinesische Unternehmen Farasis 600 Millionen Euro investieren, bis zu 2.000 Arbeitsplätze sollen entstehen.

v.l. Mercedes Benz EQC 400 4Matic / Batterie / Innenansicht / Batterieboden / Antrieb
Darstellung Batterie im E-Auto Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Baulich passiert ist in Sichtweite des ehemaligen Solar-Valleys allerdings noch nicht viel. Laut dem "Handelsblatt" verzögert sich der Produktionsbeginn von 2022 auf das Jahr 2024. Auf MDR-Nachfrage hieß es vom Unternehmen schriftlich, der Batteriemarkt entwickle sich sehr dynamisch. Aufgrund neuer Partnerschaften und gestiegener Nachfrage werde gerade die Lokalisierungsstrategie für Europa überarbeitet. In drei bis vier Wochen würden die Planungen voraussichtlich abgeschlossen sein. Dann könne man mehr sagen.

Andere Medien berichteten, der Standort sei insgesamt in Gefahr, es werde gar nicht erst gebaut. Doch Farasis beschwichtigt, Bitterfeld sei ein fester Bestandteil ihrer Lokalisierungsstrategie für Europa.

Experten: Region bei Batterieproduktion gut aufgestellt

Muss man sich jetzt also Sorgen um die Batterie-Industrie in Mitteldeutschland machen? Nein, sagt der Experte vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme. Laut dem stellvertretenden Institutsleiter Michael Stelter steht die Batterie-Industrie in Mitteldeutschland im Grunde besser da, als man das vielleicht öffentlich wahrnehme.

Wir haben große Batterie-Werke in Mitteldeutschland, zumindest im Bau.

Michael Stelter stellv. Institutsleiter Fraunhofer IKTS Hermsdorf

"Wir haben große Batterie-Werke in Mitteldeutschland, zumindest im Bau, sagt Stelter. "Wir haben aber auch Werke, die diese Batterie zu Packs und Modulen kombinieren und wir haben auch große Werke, die die Chemikalien dafür produzieren und die Hersteller von Autos, die diese Batteriezellen dann verbauen."

Was Michael Stelter sagt ist: In Mitteldeutschland gibt es nicht nur Batterie-Fabriken, wenn sie denn dann mal fertig sind, sondern gleich ganze Lieferketten. Aus Chemikalien werden Batterien, aus Batterien werden E-Autos. Das Problem liege derzeit woanders:

Oftmals kommt die Batterie-Produktion nicht so schnell hinterher, wie man das eigentlich bräuchte.

Michael Stelter stellv. Institutsleiter Fraunhofer IKTS Hermsdorf

"Die Elektromobilität gewinnt schneller an Schwung, als viele dachten", erklärt Stelter. "Oftmals kommt die Batterie-Produktion nicht so schnell hinterher, wie man das eigentlich bräuchte."

Ein MEB Batteriesystem eines Elektroautos Volkswagen ID.3 steht im VW Werk Salzgitter.
Batterie eines Elektroautos Bildrechte: dpa

Farasis konzentierte sich zunächst auf China

Es scheint so, als habe Farasis sich zunächst auf seine Werke in China fokussiert, was den Bau in Bitterfeld verzögert. Der Volkswirt und Präsident des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, Reint Gropp, sieht die Branche dagegen kritisch.

Es besteht die Gefahr, ein neues Grab zu finden, wie das legendäre Solar-Valley in Bitterfeld.

Reint Gropp Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle

Gropp sagte, ihm sei nicht klar, ob man jetzt eine Batterie-Fabrik in Deutschland brauche. Die Entwicklung von Batterien sei vielleicht ein interessantes Thema, aber die Produktion von Batterien könnten die Chinesen viel billiger. "Insofern besteht die Gefahr, ein neues Grab zu finden, wie das legendäre Solar-Valley in Bitterfeld, wo nicht viel übriggeblieben ist, von den großen Solar-Panel-Herstellern, die jetzt alle in China sind."

Produktionsstart im Batteriewerk bei Erfurt im kommenden Jahr geplant

Contemporary Amperex Technology Co (CATL) Logo
Logo Batterie-Hersteller CATL Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Oktober 2019 in Arnstadt bei Erfurt – damals erfolgte der erste Spatenstich für das Batteriewerk der chinesischen Firma CATL. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee war damals ganz euphorisch. Er sagte, Thüringen könne Industrie und werde damit auf dem Feld der neuen Technologien in die europäische Liga katapultiert.

Nächstes Jahr soll die Produktion beginnen. Nach MDR-Informationen ist das chinesische Unternehmen zuversichtlich, den Zeitplan einzuhalten. Ein offizielles Statement aus der Firmenzentrale wurde höflich abgelehnt. 230 Menschen aus der Region arbeiten bereits für das Unternehmen, bis zu 2.000 Arbeitsplätze sollen insgesamt mal entstehen. Die Batterieindustrie sei für die Region besonders wichtig, sagt Batterie-Experte Stelter:

Die Batterie-Industrie ist für Ostdeutschland eine extrem wichtige Technologie. Weil sie sehr, sehr viele Dinge benötigt, die es in Ostdeutschland gibt. Deswegen ist die Batterie-Industrie aus meiner Sicht eine große Hoffnung…

Matthias Stelter, stellv. Institutsleiter Fraunhofer IKTS Hermsdorf

Es bleibt die Hoffnung, dass es derzeit wirklich höchstens Wachstumsschmerzen sind, die die Batterie-Industrie in Mitteldeutschland erlebt – und es kein zweites Solar-Valley geben wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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