Benzin und Diesel werden teurer Wie sich Spritpreise zusammensetzen

Wenn Benzin und Diesel an der Tankstelle immer teurer werden, fragen sich die Autofahrenden, wer am Kraftstoffverkauf verdient. Die folgende Rechnung für einen Liter Super E10 zeigt, wohin das Geld geht. Bei Diesel sieht es im Prinzip ähnlich aus.

Zapfpistolen einer Tankstelle
Die Preise der verschiedenen Kraftstoffsorten setzen sich ähnlich zusammen. Bildrechte: imago/wolterfoto

  • Der Preis, den Verbraucher an der Tankstelle zahlen, setzt sich hauptsächlich aus zwei Bestandteilen zusammen.
  • Ein großer Teil sind Steuern, die der Staat kassiert.
  • Im Gegensatz zu diesem sehr transparenten Anteil bleibt die Kalkulation der Tankstellenbetreiber teilweise offen.

Staat verdient über Mehrwertsteuer mit

Wenn man den Verbraucherpreis aufschlüsselt und die Rechnung von unten nach oben durchgeht, sieht man, dass auch bei Kraftstoffen 19 Prozent Mehrwertsteuer drinstecken. Bei einem aktuellen Preis der Kraftstoffsorte "Super E10" von 1,68 Euro sind das 0,27 Euro. Und das ist nicht die einzige Abgabe, die der Staat vorgibt und kassiert.

Preisbestandteile für einen Liter Super E10 (Oktober 2021)  
Einkaufspreis für den Kraftstoff           0,59 €
Kosten (u.a. Entwicklung. Verarbeitung und Transport) und Gewinn           0,10 €
Warenwert ohne Steuern           0,70 €
Energiesteuer (06545 €/l)           0,65 €
CO₂-Abgabe (0,058 €/l)           0,06 €
Erdölbevorratungsabgabe (0,0027 €/l)           0,00 €
Nettoverkaufpreis           1,41 €
Mehrwertsteuer (19 %)           0,27 €
Verkaufspreis           1,68 €
Quelle: Aral AG, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie  

Größter Abgaben-Posten: Energiesteuer

Einen großen Teil des Kraftstoffpreises macht die Energiesteuer aus. Bis 2003 hieß sie Mineralölsteuer. Aktuell sind es netto für Benzin 0,6545 Euro je Liter und bei Diesel sind es 0,4704 Euro. Die Frage nach dem Anteil am Gesamtpreis ist nicht einfach zu beantworten.

Auf einer Tafel werden die Spritpreise angezeigt
Mitte Oktober waren die Preise auf Rekordkurs. Bildrechte: dpa

Die Energiesteuer ist ein fester Betrag je Liter. Deshalb schwankt der Anteil je nach Höhe des Endkundenpreises. Als Anfang des Jahres der Liter Super E10 1,39 Euro kostete, machte die Energiesteuer 47 Prozent des Preises an der Zapfsäule aus. Heute sind es bei 1,68 Euro nur 39 Prozent. Die Einnahmen aus der Energiesteuer werden unter anderem zum Ausbau und Erhalt von Straßen verwendet.

Erdölbevorratungsabgabe für Krisenvorsorge

Staatlich veranlasst sind auch die Preisbestandteile "Erdölbevorratungsabgabe" und die sogenannte "CO₂-Abgabe". Im Gegensatz zu den Steuern wandert dieses Geld aber nicht in die Staatskasse. Die Erdölbevorratungsabgabe ist der kleinste Bestandteil des Kraftstoffpreises. Nach Auskunft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sind es für Dieselkraftstoff 0,003 Euro je Liter und für Ottokraftstoffe 0,0027 Euro. Das Geld dient zur Finanzierung des Erdölbevorratungsverbandes. Diese Einrichtung wurde in der Zeit der Erdölknappheit im Westdeutschland Ende der 1970er-Jahre geschaffen. Sie kümmert sich um die Bevorratung von Erdöl und Erdölerzeugnissen zur Krisenvorsorge.

Neu seit 2021: CO₂-Abgabe

Der neueste Preisbestandteil ist die CO₂-Abgabe. Sie wird seit Anfang dieses Jahres erhoben. Absicht der Politik ist es, damit eine Lenkungswirkung für mehr Klimaschutz zu bekommen. Deshalb wird das Geld in Klimaschutzmaßnahmen investiert und für Entlastungen der privaten Haushalte und Unternehmen - etwa beim Strompreis - genutzt. Jeder, der mit seinen Geschäften dafür sorgt, dass Kohlendioxid entsteht, muss dementsprechend einen Preis dafür zahlen. 2021 sind es 25 Euro je produzierter Tonne Kohlendioxid. Nach Auskunft des Mineralölwirtschaftsverbandes sind das für Superbenzin 0,057 Euro je Liter (ohne Mehrwertsteuer) sowie für Diesel von 0,062 Euro. Die Einführung der CO₂-Steuer hatte zur Folge, dass der Benzinpreis an der Tankstelle um etwa sieben Cent je Liter und Diesel um acht teurer wurde.

Staatlich veranlasste Preiserhöhung zum 1.1.2022 Zum 1. Januar 2022 steigt der CO₂-Preis um fünf Euro auf 30 Euro je Tonne CO₂. Das bedeutet ohne Mehrwertsteuer für Superbenzin eine Erhöhung gegenüber 2021 um 1,1 Cent je Liter und für Diesel und Heizöl um 1,2 Cent je Liter. Für den Verbraucherendpreis an der Zapfsäule verteuert sich ab 2022 – von Staats wegen – Superbenzin um 1,4 Cent je Liter und Diesel um 1,5 Cent.

Abgaben- und Steuern-Anteil aktuell bei 60 Prozent

Unterm Strich summieren sich für Super E10 die Energiesteuer, CO₂-Kosten, Erdölbevorratungsabgabe und Mehrwertsteuer bei einem Zapfsäulenpreis von 1,68 Euro auf rund 0,98 Euro je Liter. Das entspricht einem Anteil von 59 Prozent. Diese staatlich veranlassten und teilweise vom Staat vereinnahmten Preisbestandteile haben sich seit Anfang des Jahres nicht verändert. Und trotzdem ist der Benzinpreis um gut 20 Prozent gestiegen.

Kalkulation des Tankstellenbetreibers

Wenn man alle Abgaben und Steuern vom Endverbraucherpreis abzieht, bleibt der sogenannte Warenwert übrig. Den kalkuliert der Tankstellenbetreiber. Er will seine Kosten beim Kraftstoffhandel decken, den Einkaufpreis für den Kraftstoff wieder reinbekommen und einen Gewinn erzielen. Zu den Kosten zählen unter anderem die für Personal, Pacht und Transport.

Mineralölkonzern: ein bis zwei Cent je Liter Benzin

Beim Thema Gewinn hüllen sich die Tankstellenbetreiber aus Wettbewerbsgründen in Schweigen. Aral, mit rund 2.300 Tankstellen die größte Ölhandelsgesellschaft in Deutschland und zum europäischen Mineralölkonzern BP gehörend, gibt an, einen Gewinn von ein bis zwei Cent je Liter Benzin zu kalkulieren.

Einkaufspreis: Ein Drittel ist Endkundenpreis

Rechnet man alle bislang aufgezählten Positionen zusammen, ergibt das ungefähr knapp zwei Drittel des Endkundenpreises.

In der TOTAL-Raffinerie in Leuna stehen mit Gerüsten umbaute Anlagen und Kolonnen.
Die Tankstellenkette Total betreibt eine Raffinerie in Leuna. Bildrechte: dpa

Gut ein Drittel (35 Prozent) kostet den Tankstellenbetreibern nach Angaben von Aral der Kraftstoff im Einkauf bei den Raffinerien. Hier bestimmen in der Regel Angebot und Nachfrage die Preise. Von Vorteil ist es für die Unternehmen, die eigene Raffinerien besitzen. Dazu zählen u.a. die Platzhirsche Aral, Shell, Total und Esso.

Quelle: MDR UMSCHAU

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 26. Oktober 2021 | 20:15 Uhr

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