Teures Tanken Hohe Kraftstoffpreise bedrohen viele Unternehmen

Carolin Fröhlich
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Der Blick auf die Zapfsäule lässt viele derzeit ungläubig mehrmals hinschauen: Teilweise mehr als 2 Euro müssen Autofahrer für den Liter Benzin oder Diesel zahlen. Den Hauptgrund für diesen enormen Preisanstieg sehen Experten vor allem im Ukraine-Krieg und der damit einhergehenden Verunsicherung auf den globalen Rohstoffmärkten. Aber wie gehen Unternehmen damit um, die auf Benzin oder Diesel in großen Mengen angewiesen sind?

Die Preise für Kraftstoffe werden an einer Tankstelle mit über zwei Euro angegeben.
Dieser Anblick erwartet Autofahrer seit einigen Tagen, wenn es Richtung Tankstelle geht. Bildrechte: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Von Lebensmitteln über Baumaterialien, bis zu Baumstämmen und Müll – die meisten Güter werden in Deutschland auf der Straße transportiert. Allein in Mitteldeutschland gibt es rund 5.660 mittelständische Unternehmen mit 66.000 Beschäftigten, die dies sicherstellen. Und die sind gerade sehr besorgt.

Preise sind "absolute Katastrophe"

"Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise stellen für unsere Mitgliedsunternehmen eine absolute Katastrophe dar", sagt Dirk Engelhard, Vorstandssprecher vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, kurz BGL.

Dirk Engelhard: "Das Problem ist, dass zwar einige Unternehmen eine Preisgleitklausel mit ihren Auftraggebern vereinbart haben, das heißt, wenn der Dieselpreis steigt, steigen auch die Frachterlöse. Allerdings wirken diese Mechanismen meistens erst mit einem Versatz von drei bis vier Monaten und in der Zwischenzeit müssen die höheren Kraftstoffpreise von unseren Mitgliedsunternehmen vorfinanziert werden. Das ist für viele Unternehmen schlichtweg nicht möglich, das heißt, wenn hier keine andere Lösung gefunden wird, und nicht seitens der Verlader die höheren Kraftstoffpreise übernommen werden, droht uns eine Insolvenzwelle in Deutschland."

Der BGL fordert daher von der Bundesregierung die Einführung von Gewerbediesel – ähnlich wie in der Agrarwirtschaft, sodass die Transportunternehmen vergünstigten Diesel einkaufen können.

Taxifahrer fordern schnelle Lösung

Auch das Taxigewerbe steht vor großen Herausforderungen. Thomas Voigt ist Geschäftsführer eines Unternehmensverbundes in Leipzig. Hier arbeiten 108 Taxiunternehmer mit 280 Fahrzeugen, die alle betankt werden müssen: "Was in der letzten Woche abgegangen ist, ist existentiell bedrohend, wir haben heute Morgen 1,97 Euro gehabt, das ist eine Steigerung, die wir eigentlich gar nicht abfedern können, die Tarife sind festgeschrieben von der Stadt Leipzig, wir können da nicht einfach die Preise erhöhen."

Die Taxipreise müssen durch die Stadtverordnetensammlung beschlossen werden, so Voigt: "In der Regel dauert eine Tarifanhebung oder Tarifänderung acht bis neun Monate. Das ist eine Zeit, die wir nicht überbrücken können und da rede ich für das ganze Gewerbe, nicht nur für unsere Firma."

Voigt überlegt, sich mit der Stadt in Verbindung zu setzen, um eine schnelle und unbürokratische Lösung zu finden, sodass die Taxiunternehmen kostendeckend fahren können. Kurzarbeit sieht er gerade als allerletztes Mittel – konnte das Gewerbe doch erst mit der Lockerung der Corona-Regelungen Ende Februar aus der Kurzarbeit zurückkehren.

Handwerk steht relativ gut da

Besser geht es da dem Handwerk. Auch da schlagen sich zwar die höheren Kraftstoffpreise nieder, vor allem, was das Baugewerbe angeht. Allerdings können diese die Kosten einfach weitergeben, erklärt Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Leipzig: "Wenn die Preiszahlungsbereitschaft bei den Kunden auf Grund der höheren Preise nicht besteht, dann gibt’s viele Branchen, die dann eben ausweichen können und andere Kunden bedienen können. Im Moment ist es wirklich so, dass bei einzelnen Handwerken die Kunden Schlange stehen."

Schwierig werde es dann, wenn das Preisniveau und die Inflation weiter wachsen. Denn dann ließe irgendwann auch die Bereitschaft nach, zu investieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. März 2022 | 07:00 Uhr

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