Vorgerechnet Benzinpreise: Was der Staat noch an Steuern einnimmt

Die Bundesregierung will mit einem Tankrabatt bis August die Autofahrer entlasten. Dafür wurde die Energiesteuer auf Benzin und Diesel gesenkt. Doch wie viel Steuer steckt nun noch im Spritpreis? Was wird gespart?

Ein junger Mann betankt an einer Tankstelle in Bargteheide und hält bereits das nötige Geld in seiner Hand.
Beim Benzin E 10 sind die Steuern pro Liter um knapp 35 Cent vom Staat gesenkt worden. Bildrechte: dpa

Spritpreise: "Tankrabatt" für drei Monate

Der Krieg in der Ukraine hat die Spritpreise deutlich ansteigen lassen. Denn Rohöl wird angesichts des angespannten Marktes immer teurer. Die Bundesregierung senkt daher für die Monate Juni, Juli und August die Energiesteuer auf Kraftstoffe, um Autofahrer und Autofahrerinnen bei den gestiegenen Energiepreisen zu entlasten. Es werde solange lediglich das "nach Europarecht mögliche Mindestmaß" veranschlagt. Bei Benzin liegt die Ersparnis durch den sogenannten "Tankrabatt" bei den Steuerposten demnach rechnerisch bei rund 30 Cent je Liter, bei Diesel bei rund 14 Cent je Liter.

So wird gleichzeitig auch noch der Mehrwertsteueranteil mit reduziert – an der Zapfsäule werden so insgesamt rund 35,20 Cent weniger Steuern fällig für den Liter Benzin und rund 16,7 Cent weniger Steuern für den Liter Diesel. Damit entgehen dem Bund nach eigenen Berechnungen in diesem Zeitraum Steuereinnahmen in Höhe von 3,15 Millarden Euro.

Kommt die Entlastung auch beim Verbraucher an?

Wer am 2. Juni am späten Mittag etwa Super E10 tanken wollte, musste laut ADAC-Spritpreise-App am späten Mittag durchschnittlich bundesweit 1,82 Euro pro Liter bezahlen, am 31. Mai lag der Mittelwert laut Angaben des Automobilclubs bei 2,15 Euro. Das sind 33 Cent weniger und damit bei 30 Litern fast die Ersparnis von einem Zehn-Euro-Schein.

Schaut man auf die Entwicklung der Preise an der Zapfsäule beim Diesel, ist auch ein deutlicher Preisnachlass zu verzeichnen: Mussten laut Angaben des ADAC am 31. Mai für einen Liter noch 2,04 Euro hingelegt werden, verzeichnete die ADAC-Spritpreise-App am späten Mittag des 2. Juni ein bundesweites Mittel von 1,89 Euro, was an den Tankstellen verlangt wurde. Hier wird zumindest bei 33 Litern fast ein Fünf-Euro-Schein an Kosten eingespart (15 Cent Ersparnis pro Liter).

Diese Steuern schlagen beim Spritpreis zu Buche

  • CO2-Abgabe

2021 wurde die CO2-Abgabe für fossile Kraft- und Brennstoffe eingeführt. Diese soll zu bewussterem Umgang und damit zu mehr Klimaschutz führen. Eine Tonne erzeugtes Kohlendioxid kostete Unternehmen im vergangenen Jahr 25 Euro, seit diesem Jahr sind es 30 Euro. Bis 2025 wird die Abgabe noch schrittweise auf 50 Euro pro Tonne erhöht werden.

An der Tankstelle werden pro Liter Treibstoff seit 2022 allein durch die CO2-Abgabe 8,4 Cent extra pro Liter Benzin und 9,5 Cent pro Liter Diesel abkassiert.

  • Energiesteuer

Auf Kraftstoffe wird auch eine Energiesteuer erhoben. Diese ist pro 1.000 Liter festgelegt und eine fixe Größe, die sich seit 2003 nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz nicht geändert hat. Auf jeden Liter Benzin entfallen damit 65,45 Cent und auf jeden Liter Diesel 47,04 Cent. Auch das ist eine große Einnahmequelle für den Staat. "2020 flossen 14,9 Milliarden Euro aus der Mineralölsteuer auf Benzin an den Staat und 19,6 Milliarden Euro aus der Mineralölsteuer auf Diesel", heißt es bei tagesschau.de.

  • Erdölbevorratungsabgabe

Eine weitere Abgabe auf Kraftstoffe ist durch das Erdölbevorratungsgesetz begründet. Diese fällt kaum ins Gewicht: Sie beträgt bei Dieselkraftstoffen 0,3 Cent je Liter und bei Ottokraftstoffen 0,27 Cent je Liter. Sie dient zur Finanzierung einer Bevorratung an Erdölbeständen, zur Sicherstellung der Energieversorgung in Deutschland im Krisenfall.

  • Mehrwertsteuer

19 Prozent beträgt der allgemeine Satz, der auch bei Spritpreisen angesetzt wird. In Deutschland gibt es noch einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, der bei Grundbedarf wie den meisten Lebensmitteln angewendet wird. Es werden immer mehr Stimmen laut, die auch den niedrigeren Mehrwertsteuersteuersatz für Spritpreise fordern. Die Abgabe wird auf den Endpreis (Summe aller Steuern vorab, Warenwert und Gewinnmarge) "aufgeschlagen". Klar ist damit: Je höher die Preise sind, desto mehr verdient der Staat hier mit.

Steueranteile auf einen Blick (Stand: 02.06.2022)

  21.10.21 22.02.22 08.03.22 02.06.2022
Benzin E 10 84 Euro (1,68 Euro/Liter) 87 Euro (1,74 Euro/Liter) 105 Euro (2,10 Euro/Liter) 91 Euro (1,82 Euro/ Liter)
Diesel 78 Euro (1,56 Euro/Liter) 82,50 Euro (1,65 Euro/Liter) 107,50 Euro (2,15 Euro/Liter) 94,50 (1,89 Euro/ Liter)

MDR-Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 25. Mai 2022 | 20:15 Uhr

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