Verbraucher Weiterer Anstieg bei Benzinpreisen erwartet

Teures Rohöl und die CO2-Abgabe sorgen für steigende Spritpreise an den Tankstellen. Dem ADAC zufolge liegen sie derzeit so hoch, wie seit zwei Jahren nicht mehr. Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg in den nächsten Monaten. Auch klimapolitisch wird das so gewollt, um die Menschen zu einem Umstieg auf klimafreundlichere Technik zu motivieren.

Blick auf einen Zapfhahn mit Bio-Kraftstoff E10.
Die Benzinpreise steigen seit Monaten und sind nun so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr. Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Die Benzinpreise steigen schon seit Monaten. Nach Angaben des ADAC gab es bereits zu Jahresbeginn einen sprunghaften Anstieg. Dann ging es nicht nur zurück zur vollen Mehrwertsteuer, sondern es wurde auch eine CO2-Abgabe eingeführt. Der CO2-Preis sorgte für einen Anstieg um sieben Cent für einen Liter Benzin und acht Cent bei Diesel. So stieg der Preis für Super E10 über den Jahreswechsel von 1,26 Euro auf durchschnittlich 1,34 Euro, der für Diesel von 1,15 Euro auf 1,22 Euro.

ADAC: Benzinpreise auf Jahreshöchststand

Angesichts von derzeit fast 1,50 Euro im Schnitt für einen Liter Benzin E10 sowie 1,35 Euro für einen Liter Diesel spricht ADAC-Experte Andreas Hölzel von einem Jahreshöchststand.

Experte: Weiteres Plus von mindestens zehn Prozent

Tatsächlich war der Sprit seit rund zwei Jahren nicht mehr so teuer. Grund für die steigenden Preise im Mai war laut ADAC ein Preisanstieg beim Rohöl. Der Rohstoffexperte Daniel Rauch vom Vermögensverwalter LBBW Asset Management macht für das anhaltende Plus beim Ölpreis eine künstliche Verknappung durch die Öl-Produzenten verantwortlich. Und an diesem Zustand dürfte auch eine angekündigte Produktionssteigerung nicht grundsätzlich etwas ändern. Rauch rechnet mit einem Anstieg von etwa 10 Prozent und mehr bis Jahresende.

Der Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg ergänzt, dass die Nachfrage nach Rohöl derzeit alle Erwartungen übertreffe. Ein Grund dafür sei auch die Reiselust der Menschen nach den Lockdowns. Doch Weinberg betont, dass der Rohölpreis nur etwa 30 Prozent des Spritpreises beeinflusse. Der eigentliche Preistreiber seien hier Steuern und der CO2-Preis. Dieser werde auch künftig für einen weiteren Preisanstieg sorgen. Weinberg zufolge diskutieren derzeit einige Parteien sogar über eine "viel schnellere Erhöhung dieser CO2-Preise bereits in diesem Jahr oder unmittelbar". Das werde sicherlich den Autofahrer zusätzlich belasten und viel stärker als der gestiegene Ölpreis das tut.

Grüne für höhere CO2-Abgabe und "Energiegeld"

Analyst Weinberg spielt auf Pläne der Grünen an. Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hatte sich dafür ausgesprochen, den CO2-Preis schon bis 2023 auf 60 Euro pro Tonne zu erhöhen – bisher soll er bis 2025 schrittweise auf 55 Euro steigen. Die Bundesregierung hatte wegen der Mehrkosten für Autofahrer die Pendlerpauschale erhöht.

Nach den Worten des stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, gehen die Pläne der Partei darüber hinaus. Sie würden die Einführung eines Energiegeldes vorschlagen. Davon sollen Krischer zufolge die Menschen mit einem geringeren Einkommen und einem geringeren CO2-Verbrauch profitieren. Zugleich müssten Menschen, "die viel haben, die große Autos und große Häuser haben" dann mehr bezahlen.

Abkehr vom Auto ist politisch gewollt

Aber auch ohne die Grünen wird die aktuelle Klimapolitik dafür sorgen, dass die Benzinpreise künftig kaum mehr eklatant sinken werden. Denn das ist klimapolitisch gewollt: Die hohen Kosten sollen die Menschen zu einem Umstieg auf klimafreundlichere Technologien motivieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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