Hörer machen Programm Wie kann Bier nachhaltig gebraut werden?

Im Durchschnitt trinken die Deutschen pro Kopf 100 Liter Bier im Jahr. MDR AKTUELL-Hörer Willi Herfurth aus Kleckewitz hat sich gefragt, wie hoch die CO2-Emissionen bei der Herstellung von Bier sind und wie man mehr CO2 einsparen könnte, um das Bierbrauen nachhaltiger zu gestalten.

Ein Kellner zapft Bier im Köstritzer Bierhaus.
Auch beim Zapfen von Bier wird CO2 verbraucht. Bildrechte: dpa

Bier brauen im Unterricht – Tagesgeschäft für die angehenden Bierbrauer an der Dresdner Berufsschule. Alles muss passen, damit später ein schmackhaftes Pils oder Ale gezapft werden kann.

Ebenfalls auf dem Stundenplan: Was kommt neben Hopfen und Malz noch ins Bier? Und, so Ausbilder Sebastian Suslik: Welche Gase werden ge- und verbraucht? "Wir arbeiten in einer Branche, die brutal CO2 entstehen lässt. Da dürfen wir uns jetzt mal nichts vormachen. Wir stellen pro Hektoliter Bier ungefähr fünf Kilogramm CO2 her", erzählt Suslik.

Wenn man das hochrechne, dann scheide die gesamte Bierbranche in Deutschland etwa 130.000 Tonnen CO2 aus. Eine große Menge. Diese 130.000 Tonnen sind sogar nur der 30-prozentige CO2-Überschuss, den die Brauereien nicht wiederverwerten.

CO2-neutrales Bier nicht möglich

CO2 wird in der Branche überall eingesetzt. Erstens, weil Bier ohne Kohlensäure nicht schmeckt und zweitens, weil selbst Tanks und Schläuche damit gereinigt werden. Ohne gehe es nicht, meint Azubi Wolf Burkhardt. Aber sie achteten darauf, sparsam mit dem CO2 umzugehen. Einerseits wegen der Umwelt, aber auch, weil es eine Sache der Wirtschaftlichkeit sei: "Mit besserer Technologie wird es da sicher auch andere Möglichkeiten geben, noch mehr einzusparen. Nicht mehr nur diese 70 Prozent Rückgewinnung, sondern dass man da auf 75 oder 80 Prozent kommt. Aber eine komplett CO2-neutrale Brauerei, denke ich, wird es nicht geben", erklärt Burkhardt.

Überschuss an CO2 erneut nutzbar

Einen klaren CO2-Vorteil hätten aktuell die großen Hersteller gegenüber den kleinen, sagt Ausbilder Suslik. "Also wenn wir rechnen, dass eine Brauerei 100 Tausend Hektoliter pro Jahr macht, macht es Sinn, auf eine Rückgewinnungsanlage zu gehen: Also einen Großteil des CO2 wieder einzufangen, zu verflüssigen und dann steht es mir wieder zur Verfügung", erklärt Suslik. Laut ihm müssen Großbrauereien heute kaum noch CO2 einkaufen, weil sie einen Überschuss produzieren, den sie nutzen können.

Dabei gibt es in Deutschland zwar nur wenige Großbrauereien, die in der Summe aber fast 80 Prozent der Biere herstellen und ihr CO2 teilweise rückgewinnen. Für die Kleineren lohnt sich das aber aktuell noch nicht. "Wir müssen es den Kleinen so attraktiv machen – auch von der Anlagengröße, von der Handhabung so einer Anlage – dass auch Mittelstandbrauereien und kleine Brauereien, nicht großartig überlegen müssen und sagen: Das ist für mich interessant, so eine Anlage einzurichten, weil ich auch CO2-Überschuss produziere, was ich in die Atmosphäre jage", sagt Suslik.

Chance auf nachhaltigeres Bierbrauen

Derzeit wird noch erforscht, wie sogenannte Gas-Wäschersysteme effizienter das Kohlenstoffdioxid trocknen und verflüssigen können. Dann wäre es kostengünstiger wiederverwendbar. Auch andere Abläufe stehen nun auf dem Prüfstand, sagt Sebastian Suslik: "Ist es notwendig, dass wir alle Tanks mit CO2 ausblasen? Das kam erst so in den letzten drei, vier, fünf Jahren, aber jetzt wird es echt zielführend für die neuen Brauer, weil es dort auch in den Lernfeldern und in der Ausbildungsordnung verankert ist."

Nachhaltig Bier brauen ist also möglich. Dabei könnte in Zukunft noch einiges an Kohlenstoffdioxid eingespart werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2021 | 06:20 Uhr

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