Börsengang von Bike24 Darum haben es Ost-Unternehmen an der Börse schwer

Ostdeutsche Firmen sind selten an der Börse. Nun wagt aber mit Bike24 mal wieder ein Gründer aus Ostdeutschland einen Börsengang. Die Voraussetzungen sind diesmal günstig, aber das Umfeld für Ost-Firmen ist schwierig.

Fahrrad fahren
Neben Fahrradzubehör hat der Dresdener Händler auch Sportutensilien zum Schwimmen und Laufen im Sortiment. Bildrechte: IMAGO / Westend61

In einer Dresdner Wohnung hat alles angefangen. Dort gründete der leidenschaftliche Radfahrer Andres Martin-Birner vor knapp 20 Jahren den Fahrradversand Bike24. Sein Arbeitszimmer war das Büro, Waren stapelten sich im Flur. Inzwischen hat Andres Martin-Birner große Lager und beschäftigt rund 400 Leute.

Corona-Krise ließ Fahrrad-Nachfrage steigen

Durch den Fahrradboom in der Coronakrise ist Bike24 schnell gewachsen – und geht nun an die Börse: "Bei uns kann man eine einzelne Speiche, aber auch das 10.000 Euro teure E-Bike bekommen", schildert Martin-Birner. Bike24 plane, "dass wir dieses erfolgreiche Modell, das wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz etabliert haben, in andere Länder Europas ausrollen." Vor diesem Hintergrund habe sich das Unternehmen für den Börsengang entschieden. So bekomme man Wachstumskapital, das dann in die Weiterentwicklung der Firma investiert werden könne.

Aktie von Online-Fahrradhändler bei 15 Euro

Thomas Günther, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der TU Dresden, erklärt: "Im Prinzip gibt es zwei Gründe, warum eine Firma an die Börse geht. Der erste Grund, der normalerweise im Vordergrund steht: Eine Firma wächst sehr stark und braucht Geld, um weiter wachsen zu können." Und dieses Geld komme dann von den Kapitalmärkten. Der Ausgabepreis je Aktie liegt bei Bike24 bei 15 Euro. Unterm Strich nimmt die Dresdner Firma mit dem Börsengang 100 Millionen Euro für ihre Expansionspläne ein.

Wenige ostdeutsche Firmen als Aktiengesellschaft gelistet

Den zweiten Grund sieht Günther in der Unternehmensbewertung: "Wenn ein Unternehmen wie Bike24 bisher nicht an der Börse war, dann wird das Unternehmen immer nur am grünen Tisch mit Unternehmens-Bewertungsmethoden bewertet. Bei der Börse wird aber aktiv gehandelt. Das heißt, da kommt der Preis einer Firma über Angebot und Nachfrage zustande."

Ostdeutsche Firmen sind an der Börse selten. Eigentlich findet man nur drei große: Jenoptik, Carl Zeiss Meditec und das Immobilienunternehmen Deutsche Konsum. Doch warum sind es nicht mehr?

Die meisten Börsenstars entstünden in Ballungsräumen, sagt der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp. Und davon gebe es im Osten wenig: "Zweitens hat das sicherlich auch was mit Ostdeutschland zu tun – im Sinne der großen Strukturveränderungen, die es vor 30 Jahren gegeben hat. Die immer noch dazu führen, dass die Menschen eher ein bisschen risikoscheuer sind. Und natürlich ist, ein Unternehmen zu gründen und es hochzuskalieren und an die Börse zu gehen, ein Risiko. Das geht in neun von zehn Fällen schief."

Früher gab es einen ostdeutschen Aktienindex

Was schiefgehen kann, zeigt das Beispiel MIFA. Die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG galt mal als Tipp. Der Finanzinvestor Carsten Maschmeyer stieg ein. Trotzdem ging MIFA pleite. Auch andere ostdeutsche Börsenunternehmen schrumpften – wie Intershop oder Halloren. Die DRH Vermögensverwaltung in Dresden hat aus solchen Firmen einst einen ostdeutschen Aktienindex errechnet.

Doch das Projekt wurde aufgegeben, sagt DRH-Geschäftsführer Lutz Hering: "Es ist natürlich schwer, einen Index zu bilden, wenn es immer weniger Unternehmen gibt, die sie dort abbilden können. Der DAX hat ja 30 Unternehmen, damit er eine gewisse Breite hat. Und im Osten ist es eben so, dass die Unternehmen immer weniger geworden sind und auch immer kleiner."

Trotzdem ist Lutz Hering optimistisch. Die Aktiengesellschaften bildeten ja nur einen Teil des Wirtschaftsgeschehens ab. Und mit Bike24 zeige eine Dresdner Firma, dass es durchaus noch ostdeutsche Börsengänge gibt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland