Lebensmittelpreise Wegen gestiegener Preise: Bio-Produkte werden weniger gekauft

Dass die Lebensmittelpreise steigen, mag bei günstigen Produkten noch zu verschmerzen sein. Bei teuren Produkten kann das schon richtig weh tun – etwa bei Bio-Lebensmitteln. Bio-Läden und Supermärkte verkaufen deswegen immer weniger Produkte, warnt der Bundesverband Naturkost Naturwaren. Wie ernst ist die Situation?

Kundin im Bioladen
Die Lebensmittelpreise steigen, die Folge: Bio wird weniger gekauft. Bildrechte: imago images/Shotshop

Große Glasbehälter gefüllt mit Nudeln, Linsen, Erbsen, Gummitieren oder auch Mehl stapeln sich an den hellgelben Wänden im Laden "Einfach Unverpackt". Seit zwei Jahren bietet das Geschäft im Leipziger Süden seinen Kunden lose Waren ohne Verpackung. Die Idee dahinter erklärt Mitarbeiterin Pauline: "Es geht darum, dass du einfach deine eigene Verpackung mitbringst – alles, was zu Hause rumsteht. Und im Unverpackt-Laden bekommst du fast alles ohne die Plastikverpackungen – zum Beispiel Nudeln oder Müsli kannst du dir selber abfüllen."

Bio-Einkauf ist teurer geworden

80 Prozent des Sortiments sind Bio. Von der Roten Beete bis zu den Spülschwämmen, vom Pfirsich bis zu den Mais-Makkaroni: Das Angebot ist groß. Doch der Einkauf dieser Produkte ist für das Geschäft in letzter Zeit teurer geworden, erzählt Pauline: "Gerade was so Nudeln angeht und Öl natürlich – alles teilweise doppelter Preis. Aber nicht krass: Wir kommen auch immer noch an die Lebensmittel ran. Und es ist nicht so, dass wir totale Knappheit haben. Wir haben einen Preisanstieg, aber das ist ja auch normal. Wir haben gerade Krieg und es ist eine schwierige Zeit."

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren beklagt die gestiegenen Preise. Die schreckten Kunden ab. So sei der Tagesumsatz im März um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gefallen. Auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft – kurz BÖLW – beobachtet diese Entwicklung. Alarmstimmung ist bei dem geschäftsführenden Vorstand, Peter Röhrig, nicht zu spüren: "Zu welcher Entwicklung das führt, das ist im Moment eine schwer zu beurteilende Situation. Das werden wir uns das noch einige Wochen angucken müssen, um dann wirklich sagen zu können, wie sich der Biomarkt in diesem Jahr. entwickelt."

Entschärfte Corona-Lage ist schlecht fürs Geschäft

Denn neben den gestiegenen Preisen könnte auch die aktuell entschärfte Corona-Lage den Einzelhandel das Geschäft vermiesen, so Röhrig: "Der Lebensmitteleinzelhandel verliert im Moment an Umsatz, weil die Menschen wieder stärker in die Außer-Haus-Verpflegung gehen. Und stärker in den Restaurants und Kantinen essen."

Tatsächlich leidet auch das Leipziger Geschäft "Einfach unverpackt" immer noch mehr an den Folgen der Corona-Pandemie als an gestiegenen Lebensmittelpreisen. Von ein paar Cent mehr würden sich Kunden nicht abschrecken lassen, sagt Pauline: "Die, die hier einkaufen, haben sich auch gezielt dafür entschieden, dass sie Bio-Lebensmittel konsumieren möchten und ich glaube, der Durchschnitt der Kundinnen, die herkommen, die Stammkundinnen geworden sind, die haben auch das Geld." Im schlimmsten Fall wird Bio so – mehr denn je – zu einer Entscheidung, die man sich leisten können muss.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Mai 2022 | 06:00 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Bundeswirtschaftsminister ruft Gasnotstand aus 1 min
Bundeswirtschaftsminister ruft Gasnotstand aus Bildrechte: MDR
1 min 23.06.2022 | 11:00 Uhr

Do 23.06.2022 10:52Uhr 00:52 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/video-632974.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Nachrichten

In einem Hafen werden Container verladen.
Das Handelsvolumen zwischen China und Sachsen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verzwanzigfacht. Bildrechte: dpa

Mehr aus Deutschland