Black Friday Was sind die Rabatte wirklich wert?

Am 26. November ist "Black Friday". Der Handel macht damit Milliardenumsätze. Lohnen sich die wochenlang beworbenen "Rabatt-Tage" auch für Verbraucher? Die Umschau hat das zum Single Day am 11. November mal getestet.

Ein Schild mit der Aufschrift „Black Friday Sale“
Der Black Friday ist immer einen Tag nach "Thanksgiving". Der US-Schnäppchentag ist auch bei uns ein Verkaufsrenner geworden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schnäppchenjäger sind in heller Vorfreude. Am Freitag ist es wieder soweit: Der Black Friday lockt mit satten Rabatten. Doch lohnen sich solche Aktionstage wirklich? Zweifel sind angebracht, wie eine Umschau-Stichprobe an einem anderen Aktionstag, dem Singles Day am 11. November, zeigt. Ein Wäschetrockner, mit 33% Rabatt beworben, war tatsächlich teurer als in den Tagen zuvor. Und ein beliebter Lautsprecher war ausgerechnet am Rabatttag am teuersten – um in den Folgetagen im Preis um 40% zu fallen. Was ist da los?

Rabatte seit 2004 ganzjährig erlaubt

Echte Rabatte – das gab es früher nur zweimal im Jahr, im Sommer- und Winterschlussverkauf. Jahrzehntelang räumten Händler an zwei festgelegten Terminen im Jahr ihre Lager leer, um Platz für neue Ware zu schaffen.

Seit 2004 sind Rabatte das ganze Jahr über erlaubt – Das Ende der klassischen Schlussverkäufe. Dafür haben sich viele andere Rabatt-Tage etabliert: jetzt im November vor allem der  Cyber Monday, der Singles Day oder der Black Friday.

Verkaufsboom zum Black Friday

Beim Black Friday und Cyber Monday stiegen die Ausgaben seit 2016 stetig an. 2020 gaben Verbraucher online 3,8 Milliarden Euro aus. In diesem Jahr rechnen Experten mit einem weiteren starken Wachstum auf 4,9 Milliarden Euro.

Weltweit ist der Verkaufsboom an diesen Tagen noch größer. So gilt der Singles Day als weltgrößte Rabattschlacht, der chinesische Online-Riese Alibaba verzeichnete im letzten Jahr 583.000 Bestellungen – pro Sekunde! In China werden um diesen Tag herum zweistellige Milliardensummen umgesetzt.

Lohnen sich die Rabatttage auch für den Verbraucher?

Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen sieht solche zeitlich begrenzte Angebote eher kritisch: "Bei einer solchen Rabattaktion werden natürlich meistens hohe Rabatte behauptet. Zumindest große Prozentzeichen sind überall zu sehen. Und da kann ich als Verbraucher schon hoffen, auch ein Schnäppchen zu machen. Aber wer das wirklich tun möchte, der sollte genauer hinschauen und die Preise genau vergleichen."

Genau das hat die Umschau in einer Stichprobe gemacht und sich zunächst auf den Singles Day am 11.11. konzentriert. Der kleine Test beginnt bereits Ende Oktober. Um nachzuvollziehen wie Händler ihre Preise gestalten, stehen 36 Produkte beim Online Anbieter Amazon unter Beobachtung – typische Weihnachtsgeschenke wie Elektronik, Spiele, Action-Cam oder eine Fitness-Uhr.

Ein beliebtes Weihnachtsgeschenk sind z.B. Airpods von Apple. Die aktuellste Version kostet am 29. Oktober 199 Euro. Eine Woche später am 5. November, 189,90 Euro, also gerade zehn Cent weniger. Auch am Singles Day sinkt der Preis nicht. Schnäppchen: Fehlanzeige.

Auch Preise die Preise von 13 weiteren Produkten blieben im Beobachtungszeitraum stabil. Bei einigen wenigen Produkten ist der Preis zum 11.11. tatsächlich leicht gesunken.

Tipp: Preise längerfristig vergleichen

Wer wirklich auf Schnäppchen aus ist, sollte Preise längerfristig vergleichen. Denn eine günstige Rabattangabe kann mitunter mächtig täuschen, wie das folgende Beispiel zeigt: Ein Wäschetrockner kostet am ersten Tag der Stichprobe, also am 29. Oktober, 729,99 Euro, "statt 759,00 Euro" wie es im Angebot heißt. Bedeutet: vier Prozent Ersparnis. Am 11.11., dem Singles Day, wird das Gerät dann 33% günstiger angeboten.  

ABER: Der Trockner ist tatsächlich teurer geworden. Er kostet jetzt 759,90 Euro. Der Rabattpreis vom Singles Day ist also genau jener Preis, der am 29. Oktober, dem Beginn unserer Stichprobe, als Ausgangspreis ausgewiesen wurde. Am Singles Day wird für das Produkt ein viel höherer Ausgangspreis ausgewiesen, nämlich die Unverbindliche Preisempfehlung 1129 Euro“. Wer den Preis also nicht vorher genau verglichen hat, denkt zwar, er mache hier ein Schnäppchen – tatsächlich kostet das Gerät aber mehr als in den Tagen zuvor.  

Ähnlich sieht es beim Lautsprecher "Echo" aus. Der Preis bei Amazon startet im Oktober bei 91,99 Euro. Eine Woche später kostet er nur noch 74,99 Euro und wird am Singles Day wieder teurer und kostet sogar 99,99 Euro! Also auch hier kein Schnäppchen. Aber: Nach dem Rabatttag sinkt der Preis kontinuierlich und erreicht vor einigen Tagen 59,99 Euro und damit 40 Euro weniger als am Singles Day.

Ernüchterndes Ergebnis Insgesamt waren in der Umschau-Stichprobe acht der 36 Produkte am Singles Day sogar teurer.

Verbraucher skeptisch

Nach einer aktuellen Umfrage des MDR-Meinungsbarometers "MDRfragt" unter 29.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Schnäppchen-Tage wie der "Black Friday" kein gutes Image. Dieser ist zwar bei fast drei Vierteln der "MDRfragt"-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer bekannt, aber nur gut ein Viertel will ihn dieses Jahr für Weihnachtseinkäufe nutzen. Die Mehrheit empfindet Schnäppchen-Tage wie den "Black Friday" als bloße Marketingstrategie.

Allerdings zeigen sich zwischen den Generationen große Unterschiede. So wollen immerhin 47% der unter 30-Jährigen auf Angebote des Black Friday zurückgreifen, während dies nur 13% der über 65-Jährigen beabsichtigen. 

Größter Beliebtheit erfreuen sich bei den Schnäppchenjägern laut Umfrage in erster Linie Unterhaltungstechnik wie Fernseher, Smartphones und Spielekonsolen. 49 Prozent der Befragten hoffen bei diesen Artikeln auf ein günstiges Angebot. Doch auch Kleidung (42%) und Spielwaren (35%) stehen auf dem Wunschzettel der Verbraucher. Möbel, Schmuck und Waren des täglichen Gebrauchs hingegen sind weniger gefragt.

Lieferengpässe und Rückgabefristen beachten

Doch kommen die Schnäppchen überhaupt pünktlich zum Fest an? Die weltweiten Lieferengpässe für viele Waren sind bekannt. Und auch das spielte in der Umschau-Stichprobe eine Rolle: Tatsächlich waren gleich mehrere Produkte nur noch beschränkt verfügbar – und das über vier Wochen vor Weihnachten.

So wird z.B. für ein Brettspiel bis zum Singles Day, dem 11.11., als Liefertermin "ab 8. Dezember" angeben. Am Singles Day heißt es dann für das gleiche Produkt "Gewöhnlich versandfertig in 1-2 Monaten". Das kann dann schon nach Weihnachten sein. Für Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen können dadurch ganz andere Problem entstehen: "Wenn mein Weihnachtsgeschenk erst nach Weihnachten ankommt, kann ich es natürlich nicht rechtzeitig schenken. Also, besser rechtzeitig bestellen, obwohl natürlich mal ein Widerrufsrecht dann möglicherweise schon vor Weihnachten abläuft. Das ist ein Dilemma für Verbraucher, dass das Widerrufsrecht nur zwei Wochen bis einen Monat gewährt wird von den Händlern. Besser wäre es, wenn gerade in der Vorweihnachtszeit ein sehr viel längeres Widerrufsrecht gelten würde, dass man eben auch schon im Oktober oder November seine Weihnachtsgeschenke einkaufen kann.“

Neue Stichprobe zum Black Friday

Corona und Lieferengpässe erschweren damit auch dieses Jahr den Geschenkekauf. Und Rabatttage wie der Single Day am 11. November bieten nicht in jedem Fall die Gewähr für echte Schnäppchen. Ob der Black Friday am 26. November anders wird? Abwarten. Wir berichten am 30. November in der Umschau im MDR FERNSEHEN 20:15 Uhr und online darüber ...

Quelle: MDR-Wirtschaftsredaktion

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