Dehoga-Präsident Sachsens im Interview Gastgewerbe: "Wir kämpfen weiterhin für eine Öffnung zu Ostern"

Ohne Corona wäre jetzt Leipziger Buchmesse, das Gastgewerbe in der Region hätte gut zu tun. Die Branche fordert Perspektiven. "Wir kämpfen weiter für eine Öffnung zu Ostern", betont Axel Hüpkes, Präsident der Dehoga Sachsen.

Eine Frau zieht einen Rollkoffer
Das Gastgewerbe hofft auf gute Umsätze an Ostern durch Kurzulauber im Inland. Bildrechte: imago images/A. Friedrichs

In und um Leipzig wären Hotels und Restaurants ohne Corona jetzt gut gefüllt. Trifft das die Branche hier besonders hart im Vergleich zu anderen Hotelstandorten?

Axel Hüpkes: Ich glaube, es gibt kaum Hotelstandorte, die jetzt angeben könnten mit ihren Zahlen. Wir hatten 2019 in Leipzig und Umgebung eine Belegung von über 80 Prozent im Buchmessezeitraum und auch einen Durchschnittsrpreis von 140 Euro pro Person und Nacht lag. Jetzt sind die Betreiber der Hotellerie hier in Leipzig froh, wenn sie 20 Prozent im Durchschnitt schaffen und einen durchschnittlichen Übernachtungspreis pro Person, die vielleicht bei maximal bei 50 oder 55 Euro liegt. Da ist der Vergleich schon sehr deutlich. Im März sehen wir einen Belegungsrückgang von über 50 Prozent.

Axel Hüpkes, Präsident Dehoga Sachsen
Axel Hüpkes ist der Präsident der Dehoga Sachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Welche Perspektiven sollte Ihnen die Politik eröffnen?

Axel Hüpkes: Unser Appell an die Politik ist, dass man sich mit uns zusammensetzt. Selbst das RKI stuft ja unsere Branche, speziell auch die Hotels, "grün" ein, mit den Hygieneverordnungen und mit den Hygienemaßnahmen. Ich sehe die Gefahr, dass der derzeitige Alltag der Menschen viel schlimmere Folgen hervorruft. Wir müssen langsam wieder in Richtung Normalität kommen. Das sage ich auch als jemand, der Hotelier ist. Ich spreche für die Freizeitindustrie. Für die Ferienhotellerie halte ich es für wichtig, dass der Sommer im Fokus steht, dass wir den Leuten wieder mal die Möglichkeit geben, rauszukommen, Urlaub zu planen. Mein Appell an die Politik ist ganz klar: Das Thema Testung und Impfung muss vorangehen.

Mein Appell an die Politik ist ganz klar: Das Thema Testung und Impfung muss vorangehen.

Axel Hüpkes, Chef der Dehoga Sachsen

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Axel Hüpkes: Ich möchte mit dem Herrn Ministerpräsidenten Kretschmer zurzeit nicht tauschen. Dennoch ist es so, dass manchmal das Gefühl vermittelt wird, dass wir als eine Art Kollateralschaden in Kauf genommen werden. Hier verweise ich noch mal auf die Wirtschaftskraft, die wir haben - vielleicht nicht in der starken Lobby einer Großindustrie, sondern wir haben sehr viele Einzelkämpfer. Dennoch sollte das viel mehr berücksichtigt werden. Wir haben hier Unternehmer, die über Generationen Erfolg haben und jetzt durch immer mehr überhöhte Kredite in Schieflage geraten und eigentlich nicht wissen, wie sie das alles zu stemmen kriegen. Und wenn diese Kultur, dann so wegbricht, schmerzt einem schon das Herz.

Wir müssen den Leuten die Ängste nehmen und das schaffen wir nur, indem wir Impfung und Tests vorantreiben. Natürlich werden die RKI-Zahlen, wenn wir mehr testen, nach oben gehen. Aber wenn wir dadurch die Intensivbetten-Belegung reduzieren, haben wir doch viel geschafft. Die Test-Geschichte sollte am 1. März laufen. Jetzt wird schon wieder gesagt: ab April. Bei November- und Dezemberhilfen war von einer Bazooka die Rede. Teilweise hatten die Leute bis Februar noch nicht das Geld. Das macht müde und ist auch unglaubwürdig.

Wie sehen Sie die jüngste Corona-Verordnung Sachsens mit Hinblick auf Ihre Branche?

Axel Hüpkes: Und ich bin froh, dass ich diese Entscheidungen nicht treffen musste, die eben nur in der Politik getroffen werden. Das sage ich auch. Aber wenn wir über Terrassengeschäft nachdenken und hier Parameter festlegen, die eigentlich fast nicht mehr machbar sind, muss ich fragen, ob das wirklich so gut ist, was wir da machen oder ob man hier nicht andere Möglichkeiten hätte.

Welche Problematik sehen Sie, Freisitze nach der Verordnung auszurichten?

Axel Hüpkes: Zum einen, dass sie die Parameter der RKI-Zahlen permanent im Auge haben müssen. Und wir wissen selber, wenn wir irgendwo hingehen und flanieren, sagen wir nicht: Von 13 bis 14 Uhr wollen wir den Tisch haben. Und dann sollen wir vorher auch noch womöglich einen Test abgeben. Das macht es für die Unternehmerschaft nicht einfach.

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Welche Hoffnungen setzen Sie angesichts der steigenden Inzidenzzahlen noch auf das Ostergeschäft?

Axel Hüpkes: Wir setzen darauf, dass die Inzidenzen zukünftig nicht der alleinige Gradmesser für eine Öffnung sind. Wir kämpfen weiter für eine Öffnung zu Ostern.  

Die Mitteilung, dass Mallorca kein Risikogebiet mehr ist, hat eine Buchungswelle ausgelöst. Flüge mussten nachgelegt werden. Reisebüros hierzulande freuen sich, die Tourismusbranche vor Ort auch. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Axel Hüpkes: Es ist unverständlich, dass nach Angaben des RKI in deutschen Hotels die Ansteckungsgefahr minimal ist und diese nicht öffnen dürfen, aber Urlauber unbeschwert dicht gedrängt im Flugzeug nach Spanien fliegen können.

Welche Pläne hat Ihr Verband hinsichtlich einer Testung von Gästen in Restaurants und Hotels? Welche Hilfsmaßnahmen fordern Sie schnellstmöglich von der Politik – und welche perspektivisch?

Axel Hüpkes: Die Testung der Gäste darf nicht Aufgabe der Hoteliers und Gastronomen sein. Dass heißt, es müssen ausreichend Testmöglichkeiten in Städten, Kommunen und Landkreisen zur Verfügung stehen, diese wiederum müssen mit einer entsprechenden Software mit dem Gesundheitsamt vernetzt sein. Diese Lösungen gibt es bereits und sie werden aktuell in Modellprojekten in Oberwiesenthal und Augustusburg und sicher bald an weiteren Orten erprobt. Wir fordern von der Politik, diese Projekte maßgeblich zu unterstützen, auch oberhalb der Inzidenz von 100. Die daraus gewonnen Kenntnisse müssen schnell in die Praxis umgesetzt werden. Abgesehen davon ist eine viel schnellere Umsetzung der Impfstrategie unumgänglich.

Quelle: MDR UMSCHAU

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 09. März 2021 | 20:15 Uhr

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