Buchbranche Zwei Jahre ohne Buchmesse – wie geht es den Verlagen?

Diese Woche wäre sie feierlich eröffnet worden: die Leipziger Buchmesse. Doch die Veranstaltung wurde wegen der Corona-Pandemie erst in den Mai verschoben und dann doch abgesagt. Es ist nun schon das zweite Jahr, in dem die Buchmesse nicht stattfinden kann. Für die Verlage fällt damit die wertvolle Gelegenheit weg, ihre Neuerscheinungen zu präsentieren. Wie geht es der Literaturbranche damit?

Die Leipziger Buchmesse 2019: Auf der Manga-Comic-Con
Zwei Jahre ist es her, dass in Leipzig die letzte Buchmesse stattfand. Bildrechte: MDR/Jeannine Völkel

Der kleine Maulwurf ist ganz schön groß geworden. Hüfthoch steht er als Plüschtier neben Steffen Lehmann zwischen Regalen voller Kinderliteratur. Lehmann leitet den Leipziger Leiv-Verlag, der unter anderem die Maulwurf-Geschichten verlegt. Eigentlich müsste der Verleger samt Plüschtier und Büchern die nächsten Tage auf der Buchmesse stehen. Doch das klappt schon zum zweiten Mal nicht: "Eine Buchmesse, wie sie die Leipziger Messe darstellt, ist natürlich toll – durch die vielen Veranstaltungen, den Publikumskontakt, die Buchhändler, die da sind."

Das fehlt natürlich immens. Und das ist unwahrscheinlich traurig und das ganze Verlags- und Buchwesen äußerst kompliziert jetzt.

Steffen Lehmann, Leiv-Verlag

Buchbranche in der Krise

Eine ganze Branche trauert der Buchmesse hinterher. Zwar zahlt man für einen acht Quadratmeter-Stand mehr als 3.000 Euro Miete. Andererseits kann man dort Tausende Leute treffen. Nadja Kneissler leitet den Verlegerausschuss im Börsenverein des deutschen Buchhandels. Sie sagt, der direkte Kontakt zum Leser fehle: "Also Leipzig ist ja eine richtige Publikumsmesse, hat ein wirklich großes Besucherpotenzial, das wir dort vor Ort treffen. Das ist unser Schaufenster für die Novitäten im Frühjahr. Und wenn die Leipziger Buchmesse jetzt nicht stattfindet, dann fehlt uns die Presseresonanz. Uns fehlt das Lesefest, die Vorstellung der neuen Titel, die Lesungen."

Die Buchbranche hat es ohnehin gerade schwer. Im Februar lag ihr Umsatz rund 16 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Der boomende Onlinehandel gleicht das fehlende Ladengeschäft nur teilweise aus. Einige Verlage trifft es besonders hart. Kalender zum Beispiel verkauften sich zuletzt sehr schlecht. Auch Reiseliteratur ging kaum: "Dadurch, dass ja keiner reisen konnte, war natürlich die Nachfrage nach Reiseliteratur nicht mehr da. Und da sind die Umsätze ganz stark ins Minus gerutscht. Über das Jahr verzeichnen die Reiseverlage ein Minus von über 26 Prozent."

Kinder- und Kochbücher weiterhin beliebt

Es gibt allerdings auch einige Gewinner. Kinderbücher zum Beispiel verkaufen sich in der Corona-Krise gut. Mangels anderer Freizeitmöglichkeiten lesen Eltern offenbar mehr vor. Beim Leipziger BuchVerlag für die Frau finden Kochbücher gerade viele Käufer, sagt Vertriebsleiterin Ulrike Winkelmann. "Wir haben zum Beispiel einen Titel 'Rezepte mit ungewöhnlichen Namen' von unserem Herrn Frauenberger. Das ist ein Titel, der richtig gut begonnen hat, den haben wir im Herbst gebracht und haben einen Großteil der Auflage schon verkaufen können. Also Kochbücher waren das große Thema und dann aber auch Hobby- und Kreativtitel."

Trotzdem muss auch der BuchVerlag für die Frau kämpfen. Die Umsätze über alle Sparten hinweg liegen 25 Prozent im Minus, Mitarbeiterinnen mussten in Kurzarbeit. Dieses Jahr will der Verlag eigentlich Geburtstag feiern, 75 Jahre. Ist nun die Existenz bedroht? Man werde die Krise überstehen, sagt die Verlagsvertreterin tapfer lächelnd. Der Einbruch nach der Wiedervereinigung sei dramatischer gewesen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2021 | 06:11 Uhr

2 Kommentare

Atheist vor 12 Wochen

Ich habe kein Mitleid, wurden doch in letzter Zeit zu viel Bücher auf den Index gesetzt.
Ich brauch keine Buchmesse, die mich mit ihren Bücher wieder erziehen möchte.

MDR-Team vor 12 Wochen

Hallo Atheist, was meinen Sie? Können Sie Ihre Vorwürfe mit Quellenangaben belegen? Viele Grüße die MDR.de-Redaktion

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland

Marco Wanderwitz auf der Pressekonferenz zum Zukunftszentrum Deutsche Einheit 1 min
Bildrechte: mdr