Frankfurter Buchmesse So behaupten sich mitteldeutsche Verlage in der Krise

In Frankfurt hat die diesjährige Buchmesse begonnen. Ganz im Zeichen der Coronakrise erleben die Besucher keine klassische Ausstellung in den Messehallen, sondern kleine Veranstaltungen und viel Digitales. Doch wie geht es den Verlagen aus Mitteldeutschland in Zeiten der Pandemie?

Eine Frau stapelt Bücher
Die mitteldeutschen Buchverlage beurteilen ihre Situation zum Start der Frankfurter Buchmesse verschieden. Bildrechte: dpa

An der Frankfurter Buchmesse beteiligen sich in diesem Jahr nach Auskunft des Börsenvereins des deutschen Buchhandels 33 Verlage aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im vergangenen Jahr waren es noch 54. Sachsen ist mit 23 traditionell am stärksten vertreten. Die Stimmung unter den Verlagen ist dabei sehr unterschiedlich.

Bücher für Frauen "im Corona-Loch verschwunden"

Dem "BuchVerlag für die Frau" aus Leipzig habe das Frühjahr viel abverlangt, sagt Verlagssprecherin Susann Jaensch. Die Frühjahrstitel seien im Corona-Loch verschwunden. Die Aufmerksamkeit dafür habe gefehlt. Der Umsatz sei im Frühjahr um weit mehr als 50 Prozent eingebrochen. Die Verluste, die der Lockdown mit der Schließung der Buchläden verursacht habe, seien nicht durch den Online-Handel kompensiert worden.

Uns ist nochmal bewusst geworden, wie wichtig die Leipziger Buchmesse für uns ist.

Susann Jaensch

Abgespecktes digitales Programm in Frankfurt

Ab Ende März musste der Verlag Kurzarbeit anmelden, die meisten Beschäftigten wurden auf fast Null gesetzt. Im April und Mai habe die Arbeit komplett brach gelegen, sagt Jaensch. Stellen seien in der Verlagsgrupppe aber nicht gekürzt worden. Bis Anfang Juni sei nicht klar gewesen, womit der Verlag in den Herbst gehen würde. Nun präsentiere er zur Frankfurter Buchmesse ein abgespecktes Programm. Statt der üblichen zehn, würden vier neue Bücher erscheinen. Die geplanten Buchprojekte seien aber nur verschoben, die Bücher würden später kommen.

Zur Buchmesse in Frankfurt nutzt der Verlag die Chance, sich digital und kostenlos zu präsentieren. Mit Gebühren wäre es nicht finanzierbar gewesen, erklärt Jaensch. Die aktuellen Bücher würden digital vorgestellt, auch mit Videos und Fotos bei Youtube und Instagram. Die Corona-Soforthilfen hätten in den ersten Monaten sehr geholfen. Man habe inzwischen auch Fördermittel aus dem "Neustart"-Programm der Bundesregierung beantragt. Mit 20 Millionen Euro sollen Verlage und kleine Buchhandlungen unterstützt werden.

Alle Schulbücher pünktlich erschienen

Der "Ernst Klett Verlag", bekannt für Schulbücher und Lernmaterial, nimmt schon ein paar Jahre nicht mehr an der Frankfurter Buchmesse teil. Er verschob zu Beginn der Corona-Krise Investitionen, die nicht dringend notwendig wurden, um Kosten zu sparen.

Schulbücher des Ernst Klett Verlags GmbH (Baden-Württemberg) auf der Leipziger Buchmesse
Der Ernst Klett Verlag konnte zum Schulstart mit allen Titeln erscheinen. Bildrechte: dpa

Eine Sprecherin sagte, man habe in den vergangenen Monaten vorsichtig agiert und stecke jetzt in der Planung für die nächsten Jahre. Man bewerte die aktuellen Informationen, versuche sich ein Bild zur politischen und finanziellen Lage der Kommunen zu machen, um daraus einen Handlungsrahmen abzuleiten. Diese Lagebewertung falle in diesem Jahr deutlich schwerer als in Vorjahren.

Die Sprecherin freut sich aber, dass der Verlag zum neuen Schuljahr mit allen geplanten Titeln erschienen ist. Zudem habe der Verlag vor ein paar Tagen mit seinen neuen digitalen Lernkursen "eCourse" starten können. Sie würden einen wichtigen Teil dessen abdecken, was in Zeiten von Präsenz- und Distanzunterricht relevant sei und leisteten einen Beitrag zur Beförderung einer digitalgeprägten Lernkultur.

Kinderbuchverlag mit Umsatzplus

Familie beim Vorlesen
Eltern haben ihren Kindern während des Lockdowns offenbar mehr vorgelesen. Bildrechte: IMAGO

Der "Klett Kinderbuchverlag" ist eigenen Angaben zufolge bislang sehr gut durch die Krise gekommen. Verlegerin Monika Osberghaus sagt, sie habe das Gefühl, dass die Leute ihren Kindern in der Lockdown-Zeit etwas Gutes tun und auch dafür sorgen wollten, dass sie nicht die ganze Zeit vor Bildschirmen sitzen. Nach einem heftigen Umsatzeinbruch im Mai, mit 40 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahresmonat, habe sich das Geschäft schnell erholt. Bislang verzeichne der Klett Kinderbuch im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von 15 Prozent.  

Osberghaus nennt als Grund für den Einbruch im Mai, dass der Buchhandel in diesem Monat kaum bestellt habe, sondern vorrätige Bücher verkauft habe, die in der Zeit geschlossener Läden liegen geblieben waren. Ab Juni habe sich das Geschäft wieder normalisiert. Der Verlag habe deshalb keine Fördermittel beantragt, andere könnten die Gelder besser gebrauchen, sagt Osberghaus.

Ein Mitarbeiter eines Reisebuchverlages stapelt am 13.10.2015 in Frankfurt am Main (Hessen) auf der 67. Buchmesse seine Reiseführer in alphabetischer Reihenfolge. 9 min
Bildrechte: picture alliance / dpa

Unsicherheit über digitales Messe-Angebot

An der Frankfurter Buchmesse wird sich der Verlag nur mit einem virtuellen Regal beteiligen. Das, was man an der Buchmesse so schätze und liebe, die Kontakte mit Kollegen und Publikum, das gehe gerade nicht, meint Osberghaus. Eingeschweißte Bücher gingen nicht. Kinderbücher müssten aufgeschlagen werden, begründet die Verlegerin. Sie sei sich nicht sicher, ob die Frankfurter Buchmesse mit ihren digitalen Angeboten viele Menschen erreichen könne. Nach all den Videokonferenzen sei sie all dieser digitalen Dinge müde.

Ihrer Einschätzung nach haben die Buchbranche und Händler die Krise gut gemeistert. Hart getroffen habe es die Autoren, deren Bücher sich nur mäßig verkaufen und die sich über Lesungen finanzieren. Deren Einnahmen sind durch die Corona-Beschränkungen komplett weggebrochen.

Kritik an Beantragungsverfahren für Fördermittel

Auch der "leiv Leipziger Kinderbuchverlag" sieht sich gut aufgestellt. Verleger Steffen Lehmann sagte, man komme einigermaßen durch. Zwar liege die Arbeit mit internationalen Lizenzen am Boden. Aber man habe keine Kurzarbeit in Anspruch nehmen müssen, nicht beim Personal gekürzt und auch das Programm nicht reduziert. Allerdings halte sich der Verlag bei Experimenten stärker zurück. Abgesehen von der ersten Soforthilfe habe man keine Fördermittel beantragt, da die Beantragungsverfahren nicht im Verhältnis Aufwand/Nutzen stünden. 

Der Leipziger Kinderbuchverlag nimmt an der virtuellen Frankfurter Buchmesse teil. Aber auch Verleger Lehmann sagt, ihm gefalle das nicht. Das Buchgeschäft sei persönlich und direkt, auch die Arbeit mit Lesern, Autoren, Illustratoren und Buchhändlern. Er hoffe also auf eine analoge Buchmesse in Leipzig 2021.

Stationärer Buchhandel erholt sich von Umsatzeinbruch

Als Mitte März der Lockdown begann, wurde auch der stationäre Buchhandel lahmgelegt. Erst Ende April durften die Buchläden wieder öffnen. Die Umsätze des stationären Buchhandels gingen deshalb im ersten Halbjahr bis zum Ende der Sommerferien deutschlandweit um 9,7 Prozent zurück. Für Sachsen ermittelte media control einen Rückgang um 4,5 Prozent, für Sachsen-Anhalt um 6,6 Prozent und für Thüringen um 8,3 Prozent.

Inzwischen erholt sich der Buchhandel wieder. Die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs sagte, seit Wiedereröffnung der Läden sei die Nachfrage nach Büchern groß, die Umsätze lägen seit Juni jeweils über denen der Vorjahresmonate. Der Buchhandel könne somit den Umsatzrückstand Monat für Monat verkleinern.

Das Buch erweist sich als krisenfest.

Karin Schmidt-Fridrichs

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2020 | 13:14 Uhr

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