Commerzbank Stellenabbau betrifft auch Mitteldeutschland

Es ist eine Umstrukturierung und radikales Sparvorhaben: Bis 2024 will die Commerzbank jeden dritten Arbeitsplatz in Deutschland streichen. Außerdem sollen knapp über die Hälfte der Filialen abgebaut werden. Was bedeutet das für Mitteldeutschland?

Die Zentralen von Deutscher Bank (l) und Commerzbank (hinten rechts) stehen in der Innenstadt.
In Schieflage: Die Commerzbank hat angekündigt, Tausende Stellen abzubauen. Was würde das für Mitteldeutschland bedeuten? Bildrechte: dpa

Selbst für Stefan Wittemann kam die Nachricht des großen Stellenabbaus bei der Commerzbank wie ein Schock. Wittemann ist Gewerkschaftssekretär bei Verdi und sitzt im Aufsichtsrat der Commerzbank. "Wir wissen zwar seit Monaten durch interne Gespräche und Verhandlungen, dass die Bank eine neue Strategie aufsetzen möchte, aber dass sie jetzt so unvermittelt 10.000 Stellenstreichungen ankündigt, hat uns natürlich alle überrascht", sagt der Gewerkschafter MDR AKTUELL.

Gut die Hälfte ihrer Filialen in ganz Deutschland will die Commerzbank schließen. Das hat für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gravierende Folgen, prognostiziert Wittemann:

Da in Mitteldeutschland mit Ausnahme der großen Städte Leipzig und Dresden hauptsächlich Filialvertrieb angesiedelt ist, bedeutet das, dass sich in der Tat jede zweite Stelle, an der Commerzbank-Beschäftigte sitzen, aus der Region verabschieden wird.

Stefan Wittemann Gewerkschaftssekretär Verdi

Und auch die Ankündigung, jede dritte Stelle zu streichen, wird vor Mitteldeutschland keinen Halt machen. Details gibt es allerdings noch nicht. Laut dem Verdi-Gewerkschaftssekretär arbeiten in Sachsen über den Daumen gepeilt insgesamt 1.100 Beschäftigte. In Sachsen-Anhalt seien in der Fläche zwischen 200 und 300 Mitarbeiter in den Filialen angestellt und in Thüringen rund 200.

Viele Filialen im Osten

Der Schriftzug "Commerzbank" an einer Hausfassade.
Die Commerzbank hat in Ostdeutschland ein dichtes Filialnetz aufgebaut. Bildrechte: IMAGO

Komplett wolle sich die Commerzbank jedoch nicht aus der Region zurückziehen, sagt Wittemann. "Man möchte also praktisch im neuen Strategieansatz einen Mix aus Digitalbanking, Telefon-Banking und Filialen anbieten." Das bedeute, dass Vertriebsarbeitsplätze in der Region bleiben würden, allerdings nicht so viele wie bisher.

Dabei war die Commerzbank eines der Geldhäuser, das im Zuge des Aufbau Ost sein Filialnetz hierzulade großzügig aufgebaut hat. Sie ist damit nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch eine wichtige Mittelstandsbank, die Kredite an kleine und mittlere Unternehmen vergibt.

Sozialverträglicher Stellenabbau?

Hier sei der persönliche Kontakt eigentlich unverzichtbar, sagt Gunther Schnabl. Er leitet das Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig. Er rechnet damit, dass die Commerzbank den Stellenabbau sozialverträglich gestalten wird. Das heißt: "Der Stellenabbau passiert dann über Nicht-Besetzung von Stellen, von Menschen, die das Unternehmen verlassen oder in Rente gehen. Allerdings werden keine neuen Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen geschaffen."

Dabei sei es nicht nur die Digitalisierung, die den Banken zusetzt, sondern allen voran die Zinspolitik der EZB, sagt der Wirtschaftspolitiker Schnabl. Durch sie falle eine wichtige Einnahmequelle der Geldhäuser weg und zwinge sie zum Sparen.

Maßnahmen gegen oder mit Gewerkschaft

Im Falle der Commerzbank werde man um jeden Arbeitsplatz kämpfen, kündigte Stefan Wittemann von Verdi an. Und: "Anders als in vielen anderen Großbanken in Deutschland ist der Organisationsgrad in der Commerzbank sehr hoch. Das heißt: Mehr als ein Drittel der Beschäftigten – das bedeutet in Zahlen über 10.000 Menschen in der Commerzbank – sind bei Verdi organisiert. Und das wiederum heißt, der Vorstand muss sich gut überlegen, ob er die Maßnahmen, die er vorhat gegen uns macht oder mit uns."

Am 3. Februar wird der Aufsichtsrat über die Sparpläne und den Strategieentwurf entscheiden. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2021 | 16:06 Uhr

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