Digitalisierung Kontaktverfolgung: Bund und Länder suchen die beste App

Abends mal wieder in die Kneipe oder mit den Kindern in den Zoo – angesichts steigender Corona-Zahlen rücken diese Wünsche in weite Ferne. Es sei denn, man könnte schnell und exakt nachvollziehen, wer beim Kneipenbesuch wen angesteckt haben könnte. Die Corona-Warn-App ermöglicht keine Kontaktverfolgung, denn sie garantiert allen Nutzern Anonymität. Viele Entwickler von Apps für Kontaktverfolgung buhlen daher um die Gunst der Politik. Eine kommt aus Dresden.

Luca-App
Die Luca-App ist eine von vielen Apps zur Kontaktverfolgung. Bildrechte: dpa

Vielleicht erinnern Sie sich noch an ihren letzten Restaurant-Besuch, vorm Lockdown: Fast überall musste man seine Kontaktdaten auf Zettel schreiben, damit das Gesundheitsamt anrufen kann, falls am Nebentisch ein Infizierter saß. Diese Zettelwirtschaft soll bei der nächsten Öffnung enden.

Kontaktverfolgung per App

Die Dresdner Unternehmerin Kathleen Parma hat die App "Pass4All" mitentwickelt. Das kleine Programm funktioniert wie eine digitale Eintrittskarte: "Man kommt ins Restaurant, man kommt ins Theater, ins Museum, man kommt in den Zoo. Überall dort, wo Pass4All vorhanden ist, scannt man sich einfach ganz kurz ein. Und die App registriert: Aha, Lieschen Müller ist jetzt hier gewesen. Und wir ordnen dann Zeit und alles zu."

Die App erzeugt einen verschlüsselten Code über Besuchszeiten und andere Kontakte im Raum. Darauf können die Gesundheitsämter im Bedarfsfall zugreifen. Mit der Idee ist Kathleen Parma allerdings nicht allein.

Bund und Länder diskutieren über einheitliche App für alle

Die vielleicht bekannteste Lösung zur Kontaktverfolgung ist die vom Hip-Hop-Sänger Smudo unterstützte Luca-App. Doch es gibt noch viel mehr, sagt Jan Kus von der Initiative "Wir für Digitalisierung": "Insgesamt gibt es in der Initiative 'Wir für Digitalisierung' knapp 50 Anbieter, die sich gemeldet haben. Im Grundsatz  ist es so, dass diese Anbieter alle mit diesen QR-Codes arbeiten, die man einscannen kann, die Kontaktdaten hinterlässt, wie es die Corona-Schutzverordnung verlangt und somit eine Kontaktdatenerfassung machen kann."

In Details unterscheiden sich die Apps. Die eine speichert auch Ergebnisse von Corona-Tests, mit der anderen kann man zudem bezahlen. Trotzdem stellt sich die Frage: Ist diese Vielzahl an Apps zur Kontaktverfolgung sinnvoll? Sollte es im Zoo Leipzig nicht die gleiche Lösung geben wie in einem Biergarten in Dresden? Bund und Länder diskutieren, ob man nicht eine App zur offiziellen Lösung für ganz Deutschland macht.

Alina Hesse vom Verband der Digitalwirtschaft Bitkom fände das sinnvoll: "Klar sind wir eigentlich immer dafür, dass es Vielfalt geben soll. Aber im Hinblick auf digitale Kontaktverfolgung muss natürlich auch an den Endverbraucher, an den Nutzer denken." Es sei nicht im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer, fünf oder sechs unterschiedliche Kontaktverfolgungs-Apps nutzen zu müssen. "Deswegen muss man versuchen, dass man da einen Kompromiss findet und eine einheitliche App hat neben der Corona-Warn-App."

App-Entwickler gegen einheitliche Lösung

Die Entwickler der einzelnen Apps finden das hingegen keine gute Idee. Jeder will mit seiner Lösung auch verdienen. Und so buhlen fast alle um Unterstützung bei der Politik. Die Luca-App hat die offizielle Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. In Bayern ist "Darf-ich-rein" weit verbreitet. Die Stadt Dresden unterstützt Pass4All. Entwicklerin Kathleen Parma hofft auf mehr. "Wir kommen aus Sachsen. Es ist eine Lösung, die für Sachsen steht. Und wir würden uns wirklich wünschen, dass Unternehmen Pass4All sachsenweit nutzen."

Ob das klappt, ob die Landesregierung die App fördern wird, ist offen. Bislang finanziert sich Pass4All über Unternehmen, die freiwillig mitmachen. Sie zahlen 20 Euro im Monat dafür, dass sich Besucher an ihrem Eingang über Pass4All registrieren. Mehr als 500 seien vor dem zweiten Lockdown schon dabei gewesen, sagt Parma. Vom Bäcker bis hin zum Sessellift in Oberwiesenthal.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. März 2021 | 06:12 Uhr

28 Kommentare

DER Beobachter vor 37 Wochen

Frage, Zwickauer: Erklärt der Schlüsselanhänger die wie gewohnt weiterhin niedrigen Inzidenzwerte, Sterberaten und sonstige Covidfakten in Meck-Pomm? Ernst gemeint, weil ich mich in Tat immer wundere...

DER Beobachter vor 37 Wochen

Ernstgemeinte Frage, Zwickauer: Könnte eine solche App die kleinständischen Handels und Gastronomieunternehmen besser vor Lügnern schützen, die falsche Angaben machen und das Virus verbreiten? So letztes Jahr einem Dresdner Gastronomen geschehen, der im Herbst schon einen Monat vor dem allgemeinen Lockdown dicht machen musste wegen diesen Idioten...

KalterBrunnen vor 37 Wochen

"Die Daten sind nur abrufbar, wenn ich es will." Deutsche Programmierer sind nicht die hellsten, aber hier unterschätzen sie diese Herrschaften gewaltig.

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