Wirtschaft Das sind die Gewinner der Corona-Krise

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Die Wirtschaft ächzt unter der Corona-Krise. Restaurants sind geschlossen, Hotels kaum besucht und große Fabriken haben Mühe, die Produktion unter den Corona-Auflagen aufrecht zu erhalten. Doch es gibt auch Wirtschaftszweige, die von der Krise profitieren. Die Hersteller von Toilettenpapier gehören nicht dazu.

Ralf Viehweg kommt spielend durch die Krise. Und das liegt an dem Unternehmen, das er vor vier Jahren gegründet hat. Seine Spika GmbH in Annaberg-Buchholz legt Brettspiel-Klassiker der DDR neu auf, zum Beispiel "Der bunte Würfel", "Im Märchenwald" oder "Teddy und Lola". Der Absatz sei von Beginn an gut gewesen, so der Unternehmer, doch Corona habe ihn nochmal befeuert.

Viehweg sagt: "Dieser Lockdown bedingt ja nun auch, dass Familien enger zusammen kommen und mehr zusammenhalten. Und da sind Spiele gar nicht so schlecht. Wir hatten 2016 ein Spiel auf dem Markt, jetzt habe ich 25. Wir lassen in Altenburg produzieren, unsere Spielfiguren werden in Thüringen gefertigt. Also wir können mit Fug und Recht behaupten, es ist alles Made in Germany."

Zuwachs in mehreren Branchen

Viele Spielwarenhersteller sind wohl selbst überrascht. Doch sie gehören laut Statistischem Bundesamt zu den Gewinnern der Krise. Im September lag die Produktion der Branche 35 Prozent über dem Vorjahreswert.

Das Amt hat umfassend erhoben, bei wem es trotz Corona gut läuft. Es gab in mehreren Branchen Zuwächse, sagt Statistikerin Luisa Baumgärtner: "Jetzt bei den Lebensmitteln sind es vor allem die Nudeln." Da habe es einen Zuwachs von 20 Prozent gegeben, bei Zucker von 16 Prozent. Das seien im Bereich Lebensmittel die größten Produktionsanstiege gewesen.

Leipziger Biokraftstoffhersteller rüstet um

Die Deutschen haben gehortet, was sich im Vorratsschrank hält. Von Dauer sind die Zuwächse deshalb vermutlich nicht.

Besonders gut verkauften sich zuletzt auch Desinfektionsmittel. In den ersten drei Quartalen lag die deutsche Produktion 80 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

In das Geschäft ist auch die Leipziger Verbio AG eingestiegen. Eigentlich ein Hersteller von Biokraftstoffen. Doch im März habe die Firma eine Anlage umgerüstet, erzählt Vorstand Oliver Lüdtke. In der Peak-Phase habe man einige hunderttausend Liter Desinfektionsmittel hergestellt.

Lüdtke sagt: "Obwohl wir eine relativ unbekannte Nummer sind, sind wir eigentlich ganz gut angenommen worden. Wir haben so auch entschieden, auch langfristig in diesen Markt zu liefern und das auch auszubauen diesen Bereich. Das ist ja ein ganz neuer Bereich, betont Lüdtke. Dank des neuen Produkts, resümiert Lüdtke, schaffe man auch zehn neue Arbeitsplätze.

Onlinehändler und Paketdienste expandieren

Personal suchen derzeit auch Onlinehändler und Paketdienste. Die beiden Branchen sind vielleicht die größten Lockdown-Profiteure. Und dann wächst noch ein Sektor, auf den man nicht so leicht käme: Umzugsfirmen.

Das Internetportal "umzugsauktion.de" vermittelt 15 Prozent mehr Möbelpacker als vor einem Jahr. Geschäftsführer Christian Gimbel erklärt sich das mit den Kontaktbeschränkungen: "Also im Grunde ist es ja so, dass die Do-it-yourself Umzüge, also die Umzüge, die jemand mit Freunden und Bekannten bisher gemacht hat, dass die nicht mehr in der Art und Weise stattfinden können wie früher. Das heißt, diese Personen sind auch darauf angewiesen, dass sie gewerblich eine Firma beauftragen und dann der Umzug von einer Firma durchgeführt wird."

Am Ende gilt es noch mit einer Legende aufzuräumen. Die Hersteller von Toilettenpapier gehören nicht zu den Krisengewinnern. Zwar stieg der Verkauf im Frühjahr rasant an. Das war aber nur ein Ausreißer. Die deutsche Produktion lag von Januar bis September sogar drei Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Dezember 2020 | 06:47 Uhr

6 Kommentare

mattotaupa vor 28 Wochen

"minus 70 Grad und mehr Gefrierschränken" die man aber gar nicht brauch, weil das ganze über boxen mit trockeneis laufen soll und außerdem nur einen impfstoff betrifft. der (weniger wirksame) impfstoff aus uk ist wohl aufgrund der einfacheren logistik günstiger und daher auch weltweit einsetzbar. "auf die Fahrradindustrie hinweisen" da können sie sogar auf jeden einzelnen mitarbeiter hinweisen, ist nämlich gar nicht so schwer, weil es recht wenig hierzulande sind. ihre beispiele von krisengewinnern sind recht unauffällig, bei der betrachtung der gesamten wirtschaftsleistung dieses landes. " Es gibt auch genügend Gewinner" würde ich es nicht nennen, wenn die beispiele mit optischen hilfsmitteln rauszusuchen sind.

mattotaupa vor 28 Wochen

na dann googeln sie doch gleich mal bestatter kestner und seine propaganda gegen die maskenpflicht. manche profitieren und haltne dadurch kunden am leben und manche sind halt düster drauf und können branchenbedingt jeden kunden nur einmal abziehen, da muß schließlich trotzdem nachschub her.

der Uwe vor 28 Wochen

Nur mal so nebenbei: Das Strohfeuer mit den " Minus 70 Grad" Kühlschränken ist bald wieder erloschen: Die Impfstoffe, die das benötigen, werden in Trockeneis - Boxen angeliefert und andere Impfstoffe kommen ohne " zusätzliche" Kühlung aus . Der Hype wurde nur wieder in die Welt gesetzt, in der Hoffnung, dass der Finanzminister mal wieder Steuergelder deswegen verpulvert. Seit Flughafen BER weiß, jeder , dass der Bund sich von jeder Firma finanziell übern Tisch ziehen lässt ,- weil's der dumme Michel ohne Murren erarbeitet...- aber wehe die Parkuhren sind abgelaufen....

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