Wellness, Heilbäder, Thermen Kurorte leiden im zweiten Jahr unter der Pandemie

Zu den stark von der Pandemie betroffenen Wirtschaftsbereichen gehören die Wellness- und Reha-Branche – und damit Kurorte und Heilbäder. Badeanstalten, Wellness-Tempel – sie gehörten zu den letzten, die wieder öffnen durften. Sie tragen schwer unter der Last der letzten zwei Jahre und sind dennoch hoffnungsvoll.

Menschen bei der Aquagymnastik im Gesundheitsbad in Bad Schlema
Bad Schlema kann bereits wieder hohe Gästezahlen verzeichnen – andere Kurorte haben sich noch nicht von der Pandemie erholt. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Karl-Ludwig Resch ist der Präsident des Sächsischen Heilbäderverbandes. Und auch wenn die Bäder seit Mitte Juni endlich wieder offen sind, hat er eine große Sorge – die Finanzen: "Viele Thermen sind von den Orten getragen oder mitgetragen. Und während private Unternehmen für ihre Verluste Ausgleich bekommen haben, war das für die öffentlich geführten Unternehmen nur im letzten Jahr im November und Dezember so, ansonsten mussten die Gemeinden die gesamten Verluste tragen."

Nicht alle Orte erhalten noch finanzielle Hilfe

Ein Problem, das auch andere mitteldeutsche Kurorte kennen. In Bad Salzelmen in Sachsen-Anhalt leitet Sibylle Schulz das Soleheilbad, einen Eigenbetrieb der Stadt Schönebeck. Seit Dezember 2020 gab es keinerlei finanzielle Unterstützung mehr vom Bund: "Die Verluste, die wir einfahren, schlagen sich also direkt auf den Stadthaushalt durch." Man verschlechtere damit auch die Haushaltslage der Stadt Schönebeck.

Matthias Reinz ist der Bürgermeister des Thüringer Kurortes Bad Langensalza. Er war gerade bei den "Thüringer Bädertagen", bei denen vom Land Hilfe versprochen wurde, die ihn erleichtert: "Ich fand es gut, dass das Land jetzt nochmal nachjustiert hat und nochmals Unterstützung an die Heilbäderfamilie in Thüringen zahlen möchte." Die Summe steht noch nicht fest – schon im vergangenen Jahr gab es vom Land für staatlich anerkannte Heilbäder und Kurorte in Thüringen jeweils eine halbe Million Euro.

Nachfrage unterscheidet sich von Ort zu Ort

Und die Nachfrage? Strömen die Gäste wieder in die Kurorte und Heilbäder? In Bad Langensalza profitiere man davon, dass viele ihren Urlaub in Deutschland verbrächten. Sibylle Schulz aus Bad Salzelmen, die auch die Geschäftsführerin des Heilbäder- und Kurorteverbands Sachsen-Anhalt ist, sagt dagegen, die Nachfrage sei noch immer nicht die alte und: "Man kann nicht jede Umkleidekabine belegen, man muss Duschen, die nebeneinanderliegen, mitunter sperren" eben um die Corona-Bestimmungen einzuhalten. "Das schränkt uns sehr ein", sagt Schulz.

So berichtet das auch Schulz' Kollege aus Bad Schmiedeberg in Sachsen-Anhalt. Nur die Reha-Kliniken seien wieder voll, da keine OPs mehr verschoben würden. Im Urlaubsbereich liege die Auslastung bei etwa 80 Prozent des Normalbetriebs. Und auch in Sachsen zögern laut Verbandspräsident Karl-Ludwig Resch noch viele Gäste.

Neuer Rekord in Bad Schlema

Aber es gibt auch positive Beispiele: Kathrin Bösecke-Spapens ist die Geschäftsführerin der Kurgesellschaft Schlema. Bis November seien alle Therapieplätze in Bad Schlema ausgebucht, die Kurgäste hätten sogar für einen Rekord gesorgt: "Also wir hatten die höchsten Zahlen an Gästen im August, die wir jemals in einem Sommermonat hatten. Der ganze Ort ist ausgebucht, auch die Auslastung im Hotel ist im August bei 90 Prozent gewesen. Also das sind wirklich sensationelle Zahlen." In Bad Schlema, glaubt Kathrin Bösecke-Spapens, wollten viele jetzt nachholen, was lange nicht ging.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. September 2021 | 08:08 Uhr

2 Kommentare

Critica vor 6 Wochen

Man muss abwägen. Was ist denn schlimmer?
Eine nachlassende Plandemie oder hinnehmen, oder dass Menschen sich mittels Rehasport nicht mehr fit halten können.

ElBuffo vor 6 Wochen

Verstehe ich nicht. Müsste doch überall so wie in Schlema sein. Nicht nur, dass nachgeholt wird. Allein wegen den Massen an Corona-Rehabilitanten müssten diese Einrichtungen doch an der Kapszitätsgrenze laufen.

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