Mobiles Arbeiten Unternehmen müssen sich neu erfinden

Wolfgang Brinkschulte / MDR-Wirtschaftsexperte
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Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Arbeitswelt ausgewirkt? Mobiles Arbeiten werde immer wichtiger, klassische hierarchische Strukturen seien überholt, sagt die Leipziger Unternehmensberaterin Regina Köhler, Gründerin von AVILOX, im Gespräch mit MDR-Aktuell. Ihr Unternehmen hat sehr früh auf mobile Arbeit gesetzt und komplett auf Büros verzichtet.

Eine Frau arbeitet an einem Tisch.
Mobiles Arbeiten, egal wann und wo – sieht so die Zukunft der Arbeitswelt aus? Bildrechte: IMAGO / Westend61

Neue digitale Arbeitsformen benötigen auch neue Organisationsformen in Unternehmen, die helfen, auch in einer verteilten Arbeitsumgebung weiterhin effektiv zu sein. Dabei spielten auch Regelungen zum Homeoffice eine Rolle, erläutert Regina Köhler, die Geschäftsführerin der Leipziger Firma Avilox, ein Unternehmen, im Gespräch mit MDR Aktuell. Avilox selbst berät Unternehmen zu Fragen mobilen Arbeitens.

Neue Organisationsformen für effektives Arbeiten

Nach ihrer Einschätzung würden Teams und Abteilungen in Unternehmen zukünftig eher selbstbestimmt entscheiden, wie mobil und flexibel sie arbeiten wollen, um die Unternehmensziele einzuhalten. Die Frage der Führung und der Organisationsentwicklung spiele dabei eine besondere Rolle. Köhler prognostiziert, dass es in Zukunft deutlich mehr Vielfalt in Unternehmen geben werde, auch mehr Experimente, was für Mitarbeiter wirklich effektiv sei. So könnte es künftig verschiedene flexible Organisationsformen geben, die sich gegenseitig befruchten, um daraus für das Unternehmen als Ganzes zu lernen. Die Bedeutung von starren, regulierten Strukturen würde in Zukunft abnehmen. Das würde auch mögliche Unzufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbeugen.

Büroloses Unternehmen mit Mitarbeitenden aus aller Welt

Sie selbst habe schon bei der Gründung ihrer Firma 2013 gesehen, dass flexibles und mobiles Arbeiten in der Unternehmenswelt eine immer bedeutsamer werde. Wichtig sei ihr im Zuge ihrer eigenen Beratungstätigkeit gewesen, eigene praktischen Erfahrungen vermitteln zu können. Dadurch habe sie sich selbst als "Lebendexperiment" gesehen. Es ihr wesentlich darum, das richtige Maß zwischen digitaler und analoger Arbeit zu finden, auch um das menschliche, reale Miteinander.

Die Pandemie sei ein gutes Beispiel dafür, dass zwischenzeitlich auch persönliche Nähe unter Mitarbeitern verloren gegangen sei. Daher bleibe die reale Begegnung ein wichtiger Bestandteil in der Arbeitswelt. Es komme auf einen guten Mix an.

Zukunft der Arbeit mit individuellen Freiheiten

Köhler hat mit Unternehmensgründung auf ein Büro verzichtet. Jeder Mitarbeiter könne selbst entscheiden, zu welcher Zeit und von wo aus er arbeite. Es sei für ihre Firma sogar unwichtig, wo die Mitarbeiter wohnten. Sie habe Mitarbeiter in Spanien oder auch in Mexiko. Der Ort selbst spiele keine Rolle.

Allerdings komme es darauf an, dass das jeweilige Team gut zusammenarbeiten könne. Die Frage Homeoffice oder Büro sei nicht entscheidend, vielmehr müsse der Ort gut gewählt sein. Ohne dass es zu Lasten einzelner Mitarbeiter gehe. Dies erfordere von allen Beteiligten ein hohes Maß, sich auf den jeweils anderen einzustellen. Gleichzeitig biete diese Form der Zusammenarbeit die Möglichkeit als Unternehmen, den Mitarbeitern neue besondere Angebote machen zu können. Angebote, die ihre persönliche, individuelle Freiheit betreffe.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2021 | 07:12 Uhr

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