Trotz Lockdown Das sind die wirtschaftlichen Gewinner der Pandemie

Viele Unternehmen leiden unter der Pandemie, einige mussten gar schließen. Für manche Branchen kam mit dem Coronavirus und sämtlichen Einschränkungen jedoch der wirtschaftliche Aufschwung. Umweltfaktoren und moderne Technik spielen dabei eine große Rolle.

Kleingeld in einem Glas, darauf wächst eine Pflanze.
Betriebe, die von der Pandemie profitieren, sind vor allem nachhaltig ausgerichtet. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Christoph Alt hat einen günstigen Moment erwischt. Sein Unternehmen Ligenium war gerade ein Jahr alt, als die Pandemie ausbrach. Für den Gründer aus Chemnitz eine günstige Gelegenheit, in den Markt einzusteigen: "Denn die Automobilisten und die jeweiligen Mitarbeiter, die für uns die Ansprechpartner sind, die waren teilweise eben nicht mehr so stark in das operative Geschäft eingespannt, weil auch die Produktionen heruntergefahren worden sind und hatten demzufolge auch Zeit, sich mal mit unserer Thematik zu beschäftigten."

Und das wäre? Das junge Unternehmen baut sogenannte Ladungsträger. Darauf werden Bauteile transportiert – eben zum Beispiel für die Automobilindustrie. Das Besondere: Sie entstehen bei Ligenium nicht aus Alu oder Stahl, sondern aus Holz. Sie sind bis zu 50 Prozent leichter. Die Vorteile: "Das Thema Ressourcenschonung und auch CO2-Erzeugung bei der Herstellung der Ladungsträger, aber auch beim Transport. Auf der anderen Seite kann ich natürlich auch Kosten einsparen", erklärt Alt.

Den Kunden gefällt das offenbar. Die Chemnitzer Firma konnte ihren Umsatz seit Gründung kontinuierlich steigern, ist von fünf auf zehn Mitarbeitende gewachsen.

Digitalisierung zahlt sich aus

Mit 125 Angestellten deutlich größer ist ein anderer Pandemiegewinner aus der Region: Rooom – zu Deutsch Raum, allerdings mit drei Os in der Mitte. Drei Os für drei Dimensionen, erklärt Marketingchefin Nathalie Weigelt: "Wir machen sehr viel im 3D-Bereich: Produktvisualisierung, virtuelle Showrooms. Jetzt in den letzten zwei Jahren haben wir sehr viele virtuelle und hybride Events veranstaltet."

Wie zum Beispiel die Funkausstellung in Berlin im Jahr 2020. Das Jenaer Unternehmen baut etwa virtuelle Messestände, in Showrooms kann man sich Produkte von allen Seiten ansehen. Die Pandemie, die persönliche Treffen nun mal arg eingeschränkt hat, habe das Geschäft eindeutig beflügelt, so Weigelt. "Wir haben unsere Lösungen dahingehend optimiert. Aber auch mit der Zeit gemerkt, dass viele Unternehmen jetzt offener sind gegenüber Digitalisierungslösungen." 

Ein Ende der Pandemie fürchtet Weigelt daher nicht. 2021 hat Rooom neue Standorte aufgebaut. Darunter auch einen in den USA. Weitere sind in München und Berlin geplant.

Wissen

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Bildrechte: LEAVR / MDR WISSEN

Pandemie erzeugte Fahrrad-Boom

Zurück nach Sachsen – zum Fahrradhersteller Diamant: Der erste Lockdown im Frühjahr 2020 hatte einen regelrechten Fahrradboom ausgelöst. Was ist daraus geworden? Unternehmenssprecher Thomas Eichentopf fasst zusammen: "Es ist natürlich so, dass in der Anfangszeit ein riesengroßer Hype da war. Auf dem Niveau bewegen wir uns nicht mehr ganz. Aber es ist schon so, dass wir immer noch deutlich höher sind als noch vor zwei Jahren. Auch höher als wir vor zwei Jahren gedacht hätten, dass wir heute sein würden."

Die Folge: Diamant baut mehr Fahrräder – mit mehr Mitarbeitern. 600 bis 700 seien es inzwischen, so Eichentopf. Und auch er befürchtet nicht, dass das Geschäft einbricht, falls Omikron die Pandemie tatsächlich beendet.

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Unfallsimulation mit einem E-Bike. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

 "Menschen werden langfristig häufiger aufs Rad steigen"

Eichentopf ergänzt: "Wir wissen, dass Menschen aufs Rad umgestiegen sind, sich ihr Pendlerverhalten verändert hat. Fahrradfahren an sich ist ja ein Megatrend – im Kontext von Fridays for Future, mehr Nachhaltigkeit, neue Mobilität hätte sich all das ohnehin in diese Richtung entwickelt."

Selbstverständlich wünscht sich aber auch der Pandemiegewinner Diamant das Ende der Pandemie, inklusive dem Ende von Lieferverzögerungen durch Lockdowns – und natürlich wie alle: ein Zurück zur Normalität.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Januar 2022 | 08:52 Uhr

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