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Hotels und GaststättenAussicht auf Erholung im Gastgewerbe?

von Yannick Jürgens, MDR-Wirtschaftsredaktion

Stand: 21. Mai 2022, 05:00 Uhr

Die Temperaturen steigen, die Zahl der Corona-Infektionen hingegen sinkt. Seit mittlerweile zwei Jahren verheißt der Sommer vor allem Entspannung in der Pandemie. Doch dieses Jahr ist es noch einmal anders: Nach Erst-, Zweit- und Drittimpfung und dem Aufheben der meisten Beschränkungen scheint die Pandemie so weit weg wie noch nie. Im Gastgewerbe in Mitteldeutschland macht sich nun Optimismus breit – auch, wenn die Krise noch nicht ganz überstanden und bereits eine neue spürbar ist.

Das Geschäft läuft wieder an

Nach Jahren der Pandemie und der Umsatzeinbrüche startet das Gastgewerbe in Mitteldeutschland mit vorsichtigem Optimismus in den Sommer 2022. Für Axel Klein vom Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA in Sachsen zum Beispiel ist das Glas halbvoll: "Auf alle Fälle geht es wieder los. Und sobald man Umsatz macht, kann man sein Einkommen selber erwirtschaften. Und das ist das, was uns lange gefehlt hat." Vor der Pandemie seien gerade in Sachsen die Übernachtungszahlen in der Hotellerie hervorragend gewesen, so Klein weiter. Davon sei die Branche aber noch ein Stück weit entfernt.

So sieht es auch sein Kollege aus Thüringen. Laut Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA-Landesverbandes, läuft das Geschäft wieder an: "Insbesondere in der Gastronomie und auch in der Hotellerie. Allerdings: Tagungen und Veranstaltungen finden noch nicht so stark statt, wie wir sie bräuchten, weil die eben eine lange Vorlaufzeit haben." Hinzu kommt auch das veränderte Verhalten der Kunden. Axel Klein sieht hier einen Trend: Die Buchungen würden immer kurzfristiger. "Das ist ein großes Thema, sowohl im Gastronomiebereich, aber auch im Hotelbereich. Und es stellt uns natürlich vor große Herausforderung beim Thema Personalplanung zum Beispiel. Oder beim Wareneinkauf."

Hoffnungen auf Neustart der Veranstaltungsbranche

Ein Grund für den Optimismus in Gastronomie und Hotellerie ist unter anderem der Neustart der Veranstaltungsbranche. Festivals wie zum Beispiel das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig finden nach zwei Jahren Zwangspause wieder statt. Aus der Sicht von Axel Klein sind derartige Events sehr wichtig für die Branche. "Das ist eine Wechselwirkung. Von diesen Großveranstaltungen leben natürlich sehr viele, auch wir." Indem Gäste in die Region gelockt würden, partizipierten Gastronomie und Hotellerie.

Von Großveranstaltungen leben natürlich sehr viele, auch wir.

Axel Klein, Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA in Sachsen

Klein nennt als Beispiel die Rennsportserie DTM, die vom 20. Mai bis 22. Mai am Lausitzring stattfindet. Dort kämen Gäste, die nicht bloß die Tickets kaufen, sondern darüber hinaus mehr als das Doppelte des Ticketpreises im Umfeld ausgeben würden. "Die übernachten dort, die trinken auch ein Bier, essen ein Schnitzel. Das sind die Effekte, die man hat."

Massive Umsatzeinbrüche 2020 und 2021

Die Hotel- und Gaststättenbranche war in den ersten Jahren der Corona-Pandemie besonders betroffen von Umsatzeinbrüchen. So setzte das Gastgewerbe 2020 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mehr als ein Drittel weniger um als im Vorkrisenjahr 2019. Im folgenden Jahr konnten sich die Unternehmen nicht erholen: 2021 betrug der Umsatz noch einmal 2,2 Prozent weniger als im ersten Jahr der Pandemie.

Für viele Betriebe bedeuteten die massiven Einbrüche das Aus. Beispielsweise fielen von 2019 auf 2020 in Thüringen laut des Branchenverbandes DEHOGA 598 Betriebe aus der Umsatzssteuerstatistik heraus. Geschäftsführer Dirk Ellinger schließt daraus, dass die Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb eingestellt hätten. "Und das ist schon relativ dramatisch, weil wir reden da von 12,3 Prozent der Betriebe, die also nur im ersten Jahr der Pandemie vom Markt verschwunden sind."

Wir reden von 12,3 Prozent der Betriebe, die nur im ersten Jahr der Pandemie vom Markt verschwunden sind.

Dirk Ellinger, Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA in Thüringen

Gegenwärtig steigen die Umsätze im Gastgewerbe bundesweit wieder. Allerdings lagen sie im März 2022 immer noch fast 28 Prozent unter dem Niveau des Februars 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland.

Verschärfte Personalprobleme durch Pandemie

Nicht nur bei den Umsätzen kam es zu Einbrüchen im Gastgewerbe. Im Bereich der Gastronomie beispielsweise hatten die Pandemie-Maßnahmen einen starken Rückgang beim Personal zur Folge. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes nahm die Zahl der Beschäftigten von Januar bis Oktober 2021 um fast ein Viertel gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ab. Besonders deutlich zeigte sich der Wegfall von Jobs in den Lockdown-Monaten. Vor allem geringfügig Beschäftigte waren betroffen.

Außerdem wurden 2020 deutlich weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen – und ein Personalmangel in der Branche dadurch weiter verstärkt, wie auch der Präsident des DEHOGA-Landesverbandes in Sachsen-Anhalt, Michael Schmidt, betont: "Wir sehen natürlich in der Branche, die ein Fachkräfte-, aber auch Arbeitskräfteproblem schon vor der Pandemie hatte, natürlich jetzt eine Multiplikation der Faktoren. Also dass es besonders schwer wird, entsprechend Mitarbeiter zu rekrutieren, beziehungsweise in die Branche zurückzuholen." Das sei belastend für die Unternehmen, so Schmidt.

Es wird schwer, Mitarbeiter in die Branche zurückzuholen.

Michael Schmidt, Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA in Sachsen-Anhalt

Branche will attraktiver werden

Nach Ansicht von Dirk Ellinger vom Thüringer Hotel- und Gaststättenverband müsse die Branche deshalb attraktiver werden. "Das wird uns nachhaltig vor Herausforderungen stellen. Wir müssen was tun, um Personal zu akquirieren und auch unser Personal zukünftig zu halten oder auch zurückzugewinnen." Dazu seien beispielsweise Entgelte bereits erhöht und auf Bundesebene die Ausbildungsordnung geändert worden. Ein Teil der Wahrheit seien aber auch die Arbeitszeiten in der Branche: Diskussionen um Work-Life-Balance würden dieser Realtität oft nicht gerecht.

Neue Sorgen durch Energie- und Lebensmittelkosten

Neben den Folgen der Corona-Pandemie beschäftigen das Gastgewerbe nun auch die gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten. Die zeigen sich laut Michael Schmidt vom DEHOGA Sachsen-Anhalt vor allem im Verhalten der Kunden. Durch gestiegene Kosten würden diese weniger spontan Essen gehen, das Geld sitzt nicht mehr so locker. "Das sehen wir jetzt schon im Mai, der eigentlich ein Monat ist, der durchaus als Wonnemonat bezeichnet wird für die Gastronomie, durch Feiertage und natürlich durch Veranstaltungen. Man sieht, dass in der Woche das Geschäft deutlich verhaltener ist." 2022 müssten die Unternehmen deshalb möglicherweise erneut mit Umsatzverlusten rechnen – zumindest im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019.

Auch Axel Klein vom DEHOGA Landesverband in Sachsen sieht die Unternehmen in seiner Branche heute mit anderen Problemen konfrontiert. Engpässe bei den Lieferungen zum Beispiel beschäftigten das Gastgewerbe und auch die neue Preiskalkulation sei eine Herausforderung angesichts der hohen Energiepreise. Aus den ersten beiden Jahren der Pandemie seien aber auch Lehren gezogen worden, die künftig zu Kosteneinsparungen führen könnten – so etwa beim Thema Digitalisierung: "Ich kann mir gut vorstellen, dass alleine durch den Bürokratieabbau, den wir uns lange vornehmen, wenn man den jetzt umsetzen würden, jeder Unternehmer viel Zeit sparen würde. Da setze ich Hoffnung in Neuentwicklungen. Und ich denke, dass wir die Herausforderungen, die wir haben, meistern werden."

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 17. Mai 2022 | 20:15 Uhr