Angekündigte Staatshilfen Mitteldeutsche Flughäfen bereits vor Corona nicht profitabel

In den kommenden Wochen will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer über ein Rettungspaket für Flughäfen in Höhe von einer Milliarde Euro mit dem Bundesfinanzministerium und den Ländern diskutieren. Denn die Corona-Pandemie schränkt auch den Flughafenbetrieb ein. Doch bereits vor der Pandemie waren nur fünf Flughäfen bundesweit profitabel. Die drei mitteldeutschen Flughäfen Leipzig/Halle, Dresden und Erfurt-Weimar gehören nicht dazu.

Nur wenige Personen gehen durch die Mall am Flughafen Leipzig/Halle.
Im Flughafen Halle/Leipzig befindet sich derzeit ein Corona-Testcenter. Bildrechte: dpa

Fragt man Gerd Stöwer, seit 1. Oktober 2020 Geschäftsführer des Flughafens Erfurt-Weimar, ob er an Schließung denkt, sagt er klar: "Nein, Schließungsgedanken gibt es überhaupt nicht.“ Der Freistaat Thüringen als Haupteigentümer stehe ganz klar zu seinem Flughafen. Der Freistaat wisse, dass er einen internationalen Verkehrsflughafen auch für die Zeit nach Corona brauche, betont Stöwer. Insofern gebe es solche Debatten am Standort Erfurt-Weimar überhaupt nicht. Sogar die Corona-Einbußen habe man bisher ganz gut kompensieren können, indem 20 neue Airbus-Flugzeuge bis zur Auslieferung gegen Gebühr auf dem Flughafen parkten. Der Wartungsbetrieb am Flughafen sei ebenfalls komplett ausgelastet, erklärt Stöwer.

Flughäfen deutschlandweit auf Hilfen angewiesen

Beim Luftverkehrsgipfel in Berlin wurde signalisiert, dass alle deutschen Flughäfen Staatshilfen bekommen sollen. Die Strukturdiskussion über kleine Flughäfen wolle man in der Krise nicht führen, sagte etwa Stefan Schulte, Präsident des Flughafenverbands ADV, nach dem Treffen.

Tomaso Duso leitet die Abteilung Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Schon 2019 hat er in einer Studie für die Europäische Kommission analysiert, ob staatliche Beihilfen für regionale Flughäfen sinnvoll sind. "Ohne die Auswirkungen der Corona-Krise anzurechnen, haben wir festgestellt, dass viele, oftmals die kleinsten Flughäfen unterhalb der Schwelle von 700.000 Passagieren pro Jahr, nicht in der Lage sind, ihre Betriebskosten pro Jahr bis 2024 zu decken." Durch die Corona-Pandemie seien nun alle, die großen und die kleinen Flughäfen, zunächst auf Staatshilfen angewiesen. Ob dann alle kleinen Flughäfen wie der in Erfurt überlebten, sei fraglich, sagt Duso.

Mitteldeutsche Flughäfen nicht profitabel

Die drei mitteldeutschen Flughäfen sind Leipzig/Halle, Dresden und Erfurt-Weimar. "Es gab vor Corona in Deutschland fünf Flughäfen, die streng genommen profitabel waren und da gehörten diese drei nicht dazu", sagt Rüdiger Kiani-Kreß. Er ist Redakteur bei der Wirtschaftswoche und betreut dort den Bereich Luftfahrt. Die beste Überlebenschance hat Kiani-Kreß zufolge der Flughafen Leipzig/Halle wegen eines großen Einzugsgebiets. Dann käme Dresden als touristisches Ziel für Osteuropäer. Den Standort Erfurt-Weimar könne man nach am ehesten durch eine schnelle Zuganbindung an den Frankfurter oder Leipziger Flughafen ersetzen, erläutert Kiani-Kreß.

Magnet für Investoren?

Doch Flughäfen hätten immer auch einen regionalpolitischen Entwicklungsfaktor, betont Kiani-Kreß. Dem Redakteur zufolge ist die Frage, ob man eine so große Region wie Thüringen, Sachsen und Teile von Sachsen-Anhalt, also alles, was nicht Berlin und noch nicht Frankfurt ist, ohne Flughafen lassen will. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass nicht nur Touristen und Geschäftsreisende in die Region flögen. Sondern vielleicht auch Investoren, betont Kiani-Kreß: "Hätte Elon Musk sein Werk ein Stück weiter südlich gebaut, wenn da vielleicht eine gute Anbindung gewesen wäre? Das ist immer so eine Gegenrechnung."

Ein geschlossener Flughafen sei immer ein Nachteil für die Region, meint Kiani-Kreß. Die Frage sei derzeit, wie viel Geld das dem Steuerzahler wert sei, meint Kiani-Kreß.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2020 | 06:12 Uhr

36 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 31 Wochen

Fliegen mit subventioniertem, begünstigtem Treibstoff, subventionierte, begünstigte Flughäfen. Weil Fliegen schick und bunt und cool ist? Freie Bürger heben ab (von der Startbahn) und bekommen einen Hauch von Freiheit mit. Inlandsflüge sollten eh auf den Prüfstand. Und der Staatslinie Lusthansa noch Milliarden für das Image zuschanzen. Das alles als Politikum ohne Schmerzgrenze.
Und dem geplagten Weltklima bald wieder eine Schadstoffkeule versetzen wenn es auch anders geht. Am Können der Beteiligten wird es nicht liegen.

zenkimaus vor 31 Wochen

Es gibt auch Menschen die in Dresden wohnen und lieber bis Berlin fahren. Da die Preise von Dresden ca 150 mehr kosten. Oder was ist mit Chemnitz. Da fährt fast nix mehr. Wenn es politisch gewollt wäre dann würde vieles gehen. Doch leider haben wir CSU Verkehrsminister und eine starke Autolobby . Mit dem Auto laut Google Maps auch 3stunden.

Rychlik vor 31 Wochen

besser und günstiger ab Prag statt ab Dresden

kleiner Tipp: corona-pandemie-mitteldeutsche-flughaefen sind Thema, Süddeutschland ist hinterm Weißwurstaquator, ganz woanders

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