Gastronomie in der Krise Caterer-Verband: Mehrheit der Essensversorger am Rand des Ruins

Die Catering-Unternehmen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Der Verbandschef der Schul- und Kita-Essensversorger, Ralf Blauert, sagte MRD AKTUELL, im vergangenen Jahr hätten die Caterer 90 Prozent weniger Umsatz gemacht, in diesem Jahr seien es bis zu 60 Prozent. Die Mehrheit der Unternehmen stehe vor dem Ruin. Dennoch sei man seit 15 Monaten im Grunde ohne Kontakt zu den Ministerien. Überbrückungshilfen seien nur schwer zu bekommen.

Groߟküche einer Kantine
Gemeinsames Essen in der Mensa oder Kantine – in Corona-Zeiten ist das kaum möglich. Bildrechte: imago/Olaf Döring

Torsten Weiße-Köhler ist Inhaber eines Catering-Unternehmens. Er kocht unter anderem für Schulen und Kindergärten im Raum Chemnitz. Und was essen seine jungen Gäste dort am liebsten? "Nudeln. Pasta mit Tomatensoße. Der kleinste gemeinsame Nenner ist Pasta mit Tomatensoße. Dann kommt süß, klar: Eierkuchen." Mit etwa 650 Mahlzeiten haben er und seine 28 Angestellten die Kinder und Jugendlichen jeden Tag versorgt – vor Corona.

Torsten Weiße-Köhler liebe seinen Beruf, sagt er. Seit Corona bringe er ihn aber manchmal zur Verzweiflung. Er müsse sich nach Verordnungen richten, die teils am Freitagnachmittag erlassen würden und Montag früh in Kraft träten, erzählt er.

Und der Austausch mit den Einrichtungen sei schwierig. "Wenn du dich selber nicht gekümmert hättest, hättest du nie was erfahren, was in den Verordnungen ist oder wie die umgesetzt werden sollen." Er habe manchmal die Schulleiterin angerufen und dann hätten zwei bis drei Planlose einen Plan gemacht. "Was dabei rauskommt, ist klar."

Funkstille zwischen Caterern und Ministerien

Der Informationsfluss ist dabei nicht nur zwischen Caterern und Schulen oder Kitas mangelhaft. Eine Ebene höher beklagt Ralf Blauert das gleiche Problem. Er ist Vorsitzender der Verbands deutscher Schul- und Kitacaterer, kurz VDSKC. "Wir sind hier seit 15 Monaten im Grunde kontaktlos zu den Ministerien. Man könnte ja wenigstens mal fragen: 'Hallo Caterer, wir hatten jetzt sechs oder sieben oder acht Monate lang mit unseren Schulen zu tun, aber wie gehts Euch denn?'".

Aber es werde nicht mal gefragt und das sei nach so vielen Jahren guter Zusammenarbeit äußerst irritierend.

Bis vor Corona war die Zusammenarbeit auch deshalb so gut, weil es in jedem Bundesland direkte Ansprechpartner gibt, die sogenannten Vernetzungsstellen der Schulverpflegung. Von der Stelle in Sachsen kam auf Anfrage von MDR AKTUELL keine Rückmeldung zu dem Vorwurf von Verbandschef Blauert.

Der beschreibt die Lage als ernst: Die Mehrheit stehe am Rande des Ruins. "Seit Januar ist es jetzt besonders dramatisch, also die Situation ist äußerst angespannt."

Home Office könnte langfristiges Problem werden

Im Jahr 2020 haben die Caterer an Schulen und Kitas nach Angaben des VDSKC bis zu 90 Prozent weniger Umsatz gemacht. Im laufenden Jahr sind es demnach bis zu 60 Prozent. Die staatlichen Überbrückungshilfen zu bekommen, sei schwierig. Und es treffe nicht nur die Unternehmen in der Schul- und Kitaverpflegung, sagt Jürgen Vogl. "Also alle, die einen sehr großen Geschäftsanteil haben in der betrieblichen Gastronomie, die mit Schulen und Universitäten zu tun haben und die vor allem auch mit dem Eventbereich zu tun haben, also Stadien, Messen, Konzerte, die sind natürlich ganz hart gebeutelt."

Vogl ist Vorstand für den Bereich Catering im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DeHoGa. Er hat auch einen Überblick über die Lage in Betriebskantinen. Unternehmen, die ein breiteres Angebot hätten, kämen besser durch die Krise, sagt er. Viele entwickelten neue Konzepte wie Lieferdienste nach Hause. Die reichten aber nicht aus, um die Lücken, die durch Corona entstanden sind, zu schließen.

Auch dann nicht, wenn die Pandemie überstanden ist, meint er: "Ich denke, das prominenteste ist jetzt zumindest in der betrieblichen Gastronomie das Thema Homeoffice." Man müsse sich darauf einstellen, dass da ein ganz gewaltiger Teil auch nach Corona bleibe. "Das heißt, wir werden da dauerhaften Umsatzrückgang haben, weil zum Beispiel ganz wenige Leute überhaupt noch am Freitag im Büro sein werden."

Schulen verlässlicher als Eventbereich

Torsten Weiße-Köhler aus Chemnitz denkt trotzdem nicht ans Aufgeben. Er ist seit über dreißig Jahren in der Branche und will auch dort bleiben. "Für mich ist es immer noch die Berufung." Er könne sich nicht vorstellen, was er sonst machen solle. "Also ich will jetzt nicht wechseln und deshalb will ich auch, dass es weitergeht."

Nach und trotz Corona will er sich sogar noch mehr auf die Schulen und Kindergärten konzentrieren. Früher hat er unter anderem auch Backstage-Catering bei Konzerten oder Festivals gemacht. Da seien die Schulen immer noch das verlässlichere Geschäft.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Mai 2021 | 06:12 Uhr

8 Kommentare

AlexLeipzig vor 22 Wochen

Naja, daß nun auch noch die Catering-Branche anfängt zu jammern... Das gehört ja mittlerweile zum "guten Ton". Ich war noch nie ein Freund des Caterings, hat es doch dafür gesorgt, daß viele Küchen und Kantinen samt Arbeitsplätzen und regional gekochtem Essen verschwanden zugunsten billigem Industrie-foods.

Leachim-21 vor 22 Wochen

interessant was hier steht und auch die Kommentare dazu, nur frage ich mich warum Sie dann immer wieder die gleichen Parteien wählen dafür die Verantwortung tragen. das nicht nur bei unseren Kindern total versagen sondern auf allen Gebieten. erst in den letzten Tagen mussten wir durch die Presse erneut erfahren wie es die Politiker mit Ihrer Meldepflicht von Nebeneinkünften halten und was für Ausreden dann kommen , wenn Sie erwischt werden. da können Sie sich nicht um ihrer Eigentliche Aufgabe kümmern . meine persönliche Meinung

Kritische vor 22 Wochen

Und wir Eltern warten darauf, dass es endlich wieder Essen an der Schule gibt. Die Kinder haben ab Klasse 5 an vielen Tagen 7 bis 8 Stunden Unterricht und es gibt kein Mittag. Das ist nicht verständlich. An Grundschulen oder auch in anderen Ländern geht es doch auch. Die Kinder sind getestet, sitzen auch im Klassenraum zusammen. Es hat mehrere Aspekte, einmal die warme Mahlzeit und die Gemeinsamkeit (es gibt ja derzeit sonst nichts außer ab und zu mal Unterricht). Bei vielen Kindern ist tagsüber niemand zu Hause, sie stopfen sich dann Chips, Energiedrinks oder Döner rein, wenn sie ausgehungert aus der Schule kommen. Bei uns geht es, durch Homeoffice koche ich sowieso täglich. Aber wenn ich sehe, wie viele dicke Kinder hier rumlaufen. Die nehmen ja dann auch selten was Vernünftiges mit in der Brotdose. Was jetzt schlecht daran sein soll, dass die Kinder - ev. in festen Gruppen - in der Schulkantine essen, weiß ich auch nicht. Der Schaden ist größer als der Nutzen, definitiv.

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