Erntehelfer Der Corona-Lockdown und die neue Spargelsaison

In den nächsten Tagen beginnt bei vielen Betrieben in Mitteldeutschland die Spargelernte. Und die funktioniert nur mit Erntehelfern aus dem Ausland. Vergangenes Jahr gab es viele Probleme mit der Einreise wegen der Corona-Bestimmungen. Wie sieht es in diesem Jahr aus?

Eine Frau hält einen Korb voller Spargel. Sie steht auf einem Feld in Herbsleben
Die Spargelernte steht bevor. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Auch in diesem Jahr herrscht in Deutschland der Corona Lockdown, wenn die Spargelernte beginnt. Olaf Feuerborn, Präsident des Sachsen-Anhaltischen Bauernverbands, ist in diesem Jahr aber optimistischer.

Olaf Feuerborn, 2016
Olaf Feuerborn, Chef des Sachsen-Anhaltischen Bauernverbands Bildrechte: dpa

Feuerborn sagt, man habe mit den Gesundheitsämtern im vorigen Jahr Spielregeln festgelegt und Hygieneregeln aufgestellt, wie die Mitarbeiter, wenn sie hier ankommen, untergebracht werden müssten und wie die arbeitstechnischen Regelungen dazu seien. Das könne in diesem Jahr sukzessive weiter umgesetzt werden.

Bei der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen, nordöstlich von Magdeburg, steht das Hygienekonzept schon lange. Die ersten zehn Erntehelfer sind schon eingetroffen und bereiten die Spargelernte vor.

Warten auf die Erntehelfer

Saisonstart beim Spargelstich in Genthin, im Landkreis Jerichower Land
Der Saisonstart beim Spargelstechen steht bevor Bildrechte: MDR/Marila Zielke

In den nächsten Tagen solle es dann richtig los gehen mit dem Spargelstechen, sagt Betriebsleiter Patrick Wolter. Vorausgesetzt, alle Erntehelfer träfen rechtzeitig ein. Wolter zufolge werden 70 Erntehelfer erwartet.

Man müsse aber schauen, wie viele jetzt tatsächlich arbeiten kommen würden. Man arbeite ausschließlich mit polnischen Saisonkräften zusammen und das schon seit Jahrzehnten. Aber es gehe nicht darum, wie zuverlässig die Erntehelfer anreisen würden, sondern darum, ob sie überhaupt ausreisen dürften.

Die aktuelle Schwierigkeit ist, dass unsere Saisonkräfte, speziell die polnischen, schon einen Corona-Test machen müssen und nur kommen dürfen, wenn sie negativ sind.

Patrick Wolter Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen

Angst vor positiven Testergebnissen

Wolter zufolge ist das für die Menschen dort vor Ort auch eine Belastung, die mit der Angst verbunden sei, positiv zu sein und nicht arbeiten zu dürfen. Die Tests zahlt dabei die Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen, genauso wie die Anreise. Die ist auch teurer, weil in den Kleinbussen nur vier Personen sitzen dürfen und nicht wie üblich acht.

Bei der Unterbringung auf dem Hof musste Betriebsleiter Wolter aufgrund der geplanten 70 statt der bislang 200 Erntehelfer nicht für mehr Raum sorgen und plant damit defensiver.

Defensive Planung aufgrund hoher Kosten

Das machten fast alle Betriebe so, erklärt Bauernverbands-Präsident Feuerborn. Letztendlich verkauften alle an den Lebensmitteleinzelhandel im großen Stil. Da würden die Preise nach wie vor gedrückt.

Da nimmt man keine Rücksicht darauf, ob wir Probleme haben, Saisonarbeitskräfte teurer hierher zu holen oder ob wir die teurer unterbringen müssen. Auf diesen Kosten bleiben wir sitzen.

Olaf Feuerborn Chef des Sachsen-Anhaltischen Bauernverbands

Viele Betriebe versuchen das nach Aussage von Feuerborn mit einer verstärkten Direktvermarktung zu kompensieren. Oder eben mit weniger Saisonarbeitskräften. Damit verschenke man eventuell Gewinn, halte aber das wirtschaftliche Risiko in Grenzen.

Saisonhelfer für Erdbeerernte gesucht

Frisch geerntete Erdbeeren in den Händen einer Erntehelferin
Die Obstbauern suchen ebenfalls Helfer Bildrechte: IMAGO

Das gilt genauso für die Obstbauern, die jetzt schon mit Saisonarbeitskräften für die Erdbeerernte Ende Mai in Kontakt treten.

Udo Jentzsch, der Geschäftsführer vom Landesverband sächsisches Obst, sieht die Lage bei der Anwerbung mit gemischten Gefühlen und geht davon aus, dass die Reiselust der Saisonarbeiter auch aufgrund von Corona etwas nach unten gegangen ist.

Es wird so sein, dass wir nicht üppig viel Auswahl an Saisonarbeitskräften haben. Es wird auf jeden Fall spannend.

Udo Jentzsch Chef des Landesverbandes sächsisches Obst

Denn ob es eine gute Ernte werde, hänge zu großen Teilen erstmal vom Wetter in den nächsten Wochen ab. Und ob man dann genug Saisonarbeiter bekomme, das hänge von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 06. April 2021 | 06:11 Uhr

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