Corona-Vorgaben in Sachsen Lieferengpässe bei Corona-Test-Kits

Arbeitnehmer haben seit dem 22. März in Sachsen Anspruch auf einen Corona-Selbsttest, sofern sie nicht im Homeoffice arbeiten. Mitarbeiter im Kundenkontakt sind sogar verpflichtet, sich zweimal wöchentlich zu testen. Die Testkits müssen die Arbeitgeber bereitstellen, sofern es genügend Selbsttests zu plausiblen Preisen gibt. Doch das ist momentan nicht immer der Fall. Die Wirtschaft berichtet von Lieferengpässen und teils hohen Preisen, Behörden von einer teils angespannten Marktlage.

Illustration: Ein Mann führt bei der Durchfuehrung eines Corona-Selbsttests von Siemens Healthineers den Tupfer mit seinem Nasenabstrich in ein Plastikroehrchen, in dem sich eine Loesung befindet.
In Sachsen müssen Arbeitgeber seit dem 22. März ihren Angestellten Selbsttests zur Verfügung stellen. Bildrechte: dpa

Dieses Jahr hat der sächsische Großhändler Köder zu Ostern nicht nur Ostergrüße an seine Kunden verschickt. Über 300 Betriebe erhielten von Prokurist Philipp Köder eine persönliche Entschuldigung, weil er ihre bestellten Corona-Selbsttests noch immer nicht liefern konnte. "Ich habe um Verständnis gebeten, dass es aufgrund der aktuellen Umstände nicht absehbar ist, wann wir die Tests liefern können." Das Problem des Großhändlers: Bis Ostern hatte er selbst nur zehn Prozent der seit Anfang März bestellten Tests aus China bekommen. "Die Lage ist aktuell sehr angespannt", sagt Philipp Köder.

Das deckt sich mit der Erfahrung der Handwerkskammer Dresden aber auch der kommunalen Behörden. Es komme momentan durchaus vor, dass Betriebe erst drei bis vier Wochen nach einem vereinbarten Liefertermin ihre Corona-Selbsttests erhielten, teilte die Handwerksammer Dresden dem MDR mit. Auch Kommunalverwaltungen wie das Landratsamt Nordsachsen und das Landratsamt Leipzig berichten von einem angespannten Markt. Die Stadt Leipzig und das Landratsamt Meißen weisen auf lange Lieferzeiten hin, laut Landratsamt Meißen von bis zu drei Wochen.  

Nachfrage nach Selbsttests stark gestiegen

Seit 22. März müssen Arbeitgeber in Sachsen ihren Beschäftigten wöchentlich einen Selbsttest anbieten, wenn diese nicht im Homeoffice arbeiten. Die Mitarbeiter dürfen selbst entscheiden, ob sie den Test machen oder nicht. Das Angebot kommt den sächsischen Industrie- und Handelskammern zufolge beim überwiegenden Teil der Beschäftigten an. Für einige besteht seit März eine Testpflicht, die im April noch einmal verschärft wurde: Mitarbeiter mit Kundenkontakt müssen sich seitdem zweimal wöchentlich testen oder testen lassen. Die Verpflichtung von Arbeitgebern ihren Mitarbeitern Tests anzubieten, ist auch für ganz Deutschland im Gespräch. Das könnte die teils angespannte Lage noch einmal verschärfen.  

Seit diese Vorgaben in Sachsen gelten, ist die Nachfrage nach Selbsttests bei Köder stark gestiegen. Der Großhändler aus Jahnsdorf bei Chemnitz beliefert vor allem Kunden aus der Region: von größeren Gebäudereinigern bis zum mittelständischen Industriebetrieb, von Stadtverwaltungen über Sanitätshäuser bis hin zum Pflegeheim und Krankenhaus.

Mehr als 100.000 Selbsttests hat Köder seit Anfang März aus China bestellt. Von seinem Importeur erhielt er zuletzt die Meldung, dass die nächste Lieferung noch beim Zoll hänge. Seinen Kunden gegenüber versucht er transparent zu sein und vorhandene Tests breit zu streuen. "Wir versuchen jedem ein bisschen was zu liefern. Aber wir hängen nun mal am Tropf der Lieferanten."

Abhängig vom chinesischen Markt

Und die sitzen vor allem in Asien. Die 31 Selbsttests, die in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizintechnik aktuell eine Sonderzulassung erhalten haben, werden überwiegend in China produziert. "Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt wiederholt sich bei den Selbsttests. Das hatten wir auch bei den Masken schon", sagt Prokurist Köder. Derzeitige Lieferengpässe wären damit vorprogrammiert.   

Einige Unternehmen warten auf Tests

Eben diese Lieferengpässe führen einige Unternehmen an, die ihren Mitarbeiten noch keine Gratistests anbieten konnten. Einige sächsische Unternehmen könnten daher ihre Testpflicht im Moment nicht einhalten, schreibt die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Chemnitz.

Von eher positiven Erfahrungen berichten dagegen die IHK Dresden und der sächsische Baugewerbeverband. Der IHK Dresden sind nach eigenen Angaben Unternehmen bekannt, die bis zu 30.000 Tests innerhalb weniger Tage nach Bestellung geliefert bekommen hätten.

Auch die sächsischen Ministerien und Kommunalverwaltungen konnten ihren Beschäftigten ausreichend Testmöglichkeiten zur Verfügung stellen, wenn die Beschaffung auch nicht immer einfach war. Die Stadt Dresden beispielsweise spricht von einer "sehr aufwendigen Beschaffung", ähnlich äußert sich das Landratsamt Zwickau.

Landkreise weichen auf Schnelltests aus

Das Landratsamt Leipzig bietet seinen Mitarbeitern zudem die Möglichkeit, sich von geschultem Personal testen zu lassen, da dieses in den Gesundheitsämtern sowieso vor Ort sei. Im Vogtlandkreis stehen gar keine Selbsttests zur Verfügung. Hier können sich die Mitarbeiter ausschließlich von geschultem Personal testen lassen. Auch das Landratsamt Görlitz greift auf die für den professionellen Gebrauch gedachten Schnelltests zurück, da diese ausreichend vorhanden seien.    

Teilweise überteuerte Tests

Sowohl die IHK in Chemnitz als auch die in Leipzig verweisen auf teils hohe Kosten für Selbsttests. "Die Preise variieren und sind stark abhängig von den bestellten Stückzahlen. Gerade bei kleinen Mengen bewegt man sich bei ca. acht Euro pro Test (netto) im Online-Versand. Das ist für einige Unternehmen nicht umsetzbar", so die IHK Chemnitz. Eine Blumenhändlerin in Chemnitz hätte sogar knapp zehn Euro pro Schnelltest bezahlt.

Ähnliche Preisschwankungen melden auch die Kommunalverwaltungen. Das Landratsamt in Bautzen bezahlte bei seiner ersten Bestellung von 4.000 Selbsttests 7,08 Euro (brutto) pro Stück, bei der zweiten Bestellung von 10.000 Testes seien es 5,80 Euro (brutto) gewesen. In Meißen hat das Landratsamt bei seiner ersten Bestellung ebenfalls über sieben Euro (brutto) pro Test bezahlt.

Sächsische Ministerien gaben bisher 585.000 Euro für Selbsttests aus

Erheblich günstiger haben Staatskanzlei und Ministerien des Freistaates Sachsen eingekauft. Für 180.000 Selbsttests gaben sie zusammen 585.000 Euro netto aus, pro Test also 3,25 Euro netto. Schwierigkeiten seien bei der Beschaffung nicht aufgetreten. So konnten Staatskanzlei und Ministerien allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den letzten beiden Wochen einen Test zur Verfügung stellen. Auch diese Tests stammen aus Asien.

Zusätzliche Belastung kleinerer Firmen

Die neue Verordnung belastet nach Einschätzung der Wirtschaftsverbände vor allem kleinere Firmen stark. Für Friseure und Kosmetiker, deren Mitarbeiter im Kundenkontakt sich zweimal wöchentlich testen müssten, sei die Testpflicht eine zusätzliche Herausforderung, so die Handwerkskammer Dresden. Die Zustimmung zur Testpflicht sinkt daher auch, je kleiner das Unternehmen ist. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der IHK Leipzig hervor, an der sich 811 Unternehmen aus der Region beteiligt haben.

Noch vier bis fünf Wochen, so schätzt der Jahnsdorfer Großhändler Philipp Köder, dann werde sich die Lage etwas entspannen und Selbsttests deutlich günstiger zu haben sein – natürlich aus China. Er hätte sich gewünscht, dass die Politik vor Einführung der Testpflicht auch mit europäischen Herstellern spricht, ob entsprechende Produktionskapazitäten aufgebaut werden könnten.

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