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ÜberbrückungshilfenHändler fordern praktikable Lösung für 2G-Einbußen

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stand: 08. Dezember 2021, 05:00 Uhr

Wo 2G an der Tür steht, kommen nur noch Geimpfte oder Genesene rein. Das gilt vor allem bei Geschäften. Weil damit aber ein gewisser Teil der Bevölkerung vom Shoppen ausgeschlossen wird, macht der Handel weniger Umsätze – wieder einmal. Gleicht die Bundesregierung das mit ausreichend Hilfen aus?

Im Schreibwarenladen Steyer in Freiberg ist es schon Routine. Jeder Kunde muss an der Tür nachweisen, dass er gegen Corona geimpft oder davon genesen ist. Für Inhaberin Anke Krause bedeutet das mehr Aufwand bei weniger Umsatz. Denn viele Kunden in der sächsischen Stadt dürfen nun nicht mehr zu ihr rein. "Der Umsatzrückgang ist heftig. Und wir haben bis zu 75 Prozent weniger Kunden am Tag, definitiv. Jetzt zur Weihnachtszeit müssten wir bis zu 300 Kunden am Tag haben."

Es kämen aber gerade mal 100. Mit Staatshilfen und Krediten hat Krause ihren Laden durch die Lockdowns gerettet. Ob sie nun erneut Unterstützung beantragen wird, weiß sie noch nicht. Denn die neuen Überbrückungshilfen ersetzen nicht jeden wegen der 2G-Regel ausgefallenen Umsatz.

Viele Unternehmen von Überbrückungshilfen ausgeschlossen

Es müsse eine Mindesteinbuße erreicht werden, sagt René Glaser, Hauptgeschäftsführer vom Handelsverband Sachsen. "Wir haben Unternehmen im Einzelhandel, die haben jetzt unter 2G einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent." Damit erreichten sie allerdings die Schwelle der Überbrückungshilfe nicht, da die Überbrückungshilfe bei 30 Prozent erst einsetze.

"Unter 30 Prozent gelangen sie nicht in den Anspruchsgenuss, sodass die Unternehmen hier ausgeschlossen sind." Bei den geringen Margen im Handel sei das ein Problem, findet Glaser. Er fordert, die Überbrückungshilfen anzupassen. Sie müssten den tatsächlichen Schaden ersetzen, auch wenn er kleiner ausfalle.

Das sieht auch sein Kollege Knut Bernsen vom Handelsverband Thüringen und Sachsen-Anhalt so. Er findet die 2G-Regel generell falsch: "Es wird ganz klar dazu führen, dass noch weitere Umsätze in den Online-Bereich gehen. Und das alles vor dem Hintergrund, dass uns alle bestätigen, dass die Hygienekonzepte funktionieren, dass das Ansteckungsrisiko im Handel nicht der Punkt ist. Man hat so ein bisschen den Eindruck, dass der Handel dazu benutzt wird, die Impfquote zu erhöhen – mit immensen wirtschaftlichen Belastungen."

Einige Ladeninhaber schließen bereits ihre Geschäfte

Am Ende könnten die Einschränkungen zu Insolvenzen führen, warnen die Handelsverbände. Anke Krause vom Schreibwarenladen in Freiberg hat bereits beobachtet, dass Ladeninhaber aufgeben. "Ich weiß, dass einige Händler jetzt geschlossen haben aufgrund der Coronakrise. Das ist ein bisschen ein vorgezogener Altersruhestand."

Aber sie hätten deutlich eher aufgegeben, als sie es eigentlich wollten. Und weitere hätten sehr große Bauchschmerzen, wie es weitergehen werde und ob sie ihre Miete zahlen könnten. "Die sind jetzt schon alleine, die haben alle Mitarbeiter entlassen." Sie selbst allerdings will weitermachen. Krause sagt, sie stecke all ihre Kraft in ihren Schreibwarenladen. Der existiere seit mehr als 150 Jahren, habe zwei Weltkriege und die DDR überstanden. Da schaffe man Corona auch noch.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 08. Dezember 2021 | 06:00 Uhr