DB Navigator auf einem Smartphone
Die Bahn-App "DB Navigator" auf einem Smartphone. Bildrechte: imago images/Rüdiger Wölk

Bahn-App Streit um Datenschutz beim "DB Navigator"

22. Juli 2022, 13:30 Uhr

Datenschützer kritisieren einen möglicherweise problematischen Umgang mit Kunden-Daten bei der Bahn-App "DB Navigator". Die Deutsche Bahn dementiert das. Die App bietet viele Servicefunktionen wie den Ticketkauf übers Smartphone oder Informationen zu Zug-Verspätungen. Datenschützern zufolge strotzt die App jedoch nur so vor Trackern. Sie streben deshalb eine Klage an.

Die Deutsche Bahn AG hat Vorwürfe von Datenschützern zurückgewiesen, die Bahn-App "DB Navigator" verstoße gegen geltende Datenschutzbestimmungen. "Bei der Nutzung des 'DB Navigator' fließen keinerlei Kundendaten an Drittanbieter", sagte eine Konzernsprecherin dem Evangelischen Pressedienst epd. Zuvor hatten der Bielefelder Datenschutz-Verein Digitalcourage und der Karlsruher IT-Sicherheitsforscher Mike Kuketz der Bahn vorgeworfen, App-Nutzer über sogenannte Tracker auszuspionieren.

Bahn weist Vorwürfe zurück

Die Bahn wies das zurück. Nach Angaben der DB-Sprecherin sind alle Dienstleister, mit denen die Deutsche Bahn beim "DB Navigator" zusammenarbeitet, vertraglich gebunden. Sie würden nicht im eigenen Interesse und streng nach Weisung der DB handeln. Deshalb seien diese Dienstleister auch "nicht Dritte im Sinne der Datenschutzgrundverordnung".

Die DB-Sprecherin betonte, dass alle Technologieanbieter, die im "DB Navigator" in der Kategorie "erforderlich" aufgelistet seien, Daten ausschließlich zu dem Zweck verarbeiten würden, "die stabile Funktion der App sicherzustellen". Dabei würden nur pseudonymisierte Daten einbezogen. Keiner der Anbieter sei in der Lage, die Daten an anderer Stelle oder gar zu eigenen Marketingzwecken einzusetzen. "Ein Webseiten- oder App-übergreifendes Nachverfolgen von Kundinnen und Kunden mit diesen Cookies ist nicht möglich."

Datenschützer sprechen von "Schnüffel-Navigator"

Jutta Witte von Digitalcourage erklärte dagegen auf epd-Anfrage: "Wir haben die App technisch und juristisch geprüft und sind zu einer anderen Bewertung gekommen." Demnach strotze der "DB Navigator" nur so vor Trackern. Ohne Wissen der Kunden würden im Hintergrund rechtswidrig Informationen an große Internet-Firmen wie Adobe und Google fließen.

Bei seiner Einschätzung beruft sich der Datenschutz-Verein auf den KarIsruher IT-Sicherheitsforscher Mike Kuketz. Dieser hatte in einer Analyse "erhebliche Datenschutzprobleme" festgestellt. Digitalcourage warnte, dass die App zwar viele bequeme Servicefunktionen wie schnellen Ticketkauf übers Smartphone oder Informationen zu Zug-Verspätungen biete, doch gleichzeitig sei sie ein "Schnüffel-Navigator".

Fronten verhärtet – Verein will klagen

Die Bahn-Sprecherin teilte dazu mit, ihr Unternehmen habe umgehend auf die datenschutzrechtlichen Bedenken reagiert, die Vorwürfe in einer Stellungnahme an Digitalcourage entkräftet und auch das Gespräch gesucht. "Weder auf unsere fachlichen Ausführungen noch auf unser Gesprächsangebot hat der Verein bis heute reagiert", sagte sie.

Jutta Witte von Digitalcourage erklärte dazu der epd, die Stellungnahme der Deutschen Bahn habe deutlich gemacht, dass der Konzern keinen Handlungsbedarf sehe. Da für ihren Verein keine Fragen offen seien, bestehe auch kein außergerichtlicher Gesprächsbedarf.

Der Datenschutz-Verein strebt nun eine Klage gegen die Bahn-App an. Dazu wurde eine Online-Unterschriftenaktion gestartet.

epd (dni)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juli 2022 | 19:30 Uhr

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