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Chemische Düngemittel werden aufgrund steigender Gaspreise immer teurer. Bildrechte: Maren Beddies

LandwirtschaftHohe Gaspreise ziehen Düngemittelknappheit nach sich

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stand: 09. Dezember 2021, 05:00 Uhr

Der Erdgaspreis steigt in ganz Europa. Das wirkt sich auch auf die Herstellung chemischer Düngemittel aus. Landwirten ist Stickstoffdünger mittlerweile zu teuer. Das wiederum kann Einfluss auf die Ernteerträge im kommenden Jahr haben und für höhere Lebensmittelpreise sorgen.

Der Wind pfeift scharf aus Nordwest, als Olaf Feuerborn über seinen Acker stapft. "Wir sind hier in Cosa bei Köthen auf unserem Feld, wo wir vor drei Wochen Winterweizen eingesät haben."

Zaghaft guckt das Grün aus dem Boden. Im Frühjahr müsste Feuerborn hier düngen. Doch Dünger, sagt er, sei gerade drei Mal so teuer wie sonst. "Und das macht uns schon große Sorgen, weil das ist natürlich eine Produktionskostensteigerung. Da überlegt man sich schon gut, wie viele Kilo setze ich überhaupt ein. Und die andere Frage ist: Ist der Dünger überhaupt verfügbar?"

Stickstoffwerke produzieren ein Drittel weniger

Feuerborn ist Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt. Er erzählt, dass viele Landwirte bislang keinen Dünger bestellt hätten. Das merkt vor allem der regionale Hersteller: die Stickstoffwerke Piesteritz. Sie machen Dünger aus Stickstoff und Erdgasbestandteilen. Das Werk ist deshalb einer der größten Gasverbraucher des Landes.

Doch weil die hohen Gaspreise den Dünger teuer gemacht haben und die Landwirte weniger kaufen, hat das Unternehmen seine Produktion um 30 Prozent gedrosselt.

Düngemittelknappheit beeinflusst Erträge und Preise

Mittelfristig sei das schlecht, sagt Pressesprecher Christopher Profitlich: "Wenn die Reduktion der Nachfrage anhält, besteht die Gefahr, dass wir die Produktion nicht mehr aufholen können, die wir jetzt reduzieren mussten." Das bedeute langfristig, dass es im nächsten Jahr eine Düngemittelknappheit gibt. "Düngemittelknappheit heißt, dass weniger gedüngt werden kann, die Erträge der Landwirte sinken und dadurch könnten die Preise für Lebensmittel steigen", erklärt Profitlich.

Damit könnte der hohe Gaspreis am Ende für teureres Essen sorgen. Aber wird es wirklich so dramatisch? Bauernpräsident Feuerborn meint: "Also es kann durchaus passieren, dass wir im nächsten Jahr weniger ernten. Das heißt also, die Ernte ist kleiner. Die Qualitäten, die wir fürs Brotgetreide brauchen, sind nicht da. Wir können also kein Brotgetreide zur Verfügung stellen. Und das kann auch dazu führen, dass wir im nächsten Jahr weniger Mehl haben zum Brot backen."

Zu viel Gülle in manchen Regionen

Tatsächlich sieht auch die Welternährungsorganisation FAO in den hohen Düngemittelpreisen ein Problem. Auch sie warnt vor geringeren Erträgen weltweit.

In Deutschland allerdings sei die Lage so dramatisch nun auch wieder nicht, findet Maximilian Hofmeier vom Umweltbundesamt. Neben dem chemisch hergestellten Dünger gebe es hierzulande ja noch Gülle aus der Viehhaltung. Und davon hätten einige Regionen zu viel: "In der Vergangenheit war es immer so, dass Gülle und Gärreste entsorgt werden mussten. Dafür mussten die Betriebe tatsächlich auch Geld zahlen. Und der Wert der Nährstoffe darin wird jetzt natürlich steigen. Ackerbaubetriebe in Mitteldeutschland zum Beispiel werden jetzt vermehrt auf Gülle und Gärreste zurückgreifen."

Natürliche Düngeraufbereitung sehr aufwendig

Billiger wird es für die Landwirte dadurch kaum. Denn Gülle muss aufbereitet und erst dorthin gefahren werden, wo es viel Ackerbau, aber wenig Viehhaltung gibt. Zum Beispiel nach Sachsen-Anhalt. Noch haben die Landwirte dort ein paar Monate Zeit. Im März aber, sagt Bauernpräsident Feuerborn, müssten die Böden gedüngt werden, wenn die Erträge nicht sinken sollen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 07. Dezember 2021 | 06:17 Uhr