Bauernbetriebe Landwirte auf der Suche nach Gülle

Die Preise für Mineraldünger sind zuletzt stark gestiegen. Deswegen wächst die Nachfrage nach Gülle und Mist wieder. Da es aber in Mitteldeutschland kaum Viehhaltung gibt, muss der Mist von außen eingefahren werden.

Gär-Rest der Gülle liegt vor einer Biogasanlage.
Gülle, die an Feldern liegt, hinterlässt leider einen unangenehmen Geruch. Bildrechte: MDR: Andreas Dreißel

Andreas Behrens ist Vorstandsvorsitzender der Ermslebener Landwirtschaftsgenossenschaft in Falkenstein im Harz. Der Ackerbaubetrieb hält selbst keine Tiere und ist auf Düngemittel von außen angewiesen. Doch der stickstoffreiche Mineraldünger ist jetzt im Vergleich zu den Vorjahren ungefähr vier Mal so teuer. Ist Gülle für Behrens jetzt eine Option? "Also auf Gülle auszuweichen, ist schwierig, weil wir hier in Mitteldeutschland fast Vieh-los sind. Vieh-arm kann man gar nicht mehr sagen, wir haben kaum noch Tierhaltung hier", erklärt Behrens.

Bei langen Transportwegen lohnt es sich für den Landwirt nicht, die Gülle heranzuschaffen. Er setzt deshalb auf Hähnchenmist, der per LKW aus Niedersachsen kommt: "Die Verfügbarkeit hat aber im letzten Jahr stark gelitten, weil dieser Hähnchenmist oftmals in die Biogasanlagen gefahren wird, weil durch die Trockenheit sehr wenig Mais verfügbar ist, der sonst in die Biogasanlagen geht." Aktuell ist Biogas natürlich besonders gefragt.

Nachfrage nach Gülle steigt

Wer früher dafür zahlen musste, dass Vermittler Mist vom Hof schaffen, bekommt jetzt gutes Geld dafür. Abnehmer wie die Ermslebener Landwirtschaftsgenossenschaft im Harz zahlen so jetzt 50 bis 70 Euro für die gelieferte Tonne Hähnchenmist. Vorher waren es 15 bis 25 Euro.

Janine Wansing ist Mitgründerin der Plattform Güllemarkt24 – eine Art Ebay-Kleinanzeigen für Gülle und Mist: "Wir merken auf jeden Fall, dass es deutlich mehr Anzeigen gibt und auch deutlich mehr Gesuche, die aufgegeben werden. Und wir sehen es auch wirklich an den Aufrufzahlen der Website, die sind deutlich gestiegen." Um 70 bis 80 Prozent.

Immer weniger Viehbetriebe

Bislang waren Transport- und Ausbringungskosten für Gülle und Mist höher als für Mineraldünger. Das habe sich jetzt geändert, erklärt Marcus Rothbart, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbands Sachsen-Anhalt: "Sofern Gülle, und ich nehme auch den Festmist mit rein, verfügbar sind, sind sie auf jeden Fall eine preiswürdigere Alternative geworden, weil sie verfügbar sind." Noch und eben vor allem in tierhaltungsstarken Regionen wie zum Beispiel dem Münsterland in Nordrhein-Westfalen.

Hendrik Uhlenbrock arbeitet hier beim Maschinenring Steinfurt-Bentheim und vermittelt Gülle und Mist in der Region, aber auch darüber hinaus: "Momentan haben wir hier noch ausreichend Gülle, um auch die Flächen im Münsterland ordentlich düngen zu können. Aber die Übermengen, die früher rausgegangen sind, außerhalb des Münsterlandes, in Ihre Region, die werden spürbar weniger."

Denn immer mehr Viehbetriebe geben auf, während die Nachfrage nach der Gülle jetzt steigt. Heute gibt es den organischen Dünger im Münsterland oft noch frei Hof. Bei weiter steigenden Mineraldüngerpreisen rechnet Hendrik Uhlenbrock aber damit, dass der Rohstoff Gülle im Frühjahr einen Preis von circa 3 Euro pro Tonne haben könnte. Endlich bekomme die Gülle wieder einen Wert, sagt Uhlenbrock.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 18. August 2022 | 06:00 Uhr

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