Energie Neue EEG-Umlage: Wirtschaft befürchtet höheren Strompreis

Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen. Das liegt auch an der Menge an Abgaben und Steuern, die hierzulande auf den Strompreis erhoben werden. Dazu gehört auch "Erneuerbare-Energien-Umlage". Mit ihr fördert der Staat den Ausbau von Ökostrom. Heute geben die Netzbetreiber offiziell bekannt, wie hoch die EEG-Umlage im kommenden Jahr ausfallen müsste. Eine Gießerei aus Leipzig blickt sorgenvoll auf die Verkündung.

Die Gießerei Kessler & Co. hat anlässlich ihres 25 jährigen Firmenjubiläums eine Glocke gegossen
Mit dieser selbstgegossenen Glocke feiert die Gießerei Keßler & Co. ihr 25-jähriges Jubiläum. Ob es auch in den nächsten Jahren Grund zum Feiern gibt, hängt auch vom Strompreis ab. Bildrechte: Ralf Geißler

Heute soll die Glocke fertig werden. Und alle Mitarbeiter der Gießerei Keßler & Co. Leipzig schauen dabei zu. Sie stehen in der Werkshalle vor einem mannshohen Klotz, den sie langsam haben abkühlen lassen. Mit einem Hammer schlägt ein Mitarbeiter die Form ab und die Glocke kommt zum Vorschein, verrußt und staubig noch.

Doch Jörg Siedler strahlt. Der Firmenchef sagt stolz, seine Jungs könnten fast alles gießen: "Wir sind eine Kundengießerei. Ich sage mal, das ist ein Nischenkonzept. Das heißt, wir haben circa 350 verschiedene Werkstoffe, vom unlegierten Gusseisen bis zum hochlegierten Edelstahl. Wir machen Kunstguss, Zaunspitzen für kaputte Zäune von Denkmälern und lauter solche Dinge."

Strompreis in den vergangenen 15 Jahren fast verdreifacht

Die Glocke ist ein Geschenk der Firma an sich selbst zum 25-jährigen Bestehen und soll auf dem Werksgelände platziert werden. Ob weitere gute Jahre folgen, weiß Firmenchef Siedler aber nicht. Seine Schmelzöfen werden mit Strom beheizt. Und Strom, klagt er, werde immer teurer.

So habe die Gießerei in den vergangenen 15 Jahren einen Anstieg des Strompreises von 7 Cent auf 19 Cent pro Kilowattstunde erleben müssen, sagt ihr Chef Jörg Siedler: "Da sind 6,5 Cent EEG, da ist KWK, da ist das, da ist jenes, dass die Windräder sich drehen oder auch nicht drehen. Das heißt, wir haben einen Steuerwust, da blickt auch keiner mehr durch." KWK meint die Förderung von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung.

CO2-Bepreisung soll EEG-Umlage senken

Jeder Cent mehr je Kilowattstunde Strom, sagt Siedler, koste ihn 20.000 Euro. Und anders als diverse große Firmen sei er von der EEG-Umlage nicht befreit. Wie hoch diese im kommenden Jahr ausfallen müsste, hat Thorsten Lenck von der Denkfabrik Agora Energiewende ausgerechnet: "Die EEG-Umlage 2021 müsste auf 8,7 Cent die Kilowattstunde steigen."

Ein Anstieg um üppige 30 Prozent. Doch dazu wird es nicht kommen. Die Bundesregierung hat schon im Juni beschlossen, die Umlage bis 2022 auf 6 Cent zu senken. Der Ökostromausbau wird dann aus anderen Kassen mitbezahlt, erklärt Thorsten Lenck. "Rein faktisch kommt es aus dem Steuersäckel." Die Entscheidung sei aber zusammengefallen mit der Entscheidung für die CO2-Bepreisung, die im kommenden Jahr starten soll.

Lenck erklärt, dass mit der CO2-Bepreisung die Emissionen der Verbrennung von Benzin, Diesel oder Erdgas bezahlt würden – "mit 25 Euro je Tonne CO2. Und die Einnahmen, die dadurch entstehen, werden zum Teil genutzt, um die EEG-Umlage zu senken."

Sorgen bei Gießerei bleiben

EEG-Umlage runter, CO2-Preise rauf. Das klingt wie rechte Tasche, linke Tasche. Der Staat versucht aber, damit zu steuern. Alles, was klimaschädlich ist, soll teurer werden. Strom, der ja rund zur Hälfte aus erneuerbaren Quellen kommt, soll im Preis stabil bleiben. Hilft das der Gießerei? Jörg Siedler weiß nicht recht: Gas, das auch teurer wird, brauche er ja auch.

Die Gießerei versuche bereits, Prozesse effizienter zu gestalten, sagt Firmenchef Siedler: "Aber ich bleibe beim Schmelzbetrieb. Es gibt kein Zauberpulver, sodass mein Stahl schon bei 1.100 oder 1.200 Grad Celsius flüssig ist. Sondern ich muss mit 1.600 Grad Celsius schmelzen."

Der Firmenchef klingt sarkastisch, als er sagt, wenn die Energiekosten weiter steigen würden, würden alle Firmen wie seine zumachen können und dann sei das Energieproblem endgültig gelöst. Seine Stimmung passt ein bisschen zum Klang der neuen Glocke, die noch nicht hängt, sondern steht und beim Probeschlagen mehr wehklagt, als läutet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2020 | 05:00 Uhr

8 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 41 Wochen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Strom bereits 2019 nirgends in Europa so teuer wie in Deutschland. Die Studie von Verifox hat das bestätigt, und sagt außerdem, dass Deutschland auch die höchsten Strompreise der Welt hat. Im ersten Halbjahr 2019 lag der vom Statistischen Bundesamt errechnete Strompreis pro Kilowattstunde bei 30,88 Cent. Das war gut ein Cent mehr als im 1. Halbjahr 2018.

Auch das bis dahin teuerste Stromland – Dänemark – haben die Deutschen damit überholt. Bei unseren nordischen Nachbaren sind die Preise 2019 nämlich gesunken. In Frankreich ist das Preisniveau dagegen mehr als 40 Prozent niedriger als hier. In den Niederlanden beträgt der Abschlag auf den deutschen Strompreis 45 Prozent und in Polen müssen die Landwirte und Verbraucher nicht einmal die Hälfte der hiesigen Preise zahlen.
=> Quelle agrarheute von 09/20

Ralf Richter vor 41 Wochen

Nichts falsch an Ihren Feststellungen, lieber Horst und trotzdem nicht die ganze Wahrheit.
Was Sie dabei aber (absichtlich?) ausblenden, ist die Tatsache, daß das EEG erstmals 2000 in Kraft trat und somit ein Produkt von SPD+Grüne ist.
Daß die Union es nicht angetastet hat, ist wohl ähnlich wie bei der Agenda 2010 begründet. Der Erfinder ist der Buhmann und selbst kann man die "positiven" Effekte einkassieren.
Mal schauen, was passiert, falls das EEG spez. für Windkraft komplett unattraktiv werden sollte. Lassen dann enercon & co. die Altlasten beim Steuerzahler.

Horst vor 41 Wochen

"Strompreis in den vergangenen 15 Jahren fast verdreifacht"

15 Jahre, in denen wir durchweg von CDU/CSU (zusammen mit SPD bzw. FDP) regiert wurden...

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