Hörer machen Programm Warum Smartphone-Akkus fest verbaut werden

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Früher hatten die Handys auf der Rückseite einen Plastikdeckel, den man öffnen konnte, um den Akku herauszunehmen. Das ist bei den heutigen Smartphones nicht mehr möglich. Die meisten Geräte sind verklebt, der Akku ist fest verbaut. Unser Hörer Werner Wolfgang will wissen, warum das so ist und ob es Bestrebungen gibt, daran etwas zu ändern.

Akkuanzeige an einem Smartphone
Warum werden die Akkus in Smartphones fest verbaut? Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Irgendwann macht er schlapp – anfangs muss man den Akku nur einmal am Tag aufladen, dann schon nach ein paar Stunden. Je nachdem, wie intensiv man das Smartphone nutzt, hält der Akku im Schnitt zwei bis drei Jahre. Und dann? Ein neues Handy kaufen? Für Tabea Rößner, Bundestagsabgeordnete der Grünen, ist das eigentlich keine Option: "Wenn Akkus so verklebt sind, dass sie nicht ausgetauscht werden können, wenn sie kaputt sind, dann landen sie am Ende auf dem Elektroschrott-Berg. Und dieser Berg wächst und wächst und wächst. Und da gehen nicht nur wichtige Ressourcen verloren, sondern es ist eben auch schädlich für das Klima."

Vorteile von verbauten Akkus

Allerdings haben die Hersteller gute Gründe, warum sie Handys heute nur noch in den seltensten Fällen mit auswechselbarem Akku anbieten. Der Elektronikkonzern Samsung erklärt auf Anfrage von MDR AKTUELL, für die Smartphone-Käufer seien eine lange Batterielaufzeit, ein großes Display, ein möglichst geringes Gewicht und Schutz vor Wasser und Staub wichtig. Und weiter: "Die integrierte Bauform kann das Risiko reduzieren, dass sich Akkumulatoren bei Erschütterungen wie Stürzen bewegen und dadurch beschädigt werden und so zu einer Gefahr für das Gerät oder den Nutzenden werden können. Durch die flache Bauart wird außerdem weniger Material bei Produktion und Verpackung benötigt."

Außerdem verzeichne Samsung seit der Einführung der versiegelten Bauweise viel weniger Reparaturen – etwa wegen Wasserschäden, die das Gerät früher häufig zerstört hätten. Patrick Bellmer, Redakteur beim Computermagazin CT nennt noch einen anderen wichtigen Aspekt: "Dann kam dazu, dass es irgendwann vermehrt gefälschte Akkus gab, bei Online-Händlern und teilweise auch im lokalen Handel. Im schlimmsten Fall hatte man dann einen Akku, der einfach in Flammen aufgeht, weil die wirklich ganz schlecht gefälscht waren. Und mit diesen fest verbauten Akkus konnte man da ein bisschen gegensteuern."

Bundesrat wollte Hersteller zu auswechselbaren Akkus verpflichten

Trotzdem gab es bereits Versuche, die Hersteller dazu zu verpflichten, leicht auswechselbare Akkus in den Smartphones zu verbauen. Zuletzt im Frühjahr, als der Bundesrat eine solche Regel ins neue Elektrogerätegesetz schreiben wollte. Die Initiative scheiterte allerdings.

Eigentlich sei aber auch die EU gefragt, sagt Grünen-Politikerin Rößner: "Auf europäischer Ebene gibt es den Wunsch, ein Recht auf Reparatur einzuführen. Es gibt auch die Öko-Design-Richtlinie und im März wurde dieses Gesetz geändert. Es gilt aber eben nur für große Geräte und nicht für Handys. Es gab eine Umfrage: 79 Prozent der Befragten wollen, dass die Hersteller gesetzlich verpflichtet werden, damit Geräte reparierbar werden."

Samsung weist darauf hin, dass das auch bei den verklebten Smartphones möglich sei: Mit entsprechenden Kenntnissen und Werkzeugen ließe sich ein Gerät in Sekundenschnelle öffnen und der Akku tauschen. Dafür gebe es ein dichtes Netz an Werkstätten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. November 2021 | 06:00 Uhr

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