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Die Autoindustrie befindet sich im Wandel. Bildrechte: imago images/Sven Simon

BeschäftigungsplusStudie: Elektromobilität als Motor für ostdeutsche Automobilbranche

von Till Ganswindt, MDR AKTUELL

Stand: 05. Juli 2021, 11:46 Uhr

Durch die Transformation hin zur E-Mobilität könnten nach Einschätzung des Verbands der Automobilindustrie mehr als 200.000 Jobs wegbrechen. Eine aktuelle Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Weiter heißt es aber dort, dass durch eben diese Transformation mindestens genauso viele Jobs entstehen könnten. Und der große Profiteur könnte der Osten sein.

"Automobile Arbeitswelt im Wandel: Jobeffekte in Deutschland bis 2030" heißt die Studie, die die Berliner Denkfabrik "Agora-Verkehrswende" in Auftrag gegeben hat. In den kommenden neun Jahren könnten in der Elektromobilität 205.000 neue Jobs entstehen, heißt es da. Mehr noch: Nimmt man die Bereiche Energieerzeugung und Infrastruktur mit in die Berechnung, könnte – laut Studie – unter dem Strich sogar ein Beschäftigungsplus stehen.

Zehn Prozent mehr Jobs im Osten

Der Osten spiele hier eine bedeutende Rolle, sagt Agora-Verkehrswende-Direktor Christian Hochfeld: "Im Moment haben wir in den östlichen Bundesländern etwa 179.000 Angestellte im Bereich der Automobilproduktion. Wir rechnen damit, dass das etwa bis 2030 195.000 Jobs sind. Das sind 16.000 mehr. In Prozent ausgedrückt sind das zehn Prozent mehr Jobs im Bereich der neuen Automobilität, der Elektromobilität, die im Osten entstehen werden."

Beim Automotive Cluster Ostdeutschland ACOD, einem Zusammenschluss der heimischen Autohersteller, Zulieferer und Forschungsinstitute, sind die Erwartungen etwas zurückhaltender. Er sei sich nicht sicher, ob es in der heimischen Branche tatsächlich zu einem Plus bei der Beschäftigung kommen werde, sagt Geschäftsführer Jens Katzek: "Fakt ist aber, dass wir gerade hier in Ostdeutschland extrem gut positioniert sind, was das Thema Elektromobilität betrifft."

Katzek verweist dabei auf eines der ersten Werke bei VW in Zwickau, das sich umgestellt habe. Es gebe Vorreiter, zum Beispiel BMW in Leipzig, die schon sehr früh Elektroautos hergestellt hätten. Und man habe in Ostdeutschland eine Reihe von Neuansiedlungen im Bereich von Batterien und im Bereich Batterierecycling.

Viel Bewegung durch Wandel

Dazu komme noch das Tesla-Werk in Brandenburg, sagt Katzek. Es gebe unheimlich viel Bewegung in Ostdeutschland. Der Wandel hin zur E-Mobilität sei zu schaffen.

Davon ist auch Rico Chmelik überzeugt – und ähnlich optimistisch wie die Verfasser der Studie. Chemlik ist Geschäftsführer von Automotive Thüringen, einem Verband der Zuliefererbranche im Freistaat.

Mit Blick auf zwei eigene Studien in den vergangenen drei Jahren gehe man fest davon aus, dass im Laufe der nächsten Jahre mehr Jobs entstünden als verloren gingen, sagt Chmelik und ergänzt: "Also wir sehen an Chancen durchaus zehn Prozent Wachstum an den Standorten Jena, Erfurt und Nordilm-Kreis eben aufgrund dieser Bereiche Batterie und Software, die im Automobil eine immer größere Rolle spielen".

Umorientierung gefordert

Aber: Nicht alle Regionen werden gleichermaßen profitieren. Es werden Jobs wegfallen, viele Unternehmen und deren Beschäftigte werden sich umorientieren müssen. Chmelik betont, die entscheidende Frage sei, wie mache ich aus einem Eisenschmied einen Softwareschmied? Und das am besten in 100 Tagen. "Deswegen plädieren wir für eine Weiterbildungs- und Ausbildungsoffensive."

Wie mache ich aus einem Eisenschmied einen Softwareschmied? Und das am besten in 100 Tagen. Das wird die entscheidende Frage sein.

Rico Chmelik | Automotive Thüringen

Und auch Agora-Direktor Hochfeld sieht das so. Der Erfolg des Wandels sei kein Selbstläufer. Die beteiligten Unternehmen bräuchten gezielte Unterstützung von Bund und Ländern, um im großen Maßstab Fachkräfte gewinnen, qualifizieren und umschulen zu können.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2021 | 08:05 Uhr

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