Elektroschrott Deutsche recyclen zu wenige Altgeräte

Deutschland gilt als Recycling-Musterland. Beim Thema Elektroschrott besteht allerdings Nachholbedarf. Nicht einmal jedes zweite Altgerät wird bei Händlern oder Sammelstellen abgegeben. Umweltverbände kündigen rechtliche Schritte an, sollte die neue Bundesregierung das Problem künftig nicht stärker angehen.

Ausrangierte Mobiltelefone
Ausrangierte Mobiltelefone: Weniger als die Hälfte ihrer alten Geräte lassen die Deutschen recyclen. Bildrechte: dpa

Bei Christian Kästner finden ausgediente Elektrogeräte ein würdiges Ende. Er leitet die Firma Metcera im sächsischen Markranstädt. Mitarbeiter zerlegen dort Computer, Handys oder Toaster, damit aus ihnen Neues werden kann.

Kästner erklärt: "Also hier, das ist eine Platine von einem alten Röhrenfernseher. Hier wird die Spule abgemacht, händisch, also auch das Aluminium.Und das geht dann weiter in diese Box und das wird später zu einem Aufbereiter gegeben, der die Rohstoffe rausnimmt."

EU-Vorgaben nicht erfüllt

Das Trennen erfolgt von Hand. Und es sieht aufwändig aus. Doch das ist nicht der Hauptgrund, warum in Deutschland weniger als die Hälfte des Elektroschrotts recycelt wird.

Das Problem beginne früher, sagt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe: "Das Problem beim Recycling ist erst einmal, dass zu wenig Elektroschrott gesammelt wird und damit für ein Recycling gar nicht zur Verfügung steht. Deutschland sammelt weniger als die Hälfte des Elektroschrotts. Von der EU vorgegeben werden aber 65 Prozent."

Doch warum schaffen wir diese Quote nicht? Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe gibt es nicht ausreichend Sammelorte. Zwar müssen Händler ausgediente Geräte kostenlos zurücknehmen. Doch das gelte erst ab einer bestimmten Verkaufsfläche. Und viele Kunden wüssten von der Regelung nichts.

Sammelorte oft mit Problemen

Martin Jähnert wollte das Problem offensiv lösen. Er gründete vor fünf Jahren in Leipzig die Firma Binne, zu Deutsch Tönnchen. Sie stellte in Läden Sammelboxen auf. Wer sein Elektrogerät einwarf, bekam sogar etwas dafür.

Jähnert sagt: "Da gab es auf dem Bildschirm Gutscheine zur Auswahl. Von kleinen tollen Firmen. Und so kam das System super an bei Leuten, die es nutzen wollten. Die Leute sind quer durch die Stadt gefahren mit den Öffentlichen, um Gutscheine zu bekommen, um abzugeben. Also es hat an sich reges Interesse erzeugt. Die Boxen waren regelmäßig voll."

Doch das System trug sich nicht. Jähnert fand nicht ausreichend Händler, die für die Recyclingbox Geld bezahlen wollten. Christina Dornack ist Professorin für Kreislaufwirtschaft in Dresden. Sie sagt, tatsächlich sei es schwer, ein lohnendes Sammelsystem aufzubauen. Trotzdem sei es nötig.

Dornack findet: "Es ist gerade für Deutschland, für uns, existenziell, weil wir keine Primär-Rohstoffe haben in unserem Land derart, die wir für unsere Digitalisierung benötigen. Das heißt, um uns unabhängig vom Weltmarkt zu machen, ist es sehr wichtig, dass wir diese Sachen zurückbekommen."

Mögliches Verfahren gegen neue Regierung

Das sieht auch die Deutsche Umwelthilfe so. Sie verlangt, dass ausnahmslos alle Elektrohändler zur Rücknahme von Geräten verpflichtet werden. Sonst erfülle Deutschland die Recyclingquote der EU weiterhin nicht. Laut Philipp Sommer droht dann auch ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland.

Er sagt: "Das kann auch sehr, sehr teuer werden. Und wir als Umweltverband werden sehr genau schauen: Was tut die neue Bundesregierung, damit mehr Elektroschrott gesammelt wird? Und wenn das nicht ausreicht, dann werden wir auch so ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland anstrengen."

Um das zu vermeiden, müsse Deutschland einfach mehr sammeln, sagt Sommer. Und jeder Einzelne könne im Kleinen anfangen. Alte Föns, Toaster oder elektrische Zahnbürsten gehörten nicht in den Müll, sondern zurück zum Händler oder auf den Wertstoffhof.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. November 2021 | 06:00 Uhr

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