Speicher für die Energiewende Sachsen baut erste kombinierte Solar-Großspeicher-Anlage

Die Bundesregierung will mehr Wind- und Solaranlagen bauen lassen. Deren Strom ist klimafreundlich. Es gibt aber ein Problem: Bei Wolken oder Windflauten sinkt die Strommenge drastisch. Nun sollen große Batteriespeicher helfen, ein paar Stunden zu überbrücken. Ein Pilotprojekt entsteht bei Großschirma in Sachsen. An der Universität Jena wird derweil erforscht, wie solche Speicher künftig noch umweltfreundlicher sein können.

Der EnBW-Solarpark «Weesow-Willmersdorf» im Landkreis Barnim, östlich von Berlin.
Solaranlage (Symbolbild): In Solarparks wie diesem könnte künftig spezielle Speichertechnik zum Einsatz kommen. Bildrechte: dpa

Auf den ersten Blick ist es ein ganz normaler Solarpark. Hinter einem Acker bei Großschirma reiht sich Solarmodul an Solarmodul. Und doch ist hier etwas besonders: Im Mai will Lukas Mogg von der Green Energy 3000 GmbH einen Stromspeicher daneben stellen – einen Akku so groß wie ein Schiffscontainer. Mogg erzählt: "Also wir gehen davon aus, dass die Solaranlage unter Volllast 25.000 Haushalte beliefern kann. Der Speicher ist ein bisschen kleiner. Der kann dann 10.000 Haushalte beliefern. Und das Ganze für zwei Stunden."

Es ist der erste Solarpark Mitteldeutschlands, der schon beim Bau mit einem Großspeicher kombiniert wird. Der liefert dann auch Strom, wenn keine Sonne scheint. Die Bundesnetzagentur fördert das Projekt.

Den Strom aus der Mittagszeit in die Randstunden bringen

Für Christof Petrick vom Leipziger Stromhändler Energy2Market sind solche kombinierten Anlagen die Zukunft. In einigen Jahren werde es soweit sein, dass die Solarproduktion aus allen Solarpanels in Deutschland ausreicht, um den gesamten Strombedarf zur Mittagszeit zu decken, glaubt Petrick: "Und dann gibt es einen Bedarf, diese produzierte Energie in die Randstunden zu verlagern. Nämlich dann, wenn die Leute nach Hause kommen. Und um das sicherzustellen über Solarenergie, brauchen wir Speichermedien, die die produzierten Kilowattstunden aus der Mittagszeit in die Randstunden hineinbringt."

Claudia Reiser 2 min
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Fr 18.02.2022 11:56Uhr 02:27 min

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Doch wie viele solcher Großspeicher sind dann nötig? Es muss nicht neben jedem Solarpark einer stehen. Aber ein paar hundert könne das Land schon gebrauchen, findet Christian Friebe. Er arbeitet in einem Forscherteam der Universität Jena, das Großspeicher entwickelt. Die Wissenschaftler suchen dabei eine Alternative zur klassischen Lithiumbatterie, die bislang nicht nur im Smartphone, sondern eben auch in Großspeichern zum Einsatz kommt. Stattdessen setzt das Team auf so genannte Flussspeicher.

Friebe zeigt ein Modell im Labor: "Also was wir jetzt hier sehen, ist im Prinzip schon eine laufende Batterie, die auf dem Prinzip der Flussbatterie basiert. Und das Besondere an diesem Prinzip ist, dass der Strom in Flüssigkeiten gespeichert wird. Wir haben also hier zwei Tanks, in denen sich zwei Flüssigkeiten befinden." Die Flüssigkeiten können Elektronen aufnehmen oder abgeben. Je größer man die Tanks mache, umso mehr Strom lasse sich speichern, sagt Friebe. Die Technik sei ideal, um sie an Wind- oder Solarparks anzudocken.

Das nächste Ziel: Umweltfreundliche Speichertechnik

Die Idee gibt es schon länger. Das Besondere in Jena: Die Forscher arbeiten an Flussspeichern, die umweltfreundlich sind. Christian Friebe erklärt, bisher hätten Batterien auf stark sauren Flüssigkeiten beruht: "Die sind jetzt nicht feuergefährlich, aber man möchte sie auch nicht in die Umwelt kommen lassen beziehungsweise einfach auslaufen lassen. Und da arbeiten wir an Systemen, die neutrale Lösungen benutzen, dass da eben auch im Falle eines Lecks die Gefahren verringert sind im Vergleich zu bisherigen Systemen."

Wenn die Forscher erfolgreich sind, gibt es in Zukunft Großspeicher, die ohne teure Metalle und ohne saure Flüssigkeiten auskommen. Prototypen existieren schon. Bis sie in Serie gehen, werden aber vorerst weiterhin klassische Lithium-Speicher Sonnen- oder Windstrom vorhalten. So wie der für den Solarpark bei Großschirma.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2022 | 05:10 Uhr

3 Kommentare

Eulenspiegel vor 18 Wochen

Hallo Pegauer
Was hier nicht erwähnt wird. Es gibt schon neue Speicher auf Kohlenstoffbasis. Ja Kohlenstoff die Basis des Lebens überhaupt. Und Flora und Fauna bauen seit Urzeiten auf Energiespeicher die auf Kohlenstoffbasis aufgebaut sind.

Suedvorstadt vor 18 Wochen

Nein, auch dann müssen Sie Ihren leckeren Büchseneintopf nicht kalt löffeln. Dann nutzen wir einfach andere Speicher, die schon entwickelt sind (z.B. eben die klassischen Li-Ionen-Akkus, Flüssigsalzspeicher oder ähnliches). Oder wir überlassen es den Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen, die Ergebnisse aus der Studie auszuwerten, zu interpretieren und den nächsten Lösungsansatz zu entwickeln.

Die oben genannte Methode ist ja nicht das einzige Eisen, das wir für die Speicherung von Strom im Feuer haben. Außerdem ist es völlig normal, dass nicht jedes Forschungsvorhaben auf Anhieb gelingt. Wüsste man vorher, was bei wissenschaftlicher Forschung hinten rauskommen, könnte man sie sich ja sparen. Forschung ist immer ein Schritt ins Ungewisse, aber das wissen die Forschenden schon.

Sie müssen also keine Angst um ihren Eintopf haben, der Herd wird auch nächste Woche noch warm, wenn sie das Knöpfchen drehen.

Der Pegauer vor 18 Wochen

„Wenn die Forscher erfolgreich sind, gibt es in Zukunft Großspeicher, die ohne teure Metalle und ohne saure Flüssigkeiten auskommen“…
Und wenn sie nicht erfolgreich sind… Dann bleibt es wohl finster in der Nacht und Eintopf aus der Büchse muss abends kalt gelöffelt werden.

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