Entwicklung bei Eigentumswohnungen Kaufpreise steigen in Umlandorten stärker als in Großstädten

In Mitteldeutschland ist das Preisniveau für Eigentumswohnungen in den vergangenen fünf Jahren in mittelgroßen Nachbarorten der Großstädte am stärksten gestiegen. Das ergab eine Auswertung des aktuellen F+B-Wohn-Index durch das MDR-Magazin "Umschau". Die höchsten Preisaufschläge gab es in Gotha (47 Prozent) und in Pirna (44 Prozent). In den Großstädten stieg im selben Zeitraum das Preisniveau um durchschnittlich 30 Prozent. Und dort müssen Käufer fast ausnahmslos Höchstpreise zahlen.

Provisionsfreie Wohnungen zu verkaufen - auch als Kapitalanlage - gesehen am 25.12.2013 in Hannover am Kronsberg
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Eine Ursache für das stärkere Anziehen der Preise in den Umlandstädten ist nach Auskunft von Dr. Bernd Leutner das hohe Preisniveau in den Großstädten. Der Geschäftsführer des Forschungs- und Beratungsinstituts F+B GmbH sagte: "Weiterhin niedrige Kreditzinsen für Immobilienfinanzierungen lassen die Nachfrage auch nach Eigentumswohnungen steigen. Wegen der hohen Preise in den Großstädten weichen die Wohnungssuchenden in die preiswerteren Alternativen vor den Toren aus."

Bernd Leutner
Für den Immobilienexperten Dr. Bernd Leutner ist das hohe Preisniveau in den Großstädten der Preistreiber im Umland. Bildrechte: F+B GmbH

Nach Einschätzung des Immobilienexperten ist der größere Teil der Eigentumswohnungskäufer in Mitteldeutschland nicht Selbstnutzer, sondern Anleger. "Die investieren da, wo die Mieten stark steigen. Wie unser Wohn-Index zeigt, ist das nicht nur in den Großstädten der Fall, sondern auch in den Mittelstädten", so Dr. Leutner.

Thüringen: Größte Preissteigerungen rund um Erfurt

In Thüringen müssen Wohnungskäufer in Gotha jetzt viel tiefer ins Portemonnaie greifen als noch vor fünf Jahren. Der Preisindex stieg um rund 47 Prozent. Dementsprechend liegt der Preis für eine zehn Jahre alte 75-Quadratmeter-Modellwohnung, die Basis für den F+B-Preisindex ist, bei 1.660 Euro je Quadratmeter.

Damit liegt das Preisniveau rund 20 Prozent unter dem der rund 25 Kilometer entfernten Landeshauptstadt Erfurt (2.130 Euro). Dort stieg der Kaufpreisindex um zirka 29 Prozent. In Jena, der zweiten Thüringer Großstadt, erhöhten sich die Preise mit rund 20 Prozent im landesweiten Städtedurchschnitt, erreichten sogar den Thüringer Spitzenwert (2.420 Euro).

F+B-Wohn-Index Der F+B-Wohn-Index wird quartalsweise für Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern erhoben. Aktuell liegen die Daten für das vierte Quartal 2020 vor. Die Grundlage für den Index sind Durchschnittspreise realisierter Mietangebote für eine Vergleichswohnung mit folgenden Eckwerten: zehn Jahre alt, 75 Quadratmeter groß und mit normaler Ausstattung. Je nach Lage schwanken die Preise in der jeweiligen Stadt um bis zu 90 Prozent um den Durchschnittswert.

Weimar: hohe Preise nach starker Erhöhung

Mit einem Plus von 25 Prozent landet Weimar jeweils auf dem dritten Platz im Preisanstiegs- und Quadratmeter-Preis-Ranking in Thüringen. Für die Klassikstadt zwischen Erfurt und Jena weist der F+B-Wohnindex einen Preis von 1.950 Euro aus. Das sind knapp zehn Prozent weniger als in der Landeshauptstadt und gut 20 Prozent weniger als in der Universitätsstadt im Saaletal. Beide Städte sind Luftlinie jeweils rund 20 Kilometer von Weimar entfernt.

Deutsches Nationaltheater Weimar mit Goethe-Schiller-Denkmahl
In Weimar führen starke Steigerungsraten zu sehr hohen Immobilienpreisen in Thüringen. Bildrechte: imago/Reiner Zensen

Ähnlich stark wie im teuren Jena stieg das Kaufpreisniveau für Eigentumswohnungen auch in Gera (20,7 Prozent). Mit 990 Euro liegt der Quadratmeterpreise in der ehemaligen DDR-Bezirksstadt thüringenweit am niedrigsten. Den geringsten Preisanstieg gab es thüringenweit in Mühlhausen (7,1 Prozent). In Nordhausen sanken die Preise sogar um 1,6 Prozent.

Sachsen: Größte Preiserhöhungen rund um Dresden

In Sachsen sind in den vergangenen fünf Jahren die Preise für Eigentumswohnungen in der Großstadt Leipzig (34,7 Prozent) und den Mittelstädten rund um Dresden am stärksten angestiegen. Vor den Toren der Landeshauptstadt kletterte der Index in Pirna um zirka 44 Prozent, in Freital um 39 Prozent und in Meißen um rund 33 Prozent.

Pirnas Wahrzeichen – das Rathaus mit Birnen …
Pirna: Vor die Tore Dresdens zieht es Wohnungskäufer, denen es in der Landeshauptstadt zu teuer ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Vergleich zu anderen sächsischen Mittelstädten müssen Käufer in der Nachbarschaft der Landeshauptstadt am tiefsten ins Portemonnaie greifen. Der Quadratmeterpreis liegt in Meißen bei 1.620 Euro, in Freital bei 1.710 Euro und in Pirna bei 1.780 Euro. Das ist aber immer noch mehrere hundert Euro günstiger als in Dresden (2.390 Euro) und in Radebeul (2.500 Euro). Diese beiden Städte haben in Sachsen das höchste Preisniveau. Danach folgt Leipzig (1.940 Euro).

Großstadt Chemnitz mit Durchschnittswerten

Die dritte sächsische Großstadt Chemnitz landet mit einem Preisanstieg von rund 25 Prozent im F+B-Wohn-Index im Mittelfeld, leicht über dem sächsischen Durschnitt (22,8 Prozent). Der Quadratmeterpreis von 1.210 Euro ist realtiv günstig. Das landesweite Städtemittel liegt beu 1.512 Euro.

Das Rathaus von Chemnitz.
In Chemnitz sind Wohnungen mit Abstand nicht so teuer wie in anderen sächsischen Großstädten. Bildrechte: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Die günstigsten Durchschnittsquadratmeterpreise für Eigentumswohnungen gibt es in Sachsen im südöstlichsten Zipfel, dem Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien. Für Zittau weist der F+B-Wohn-Index 960 Euro je Quadratmeter aus. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Preise um rund neun Prozent. Geringer fielen die Kaufpreisaufschläge nur noch in Grimma (5,5 Prozent) und Freiberg (5 Prozent) aus.

Sachsen-Anhalt: Hohe Preisaufschläge in großen und mittleren Städten

In Sachsen-Anhalt stieg das Preisniveau für Eigentumswohnungen am stärksten (mehr als 30 Prozent) in einigen Mittelstädten und in den beiden Großstädten Halle (37,6 Prozent) und Magdeburg (34,5 Prozent). Zu den Mittelstädten zählen Bernburg (39,8 Prozent), Merseburg (37,4 Prozent) und Wernigerode (37 Prozent).

Schloss Merseburg
Merseburg: Trotz großer Preissteigerungen sind Eigentumswohungen immer noch relativ günstig. Bildrechte: Wolfgang Kubak

Trotz der kräftigen Preisanstiege liegt der Quadratmeterpreis in Bernburg (1.230 Euro) und in Merseburg (1.360 Euro) im Schnitt der sachsen-anhaltischen Städte (1.259 Euro). Zudem liegt das Preisniveau in der Domstadt rund 20 Prozent unter dem Preis des rund 15 Kilometer entfernten Halle (1.720 Euro). Auch bis Leipzig ist es nicht weit: rund 30 Kilometer. Das Preisniveau liegt 30 Prozent unter dem der Messestadt. Damit belegt die Saalestadt den zweiten Platz im Sachsen-Anhalt-Ranking. Der dritte geht an Magdeburg (1.560 Euro), der erste an Wernigerode (1.890 Euro).

Eigentumswohnungen in Zeitz, Köthen und Staßfurt sehr günstig

In Sachsen-Anhalt gibt es die geringsten Preissteigerungen und das niedrigste Preisniveau für Eigentumswohnungen in Zeitz (7,2 Prozent, 890 Euro) und Köthen (12 Prozent, 1.030 Euro).

Entdeckungstour durch Zeitz und die Elsteraue
Zeitz hat sehr günstige Immobilienpreise und nur geringe Preiserhöhungen. Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Während man von Zeitz in die nächste Großstadt mit dem Auto rund 45 Kilometer fahren muss, sind es von Köthen nach Halle nur rund 35 Kilometer. Ein ähnlich niedriges Preisniveau wie in Zeitz und Köthen gibt es in Staßfurt (1.050 Euro). Dort haben die Preise in den vergangen fünf Jahren jedoch um 25 Prozent zugelegt.

Mitteldeutschland: geringe Preissteigerungen im Corona-Jahr

3D-Modell Coronavirus
Das Coronavirus hat viele Lebensbereiche 2020 eingeschränkt. Bildrechte: imago images/Hollandse Hoogte

Das Jahr 2020 war von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt und hat in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu Einschränkungen geführt. Im vergangenen Jahr ist in Thüringen und Sachsen das durchschnittliche Preisniveau für Eigentumswohnungen in den Städten weniger stark gestiegen als im Vorjahr. In Thüringen ging der Anstieg von gut sechs Prozent auf knapp zwei zurück, in Sachsen von sechs Prozent auf gut drei. In Sachsen-Anhalt bleib die Teuerung mit rund vier Prozent konstant.

Quelle: MDR UMSCHAU

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 13. April 2021 | 20:15 Uhr

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