Preisentwicklung bei Neuvermietung Überschwappeffekt lässt Mieten in mittelgroßen Städten stärker steigen

In Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen Wohnungssuchende vor allem in Mittelstädten tiefer ins Portemonnaie greifen als noch vor fünf Jahren. Dort sind die Neumieten stärker gestiegen als in Großstädten. In Sachsen führen sowohl Mittel- als auch Großstädte das Ranking an. Das ergab eine Auswertung des aktuellen F+B-Wohn-Index für das vierte Quartal 2020 durch das MDR-Magazin "Umschau". Trotz der hohen Anstiege in den Mittelstädten sind die Mietangebote vor allem in den Großstädten am teuersten.

ein Mietvertrag mit einem Schlüssel
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Die Ursache für das stärkere Anziehen der Neumieten in den Mittelstädten ist nach Auskunft von Dr. Bernd Leutner bildlich gesprochen ein "Überschwappeffekt". Der Geschäftsführer des Forschungs- und Beratungsinstituts F+B GmbH erklärt: "In den Kernstädten steigen die Mieten und das Angebot wird geringer. Die Wohnungssuchenden weichen auf günstigere Städte im Umland aus. Dort bekommen sie mehr Fläche fürs selbe Geld, gegebenenfalls für ein Homeoffice-Zimmer." Diese Nachfrage lasse die Preise in den mittelgroßen Städten stärker steigen.

Sachsen-Anhalt: Wernigerode mit höchsten Zuwächsen

In Sachsen-Anhalt stieg das Mietpreisniveau im Fünfjahresvergleich mit Abstand am stärksten in den kleinen Mittelstädten Wernigerode (11,3 Prozent) und Staßfurt (9,1 Prozent).

Marktplatz mit Rathaus von Wernigerode
Die stärksten Mietsteigerungen der vergangenen fünf Jahre gab es in Sachsen-Anhalt in Wernigerode. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Es folgt eine Gruppe – ebenfalls aus Mittelstädten - mit überdurchschnittlichen Mietpreisaufschlägen von rund sechs Prozent: Aschersleben (6,5 Prozent), Halberstadt (6,4 Prozent), Schönebeck (6,3 Prozent), Weißenfels (6,3 Prozent), Sangerhausen (6,1 Prozent), Merseburg (6 Prozent), Wittenberg (5,9 Prozent) und Naumburg (5,7 Prozent). Der Mittelwert der 18 Städte mit jeweils mehr als 25.000 Einwohnern beträgt 4,9 Prozent. In den Großstädten fiel der Aufschlag unterdurchschnittlich aus: Halle (3,7 Prozent) und Magdeburg (3,8 Prozent).

F+B-Wohn-Index Der F+B-Wohn-Index wird quartalsweise für Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern erhoben. Aktuell liegen die Daten für das vierte Quartal 2020 vor. Die Grundlage für den Index sind Durchschnittspreise von realisierten Mietangeboten für eine Vergleichswohnung mit folgenden Eckwerten: zehn Jahre alt, 75 Quadratmeter und eine normale Ausstattung. Je nach Lage schwanken die Preise in der jeweiligen Stadt bis zu 70 Prozent um den Durchschnittswert.

Naumburg: gleiches Mietnievau wie Halle (Saale)

Der sehr starke Mietpreisanstieg in Wernigerode führte in der Stadt am Harz zum landesweit höchsten Mietniveau. Für die 75-Quadratmeter-Modellwohnung des F+B-Wohn-Index liegt die Quadratmetermiete bei 5,90 Euro.

Blick auf den Marktplatz und das Rathaus von Naumburg
Naumburg hat in Sachens-Anhalt vergleichsweise hohe Preise bei Neuvermietung. Bildrechte: dpa

Hinter Wernigerode folgen im Sachsen-Anhalt-Ranking Naumburg und Halle (Saale) mit jeweils 5,60 Euro. In Staßfurt liegt der Mietpreis - trotz des landesweit zweitgrößten Zuwachses - mit 4,80 Euro unter dem Städtedurchschnitt des Landes von rund 5,20 Euro.

Thüringen: Spitzenanstieg in Suhl, Spitzenpreise in Jena

In Thüringen sind in den vergangenen fünf Jahren die Preise bei Neuvermietung in der Mittelstadt Suhl (9,3 Prozent) mit Abstand am stärksten gestiegen.

Freunde helfen bei einem Umzug und tragen Kisten, Pflanzen und Möbel durch ein Treppenhaus
Wer in Jena umzieht, muss mit sehr hohen Mieten rechnen. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Es folgt eine Spitzengruppe aus den Mittelstädten mit überdurchschnittlichem Zuwachs von rund sechs Prozent: Nordhausen (5,9 Prozent), Mühlhausen (5,8 Prozent), Gotha (5,7 Prozent) und Saalfeld (5,7 Prozent). In den Großstädten Jena (4,1 Prozent) und Erfurt (3,1 Prozent) liegt der Mietenanstieg im thüringischen Mittel (4 Prozent) beziehungsweise leicht darunter. Trotz des mit Abstand höchsten Zuwachses in Suhl erreicht die Quadratmetermiete mit 5,90 Euro nur thüringischen Durchschnitt (5,86 €). Mit den durchschnittlichen Zuwächsen werden Wohnungen in Jena (7,70 Euro), Weimar (6,70 Euro) und Erfurt (6,60 Euro) zu den höchsten Preisen in Thüringen vermietet.

Sachsen: Zwickau und Radebeul legen bei Mieten stark zu

Impressionen aus dem Karl-May-Museum Radebeul
Radebeul: Die Stadt bei Dresden ist nicht nur bei Touristen, sondern auch bei Wohnungssuchenden sehr beliebt. Bildrechte: MDR

In Sachsen ist das Mietniveau am stärksten in der größten Stadt des Freistaates gestiegen: Leipzig führt die Rangliste mit einem Plus von 9,6 Prozent an. Es folgen mit Abstand die große Mittelstadt Zwickau (6,3 Prozent), die kleine Mittelstadt Radebeul (6,1 Prozent) und Sachsens zweitgrößte Stadt Dresden (4,8 Prozent). Daran schließt sich eine Gruppe aus vier Mittelstädten mit überdurchschnittlichen Zuwächsen von rund vier Prozent an: Riesa (4,2 Prozent), Meißen (4 Prozent), Hoyerswerda (4 Prozent) und Freital (3,8 Prozent).


Dresden und Chemnitz mit großen Unterschieden

Konstant blieb das Mietniveau in der dritten sächsischen Großstadt. Chemnitz liegt rund 40 Autokilometer von Zwickau entfernt. Vor fünf Jahren zahlte man in beiden Städten 4,80 Euro.

Das im Volksmund nur als "Nischl" bezeichnete Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz
In der Großstadt Chemnitz blieb das Mietniveau konstant. Bildrechte: dpa

Mit aktuell 5,10 Euro landet Zwickau im sächsischen Durchschnitt. Trotz des sachsenweit höchsten Anstiegs in der Messestadt Leipzig bleibt das Mietpreisniveau dort mit 5,70 Euro je Quadratmeter hinter dem der Landeshauptstadt Dresden (6,60 Euro) und der Mittelstadt Radebeul (7 Euro) im Speckgürtel der Residenzstadt.

Corona keine Bremse für Anstieg bei Neuvermietung

Die Folgen der Corona-Pandemie brachten 2020 für Wohnungssuchende keine Vorteile. Die Preise für Neuvermietung kletterten auch in diesem Zeitraum weiter nach oben.

FOTOMONTAGE, Wegweiser mit der Aufschrift Kontaktbeschränkungen und Corona-Symbolen
Die Corona-Pandemie hat den Preisanstieg bei Neuvermietung nicht gebremst. Bildrechte: imago images/Christian Ohde

In Thüringen stieg der Mittelwert für den F+B-Wohnindex der 12 Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern von 0,7 auf 0,9 Prozent. Der sächsische Index-Durchschnitt wuchs von 0,3 auf 0,6 Prozent. In Sachsen-Anhalt legte der Index mehr als einen Prozentpunkt zu und erreichte 1,7 Prozent (Vorjahr: 0,4 Prozent)

Quelle: MDR UMSCHAU

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 13. April 2021 | 20:15 Uhr

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