Energiepolitik EnviaM erhöht Strompreise

Der ostdeutsche Energieversorger EnviaM hat Preiserhöhungen bei Strom und Gas angekündigt. Dennoch wird die Stromrechnung für viele Kunden in der Grundversorgung und mit ähnlichen Tarifen in diesem Jahr erstmal niedriger ausfallen, weil die EEG-Umlage ausläuft. Beim Gas könnte es in der zweiten Jahreshälfte allerdings deutlich teurer werden.

Fahnen mit dem Logo des Energiedienstleisters EnviaM und der Tochter Mitnetz wehen vor der Unternehmenszentrale in Chemnitz.
Die EnviaM-Konzernzentrale in Chemnitz. Der Ukraine-Krieg heizt die Preise für Strom und Gas noch einmal kräftig an. Bildrechte: dpa

Der ostdeutsche Energieversorger EnviaM erhöht zum 1. Juni den Strompreis für rund 700.000 Kunden. Der Preis steigt um knapp 9 Prozent auf 32,21 Cent je Kilowattstunde (brutto), wie das Unternehmen mit Sitz in Chemnitz mitteilte – für Privat- und Gewerbekunden in der Grundversorgung in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Nicht betroffen sind demnach vorerst etwa 400.000 Kunden mit langfristigen Tarifen.

Vertriebsvorstand Andreas Auerbach begründete das mit gestiegenen Großhandelspreisen bei hoher Nachfrage. Auch die Gaspreise würden in der zweiten Jahreshälfte angepasst. Er erwarte weitere Preiserhöhungen in den nächsten Jahren.

Strompreisentwicklung 2022 - Stromrechnung enviaM-Privatkunde 2022
Strompreis für enviaM-Privatkunden mit Jahresverbrauch von 2.000 kWh Bildrechte: EnviaM

Ende der EEG-Umlage gleicht Preiserhöhung aus

Da jedoch der Bund zum 1. Juli die Ökostrom-Umlage von 3,72 Cent pro Kilowattstunde abschafft, bleiben EnviaM zufolge die Preise stabil. Bei einem Verbrauch von 2.000 KWh sinkt demnach der Strompreis in der Grundversorgung im Jahresdurchschnitt von 725 auf 718 Euro.

Auerbach betonte, dass auch danach noch Steuern und Abgaben einen hohen Anteil am Strompreis ausmachten. Er forderte weitere Entlastungen. Er erläuterte zudem, dass EnviaM Strom und Gas zu etwa 90 Prozent langfristig einkaufe, die Marktpreise also mit Verzug und auf Basis von Durchschnittspreisen über längere Zeiträume an die Kunden weitergegeben würden.

Mehrere Faktoren für Preissprung

Die Gas- und infolge auch die Strompreise am Markt hatten schon im vergangenen Jahr stark angezogen. Als Gründe nannte Auerbach die anziehende Weltkonjunktur und wachsende Nachfrage nach Energieträgern vor allem in Asien. Hinzu kämen Faktoren wie eine Flaute bei der Windkrafterzeugung in Deutschland, die anstehende Abschaltung der letzten Atomkraftwerke, der Streit um die Gaspipeline Nordstream 2 sowie dann der Russland-Ukraine-Krieg.

Auch Marktentwicklungen wie Versorgungsausfälle durch Pleiten von Discountanbietern und ein erhöhter Verbrauch aufgrund von Homeoffice in der Corona-Pandemie spielten eine Rolle.

Strompreisentwicklung 2022 - Preisexplosion auf den Energiemärkten Strompreise
Strompreisentwicklung an den Energiemärkten für 2021 und dieses Jahr Bildrechte: EnviaM

Ukraine-Krieg treibt Gaspreis an

Angesichts des Ukraine-Krieges müssen sich laut Auerbach auch Gaskunden auf eine Preiserhöhung noch in diesem Jahr einstellen. Mit Blick auf die Diskussion um ein Gasembargo gegen Russland erklärte er, das würde die gesamte deutsche Gaswirtschaft treffen. Im Sommer hätte ein Importstopp noch keine größeren Folgen, im Winter dann schon. Derzeit liefen die Vorbereitungen für ein mögliches Krisenszenario. Die Bundesregierung habe die erste von drei Warnstufen zur Sicherstellung der Energieversorgung ausgerufen.

Diese erste Warnstufe hat laut Auerbach noch keine kommerziellen Auswirkungen für das EnviaM-Geschäft. Eine Taskforce des Bundes koordiniere dann bei den möglichen nächsten Stufen die Auswirkungen für Energieimporteure, Netzbetreiber und Versorger.

Die Bundesregierung lehnt bislang einen Stopp russischer Energielieferungen ab, da er Deutschland massiv treffen würde. Gerade beim Gas werde noch Zeit benötigt für eine Umstellung auf andere Quellen. Doch nach Bekanntwerden von Gräueltaten in der Ukraine werden die Rufe nach einem Embargo wieder lauter.

Stromentwicklung 2022 - Preisexplosion auf den Energiemärkten Erdgaspreise
Die Preisexplosion für Erdgas seit Januar 2021 Bildrechte: EnviaM

DPA(ans)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 04. April 2022 | 13:00 Uhr

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