Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Das Energieunternehmen EnviaM will verstärkt in erneuerbare Energien investieren. Bildrechte: dpa

NetzausbauEnviaM-Chef kritisiert Hürden der Politik

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stand: 12. Mai 2022, 05:00 Uhr

Ostdeutschlands größer Energiedienstleister EnviaM hat der Politik Versäumnisse bei der Energiewende vorgeworfen. Vorstandsvorsitzender Stephan Lowis sagte MDR AKTUELL, die Politik habe zwar in die Gesetzesvorhaben reingeschrieben, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien von überragendem öffentlichen Interesse sei. Sie habe aber vergessen, das Gleiche für den Netzausbau zu definieren. Es nütze nichts, wenn man weiter Solarpanele und Windräder aufbaue, diese aber nicht angeschlossen bekomme.

Die Feldlerche singt, der Wind weht sanft, als Thomas Kühnert über eine aufgeschüttete Bergbauhalde bei Lützen stapft. Der Himmel ist strahlend blau – "Solarstromwetter", würde Kühnert sagen. Der Manager der EnviaM-Gruppe zeigt auf der Halde seinen neuen Solarpark. Hinter einem Zaun mit Stacheldraht reihen sich 15.000 Solarstrommodule aneinander. Es fehlt nur noch der Netzanschluss. "Und dann kann die Anlage hoffentlich in den nächsten Wochen einspeisen. Die Anlage selber hat knapp sechs Megawatt installierter Leistung. Und wenn die Anlage dann planmäßig produziert, deckt sie den Stromverbrauch von ungefähr 2.400 Haushalten pro Jahr ab."

EnviaM will mehrere Millionen in Ökostrom investieren

Es ist erst der Anfang: In diesem Jahr will EnviaM in Ostdeutschland 22 Millionen Euro in Ökostrom investieren. Bis 2040 will das Energieunternehmen klimaneutral sein. Doch es gebe Hürden, sagt Vorstandsvorsitzender Stephan Lowis.

Er sitzt in seinem Büro in Markkleeberg und erzählt, dass der Bau eines Windparks vier bis sechs Jahre benötige – auch wegen der Bürokratie. "Wir bräuchten eine Entbürokratisierung, auch in den energiewirtschaftlichen Gesetzen. Wenn Sie mal reinschauen, wie viele Gesetze sich rund um Energiewirtschaft tummeln, dann würden sie diesen Raum hier locker füllen können mit diesen Gesetzgebungen und aktuellen Gesetzen. Es müsste da eine sehr starke Entschlackung der Gesetzgebung geben."

Lowis versteht sich als Vorreiter der Energiewende. Und er scheut sich nicht, die Politik zu mahnen. Eines seiner großen Themen: der schleppende Ausbau der Stromnetze. Die envia-Gruppe selbst investiert in diesem Jahr 330 Millionen Euro in ihr Strom- und Gasnetz, modernisiert 75 Umspannwerke.

Doch bundesweit betrachtet, bräuchte es mehr. "Es nützt nichts, wenn wir weiter Solarpanele und Windräder aufbauen, aber sie nicht angeschlossen kriegen, weil der nötige Netzausbau fehlt. Die Politik hat ein Gutes jetzt getan. Sie hat in die Gesetzesvorhaben reingeschrieben, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien von überragendem öffentlichen Interesse ist. Leider hat sie vergessen das Gleiche zu definieren für den Netzausbau. Das ist wie, wenn wir Leute in den Zug schicken, aber keine Schienen gebaut haben."

Wind- und Solarstrom auch ohne staatliche Förderung

Im Vogtland plant die envia-Tochter Mitnetz seit fast zehn Jahren den Vogtlandring. Eine erste Genehmigung der Stromleitung scheiterte vor Gericht, nun wurde sie erneut beantragt. EnviaM verdient gut mit den Netzen dank staatlich festgelegter Leitungsgebühren. Auch bei den Solarparks kommen die Erträge überwiegend aus staatlich garantierten Festpreisen über die EEG-Umlage.

Doch das ändere sich gerade, sagt Thomas Kühnert: "Wir haben an einem anderen Standort aktuell ein Projekt, das komplett ohne EEG-Förderung auskommt. Das heißt, dort haben wir schon langfristige Lieferverträge mit einem Unternehmen aus der Chemieindustrie abgeschlossen und haben gar keine staatliche Förderung mehr für die Anlage."

Derzeit seien die Marktpreise so hoch, dass sich Wind- und Sonnenstrom auch ohne staatliche Garantien lohne. Und wenn die Strompreise wieder sinken? Kühnert antwortet, bei fünf bis sechs Cent je Kilowattstunde Strom rentierten sich, je nach Lage, viele Solaranlagen auch so. Und unter diesen Wert dürften die Preise so schnell vermutlich nicht wieder fallen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 12. Mai 2022 | 06:00 Uhr