Unternehmer Existenzgründer lassen sich von Coronakrise nicht entmutigen

Trotz der Coronakrise wagen in Mitteldeutschland viele Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Gründer-Betreuerin Kuhl von der Handelshochschule Leipzig sagte MDR AKTUELL, in der Pandemie sei die Zahl der eingereichten Ideen sogar gestiegen. Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Gropp, zeigte sich nicht überrascht. Historisch betrachtet machten sich in Notlagen mehr Menschen selbstständig.

Eileen Karr und Sebastian Kulas
Eileen Karr und Sebastian Kulas lassen sich von Corona nicht entmutigen. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Manche Freunde haben ungläubig den Kopf geschüttelt. Doch Sebastian Kulas hat es durchgezogen. Wenige Wochen vor dem zweiten Lockdown hat er sich selbständig gemacht.

Richtige Entscheidung

Mit einer Kollegin eröffnete er einen Friseursalon für Anspruchsvolle in Leipzig. Ein paar Tage konnten die Zwei noch arbeiten, dann mussten auch sie coronabedingt schließen.

Trotzdem sagt Kulas: Die Entscheidung war richtig: "Wir arbeiten schon jahrelang zusammen. Haben uns dafür entschieden, weil wir schon immer lange arbeiten, eigentlich nie krank sind und das wirklich Hand in Hand geht bei uns beiden. Viele haben gesagt, ihr seid echt mutig, euch in dieser Zeit selbstständig zu machen. Aber Mut wird belohnt, sagt man immer."

Not macht erfinderisch

Den Lockdown werde man überstehen, erklärt Kulas. Er ist jetzt selbstständig aus Überzeugung. Tatsächlich sind Gründungen in Krisenzeiten häufiger als man so denkt. In vielen Fällen entstehen neue Firmen allerdings aus einer Notlage heraus, sagt der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp.

Der Ökonom sagt: "Es ist schon so, dass wir historisch betrachtet immer sehen, dass in Rezessionen, wenn die Wirtschaft schlecht läuft, sich mehr Leute selbständig machen. Nämlich dann, wenn sie arbeitslos werden und dann, statt Hartz IV zu beziehen, beschließen sie irgendetwas aufzumachen, irgendeine Idee umzusetzen."

Besonders gut lässt sich das an den USA zeigen, wo es nur wenig Arbeitslosenhilfe gibt. Dort gab es 2020 rund 40 Prozent mehr Gewerbeanmeldungen als im Vorjahr.

Wirtschaftsforscher Gropp spricht von Not-Gründungen. Das klingt negativ. Andererseits macht Not ja erfinderisch. Gerade junge Gründer suchen Wege, wie man die Krise erträglicher machen kann, zum Beispiel mit digitalen Ideen.

Pandemie als Chance

Um solche Gründer kümmert sich Sophia Kuhl an der Handelshochschule Leipzig. In der Pandemie sei die Anzahl der eingereichten Ideen gestiegen, sagt Kuhl. Derzeit betreut sie acht Teams.

Kuhl sagt: "Die Themen sind sehr, sehr vielfältig. Von neuen Ideen für digitales Lernen. Die Kommunikation über weite Distanzen hinweg zum Beispiel auch in der Medienbranche, dieses Problem zu lösen. Oder auch neue Geschäftsmodelle für das Hotel- und Freizeitgewerbe. Hier wird es ja nach dem Lockdown wieder ein Aufleben geben und jeder sehnt sich danach, endlich wieder Freizeitbeschäftigungen nachzugehen."

Zu den von Kuhl betreuten Gründerinnen gehört auch Irene Klemm. Ihre Firma Edurino entwickelt Lernspiele für Kleinkinder. Irene Klemm sagt: "Bei einer Gründung besteht zu jeder Zeit immer ein gewisses Risiko, wenn man an Kundenakzeptanz oder Finanzierung denkt. Und die momentane Pandemie sehen wir jetzt in unserem spezifischen Fall eher als Chance. Da die Wichtigkeit für das Thema digitale Bildung eher sensibilisiert wird. Und da auch ein Umdenken angestoßen wird, dass sich in dem Bereich was tun muss und unser Produkt ja genau darauf einstellt."

Klemm will mit ihrer Lernsoftware im Herbst auf den Markt kommen. Dann hat hoffentlich auch Friseurmeister Kulas wieder geöffnet. Für die Wochen nach dem Lockdown richtet sich der Jungunternehmer auf eine große Nachfrage ein. Denn Haare wachsen bekanntlich auch in der Pandemie.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Januar 2021 | 08:09 Uhr

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