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Herausforderung für UnternehmenWirtschaft warnt vor Zuspitzung des Fachkräftemangels

von MDR AKTUELL

Stand: 03. Januar 2022, 13:33 Uhr

Unternehmen in Deutschland leiden bereits jetzt unter dem Mangel an qualifizierten Beschäftigten. Dieses Problem werde sich verschärfen, befürchten Verbände. Auf zwei Wegen müsse gegengesteuert werden: Mehr Jugendliche für eine berufliche Ausbildung gewinnen und die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland.

Die deutsche Wirtschaft hat vor einer massiven Verschärfung des Fachkräftemangels in den kommenden Jahren gewarnt. Der Höhepunkt des Fachkräftemangels werde erst noch kommen, prophezeite der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) Peter Adrian im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagte der dpa: "Nur mit beruflich qualifizierten Fachkräften des Handwerks sind die Klimaschutzziele, die Energieeffizienzziele, die E-Mobilität, der Ausbau der Ladesäulen und der Infrastruktur möglich."

Schlimmstenfalls unzureichende Versorgung der Bürger

Im Handwerk seien bereits im Moment fast 2,5 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Energieeffizienz und Energieversorgung, energetische Gebäudesanierung, dem Ausbau erneuerbarer Energien und E-Mobilität tätig. Doch für all diese Aufgaben sei das zu wenig, so Wollseifer. Allein im Handwerk blieben jedes Jahr um die 18.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, welche die Betriebe gerne besetzen würden. Es fehlten Bewerberinnen und Bewerber, nicht die Plätze.

Um dem Problem zu begegnen, forderte der Handwerkspräsident eine Fachkräfteinitiative. Es müsse alles daran gesetzt werden, so schnell wie möglich tatsächlich die Wende hinzubekommen zu mehr Wertschätzung der beruflichen Ausbildung, "aber auch ganz konkret hin zu mehr jungen Menschen, die sich für den beruflichen Ausbildungsweg entscheiden". Ansonsten könne der Fachkräftemangel dazu führen, dass Bürgerinnen und Bürger nicht mehr ausreichend mit handwerklichen Dienstleistungen und Produkten versorgt werden können.

Mehr Einwanderung von Fachkräften gefordert

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger verwies im dpa-Gespräch darauf, dass die ersten Jahrgänge der Babyboomer schon in Rente gingen. 2025 komme die "demografische Wende" mit voller Wucht. Dann komme der Punkt, an dem mehr Menschen in Rente gingen als auf den Arbeitsmarkt nachrückten. Dann explodierten die Beiträge oder die Steuern. Die neue Bundesregierung müsse die Verfahren für eine gezielte und qualifizierte Fachkräftezuwanderung vereinfachen, beschleunigen und bürokratische Hürden abschaffen, so Dulger.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet bis Ende des Jahrzehnts mit einem demografisch bedingten Rückgang um drei bis vier Millionen Arbeitskräfte. DIHK-Präsident Adrian plädert daher auch für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: "Wir haben da bereits Fortschritte gemacht. Aber wir haben immer noch eine im europäischen Vergleich hohe Teilzeitquote bei den Frauen." Bei der Einwanderung von Fachkräften wäre eine fünfstellige Zahl pro Jahr bei den besonders gesuchten beruflich Qualifizierten schon gut. Dazu müsse Bürokratie abgebaut werden, es gebe immer noch zu große Hürden etwa bei der Visavergabe.

Quelle: dpa(dko)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Umschau | 14. September 2021 | 20:15 Uhr