Fahrrad-Boom bei Diamant, nextbike & Co Zweirad-Branche in Mitteldeutschland auf der Überholspur

Ob E-Bike, Gravel- oder Rennrad – die Nachfrage steigt rasant. 5 Millionen Fahrräder wurden 2020 verkauft. Auch 2021 freuen sich Hersteller über eine Rekord-Auftragslage. Doch der Boom und die Corona-Pandemie haben Lieferketten ins Stocken gebracht. Welche Räder sind besonders begehrt? Was muss man beim Fahrradkauf beachten?

Am Freitag startet im Erzgebirge wieder der "Stoneman Miriquidi", ein Mountainbike-Rennen über 162 Kilometer.
Vom Fahrradboom zum Megatrend: Die Radsaison startet in Mitteldeutschland Bildrechte: Tourismusverband Erzgebirge

Nicht erst seit den Corona-Lockdowns schwingen sich immer mehr Menschen aufs Rad. Inzwischen gibt es in Deutschland fast so viele Fahrräder wie Einwohner – knapp 80 Millionen zählte der Zweirad-Industrieverband in seinem jüngsten Marktbericht. Schätzungen zufolge könnte bald jedes zweite davon ein Elektro-Fahrrad sein. Zudem sind die Deutschen bereit, immer mehr Geld für ihr Rad auszugeben. Wie profitiert die Fahrradwirtschaft in Mitteldeutschland vom Boom?

Handel, Werkstatt und Produktion – Fahrradbranche fährt Rekord-Jahr ein

Es begann mit einem Schock: Lockdown über sieben Wochen. Ausgerechnet in den neuralgischen Monaten der Zweirad-Industrie: März, April und Mai. Hersteller mussten die Produktion herunterfahren, Fahrradläden waren geschlossen. "Doch danach brach ein Hype los. Die Leute haben uns regelrecht überrannt“, berichtet Jan Schneidewind vom Fahrrad-Händler Little John Bikes in Dresden – mit 40 Filialen der größte stationäre Fachhändler in Ostdeutschland. “Als das Jahr zu Ende war, waren wir sehr glücklich, dass wir die Lockdown-Wochen mehr als kompensieren konnten und ein wahnsinnig erfolgreiches Geschäftsjahr hingelegt haben. Für uns das erfolgreichste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte.“

Für uns das erfolgreichste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte.

Jan Schneidewind, Marketingleiter von Little John Bikes in Dresden

Mädchen auf einem Fahrrad
Die Fahrrad-Begeisterung in Deutschland wächst. Rekord-Umsätze 2020 sorgen auch in der Zweiradbranche für gute Laune Bildrechte: imago images/famveldman

Davon profitieren auch die Hersteller. “Aktuell ist es schon so, dass wir in einer absoluten Hochphase sind", freut sich Tom Mickeleit, Produktionsleiter der Diamant Fahrradwerke GmbH im sächsischen Hartmannsdorf. “Es gab mal zu DDR-Zeiten einen Diamant-Produktions-Rekord von 275.000 Rädern. Er ist im Nachwende-Zeitalter noch nicht gefallen. Aber dieses Jahr wird dieser Produktionsrekord, der sehr alt ist, zum ersten Mal fallen – wenn alles normal läuft und uns Corona nicht noch einen schlimmeren Strich durch die Rechnung macht.“

Vom Fahrrad-Boom zum Megatrend: Warum nimmt die Nachfrage Fahrt auf?

Der Boom war schon vor Corona spürbar. Seit Jahren steigen die Verkaufszahlen. Zunächst langsam, doch im Corona-Jahr 2020 ist der Schub exponentiell. Fünf Millionen Räder wurden deutschlandweit verkauft, heißt es im aktuellen Marktbericht des Zweirad-Industrie-Verbandes ZIV. Auch der Umsatz schaltete den Turbo zu und stieg um mehr als 60 Prozent auf über sechs Milliarden Euro.

Sogar Menschen, die nie zuvor ein Fahrrad hatten, wollen nun in die Pedale treten, erklärt Tom Mickeleit von den sächsischen Diamant Fahrradwerken. Der Trend geht zu gesunder, sportlicher Lebensweise und so wird das Fahrrad zum Lifestyle-Produkt. “Die Leute wollen raus. Das ist ein Hype, der durch Corona definitiv nochmal Feuer bekommen hat. Die Menschen erkennen die vielen Vorteile, die das Fahrradfahren mit sich bringt“, erklärt Jan Schneidewind den Boom im Handel.

Eine fünfköpfige Familie macht einen Fahrradausflug
New Mobility – der Fahrradboom hat viele Gesichter und immer mehr Menschen von jung bis alt treten in die Pedale. Bildrechte: MDR/Colourbox.de

Vor allem E-Bikes mehren diese Vorteile. Sie ermöglichen, dass bei gemeinsamen Ausflügen alle gleich schnell fahren können – ganz unabhängig von Alter und Fitness. Das Alter der NutzerInnen reicht inzwischen von jung bis alt. Noch relativ neu im Markt: E-Bikes für Kinder.

Die motorisierten Vehikel sorgen auch für mehr Flexibilität. RadlerInnen können sich entweder in der Freizeit ganz auspowern, oder sie schalten auf dem Arbeitsweg den Motor zu, um flott und ohne zu schwitzen ins Büro zu radeln.

 "Ein Mountainbike-Fahrer kommt in einem grünen, sonnendurchfluteten Wald einen Weg herabgefahren."
Mountainbikes stehen bei Fahrradkäufern 2021 hoch im Kurs. Bildrechte: Tourismusverband Erzgebirge

Topseller E-Bike, Gravel & Co: Welche Fahrräder sind besonders begehrt?

Der Fahrrad-Boom zieht sich durch die gesamte Modellpalette. Doch zwei Radsegmente profitieren besonders. Zum einen die Renn-, Fitness- und Gravelräder. Ihr Marktanteil ist im letzten Jahr gewachsen, belegt der aktuelle Branchenbericht des Zweirad-Industrie-Verbandes. Händler sehen in dieser Begeisterung für Sport-Räder schon einen analogen Gegentrend zum allgegenwärtigen E-Bike-Boom.


Info-Box : Was sind Gravel Bikes? Eine Mischung aus Mountainbike und Rennrad. Sie können auf und abseits der Straße gefahren werden. Der Sitz ist etwas aufrechter als beim klassischen Rennrad, deshalb hält der Rücken auch längere Strecken entspannt durch.

Elektro-Fahrräder sind zum Megatrend geworden. Sie bescheren der Branche seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum, doch mit der Corona-Pandemie erfahren sie einen extremen Schub. “Das E-Bike ist das am stärksten wachsende Konsumgut im deutschen Markt. Es verzeichnet unglaublich hohe Wachstumsraten. Wir haben aktuell einen Absatzanteil von fast 40 Prozent – nur mit E-Bikes. Das muss man sich mal vor Augen halten.“

Für Jan Schneidewind vom Fahrradhändler Little-John Bikes sind E-Bikes "das Produkt, um das sich kundenseitig alles dreht. Das E-Bike ist das am stärksten wachsende Konsumgut im deutschen Markt. Wir haben aktuell einen Absatzanteil von fast 40 Prozent – nur mit E-Bikes.“ Es bedarf eingehender Beratung. Inzwischen gibt es E-Bikes nicht nur für den klassischen Alltagsgebrauch, sondern auch extrem sportliche und sehr schnelle Lifestyle-Maschinen. Speed-Pedelecs, die ein Moped-Nummernschild tragen, können 45 km/h fahren.

Das E-Bike ist das am stärksten wachsende Konsumgut im deutschen Markt. Wir haben aktuell einen Absatzanteil von fast 40 Prozent – nur mit E-Bikes.

Jan Schneidewind, Marketingleiter beim Fahrradhändler Little John Bikes

Wurden 2010 gerade mal rund 200.000 E-Bikes verkauft, waren es zuletzt fast zwei Millionen. Das sind zehn Mal so viele, resümmiert David Eisenberger, Marketingleiter des Zweirad-Industrie-Verbands ZIV.

"E-Mountain-Bikes sind ganz, ganz stark im Kommen“, präzisiert Tom Mickeleit, Produktionsleiter der Diamant Fahrradwerke. "Bei unserer Produktpalette speziell sind es die E-Bikes, bei denen die Batterie im Unterrohr des Rahmens integriert ist." Auch das klassiche Elektrorad mit Außen-Akku ist weiterhin stark gefragt, weil es mit etwas weniger Gewicht aufwarten kann.

Das Logo des Fahrradherstellers Diamant ist auf einem historischen Emailleschild am Standort in Hartmansdorf zu sehen.
Marke mit Köpfchen - das Logo von Diamant hat auch nach über 100 Jahren Firmengeschichte einen hohen Wiedererkennungswert. Bildrechte: dpa

Köpfchen ist Kult – Diamant auf der Überholspur

Diamant hat viele Gesichter. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Logo der Marke, ein kleiner Kopf, prangt seit über 100 Jahren auf den Lenkern der Diamant-Räder. Die Firmengeschichte reicht ins Jahr 1885 zurück. Damit sind die Diamant Fahrradwerke Deutschlands ältester Fahrradhersteller.

Diese Tradition macht 'Diamant' bis heute wertvoll. Auch für das US-amerikanische Unternehmen TREK, zu dem die Fahrradwerke in Hartmannsdorf seit 2003 gehören. Brian Schumann führt die Geschäfte. Um dicht an der Produktion zu sein, zog er mit seiner Familie von Wisconsin nach Sachsen. Nichts geringeres als "Perfection!" formuliert er als Unternehmensziel: "Die Marke Diamant hat eine Geschichte, die mit exzellenter Qualität einhergeht. Zusammengebaut und 'hand made' in Germany.“ Fahrradproduktion ist Handarbeit. Bis zu 600 Teile müssen assembliert werden.

Diamant-Logo an einem Fahrrad
Der Diamant-Retrolook liegt auch in Zeiten von E-Bike und E-Mobility im Trend - 'hand made' in Hartmannsdorf Bildrechte: imago/PEMAX

Heute ist das Werk in Hartmannsdorf die einzige Fahrradfabrik von TREK weltweit. Die Marke Diamant bedient den deutschsprachigen Markt und wird in Deutschland, Schweiz und Österreich verkauft. Aber auch die Marken TREK und Electra werden in Hartmannsdorf produziert und weltweit exportiert. Das Produktmanagement und Marketing sitzen schon seit den 1990er-Jahren in der Schweiz.

“Aktuell gehen jeden Tag 1.300 bis 1.500 Räder vom Band. Es ist eine Steigerung bis zu 2.000 innerhalb des nächsten Jahres geplant. Dann muss man weitersehen, wie der Bike-Boom weitergeht oder ob er sich auf diesem Level einpegelt." Diamant-Produktionsleiter, Tom Mickeleit, beschreibt, dass die Räder sofort in Kartons verpackt und ins Zentrallager gebracht werden. Von dort gehen sie an Fachhändler in ganz Europa.

Diamant Fahrrad Verpackung
Folge des Fahrradbooms: Die frisch produzierten Räder werden sofort verpackt und schnell in den Fachhandel gebracht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir sind amerikanisch geführt. Hauptsächlich spürt man das am Lifestyle", beschreibt Tom Mickeleit die Unternehmens-Philosophie. "Es ist eine flache Hierarchie. Wir sind alle per Du. Der American Way wird gelebt, dass man viel ausprobieren kann und dass man aus seinen Fehlern lernt. Erfolge werden zusammen gefeiert." Kostenfreier Kaffee für die Mitarbeiter und familienfreundliche Arbeitszeiten sollen für zusätzliche Motivation sorgen. In Zeiten des Facharbeitermangels wird Personal-Recruiting auch in der Fahrradbranche zur Herausforderung.

Heute arbeiten über 600 Menschen im Fahrradwerk – vor Corona waren es 555. In den Bereichen Produktion, Lager und Logistik wurden die Kapazitäten hochgefahren. "Aktuell sind wir extrem stark im Wachstum. Die große Kundennachfrage führt dazu, dass Projekte, die für die Zukunft geplant waren, schneller umgesetzt werden", so Tom Mickeleit. "Der Boom zieht sich durch die gesamte Modellpalette."

Fahrrad Service
Fahrräder entstehen in Handarbeit – bei den Diamant-Fahrradwerken sollen 2021 rund 330.000 neue Räder prodziert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

eMobility als Motor für ehemaligen MIFA-Standort in Sangerhausen

MIFA ist als ostdeutsche Fahrradmarke bis heute vielen ein Begriff. Der Standort in Sangerhausen blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Gegründet 1907 werden die Mitteldeutschen Fahrradwerke MIFA in den 1920er-Jahren durch Erfolge im Radsport bekannt. In den 1960er-Jahren entwickelt sich das MIFA-Klapprad zum Verkaufsschlager, der bis heute bei Sammlern beliebt ist.

In einem Raum stehen zwei Klappfahrräder
Klapprad ist Kult – millionenfach verkauft ging das MIFA-Rad in die Fahrradgeschichte ein. Bildrechte: MDR/Andreas Wolter

Nach der Wende folgten Investitionen und Insolvenzen unter verschiedenen Namen. Die letzte sorgte Ende 2020 für Schlagzeilen, als die Sachsenring Bike Manufaktur Insolvenz anmeldet – für den Standort die vierte Pleite in 25 Jahren.

Doch nun keimt neue Hoffnung in Sangerhausen. Eine Investorengruppe hat das Unternehmen gekauft. Der neue Firmenname "Zweirad Union e-Mobility GmbH und Produktion Co. KG." lässt erkennen, auf welche Produkte der Fahrradhersteller künftig setzen will: Elektro-Mobilität.

Geschäftsführerin Tao Wang kennt das Fahrradwerk Sangerhausen aus früheren gemeinsamen Projekten mit der ehemaligen Sachsenring GmbH. 75 der ehemals 120 Beschäftigten sind ins neue Unternehmen übernommen worden. Sie produzieren vor allem E-City-Bikes und das durch MIFA bekannt gewordene Kult-Klapprad als Elektro-Version. 30.000 Räder sollen dieses Jahr schon vom Band gehen. "Danach werden wir pro Jahr 100.000 bis 200.000 produzieren", konkretisiert Tao Wang ihre Pläne für den Standort Sangerhausen. Schrittweise sollen die Kapazitäten im Werk wieder erhöht werden.

Fahrrad Diamant
Neue Hoffnung für den Fahrrad-Standort Sangerhausen: Zum Start der Fahrradsaison rollt die Produktion wieder an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Branchen-Wachstum mit Schmerzen

Die rasant gestiegene Nachfrage nach Rädern sorgt auch für Probleme. Die Branche kämpft mit stockenden Lieferketten. Die Engpässe ziehen sich über alle Komponenten, beschreibt der Produktionsleiter der Fahrradwerke in Hartmannsdorf: "Das geht über Schalt-, Bremskomponenten, Vorbauten, Lenker, selbst Reifen, Schläuche. Die komplette Bandbreite ist betroffen." Im vergangenen Jahr explodierte die Kundennachfrage. Gleichzeitig konnten Hersteller im Lockdown weniger produzieren. Auch der Nachschub der Lieferanten aus Asien stockte wegen der Pandemie.

Gleichzeitig bestellen alle Fahrradhersteller mehr Teile bei den gleichen Lieferanten. "Bei bestimmten Teilen bist du in der Fahrradbranche auf spezifische Zulieferer, wie zum Beispiel Shimano oder SRAM, fokussiert. Ich kann nicht einfach irgendwo anders hingehen und ein anderes Teil kaufen", erklärt Tom Mickeleit. Wenn ein besonderes Teil fehlt, kann unter Umständen ein ganzes Fahrrad nicht gebaut werden.

Aktuell klemmt es auch bei Kapazitäten und Preisen für Container- und Luftfracht. Der Containermarkt ist knapp, konstatiert Tom Mickeleit, "und durch Corona ist weniger Luftfracht möglich, weil weniger Flieger in der Luft sind. Die Preise explodieren für die Transporte.“

Fahrrad Verkauf
Für die Saison 2021 haben Händler ihre Lager aufgestockt. Die spannende Frage: Wird der Kundenansturm wieder neue Rekorde einfahren? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das spürt auch der Handel. Selbst im Zubehör-Bereich gibt es mittlerweile Lieferengpässe, wie bei Helmen oder Anbauteilen. Wer ein Fahrrad kaufen will, bekommt auch eines, heißt es beim Zweirad-Industrie-Verband. Wer allerdings ein ganz bestimmtes Rad möchte, muss möglicherweise auf eine Alternative ausweichen, bei verschiedenen Händlern nach dem Wunschmodell suchen oder eine Wartezeit einkalkulieren. Wenn der Kundenansturm wie 2020 ausfällt, könnte sich das Problem zum Sommer und Herbst hin verschärfen. Besonders Mountainbikes im Einstiegssegment zwischen 500 und 800 Euro könnten im Lauf des Jahres betroffen sein, heißt es in Händlerkreisen.

Fahrrad-Preise – Deutsche geben mehr Geld für Räder aus

Kunden sind bereit, mehr für ihr Fahrrad zu bezahlen. Das zeigt die aktuelle Statistik des Zweirad-Industrie-Verbandes ZIV. 2018 lag der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrrad bei 756 Euro. Im Jahr darauf kletterte er auf 982 Euro und im Corona-Jahr 2020 stieg er auf 1.279 Euro. Das Fahrrad als Lifestyle-Produkt lassen sich Kunden bei hochwertiger Ausstattung auch mehr kosten. Der Trend geht zu immer sportlicheren und teureren Modellen in allen Segmenten.

Custom Bikes zum Beispiel werden individuell nach Kundenwünschen maßgeschneidert. Ob Carbon-Rahmen, Effekt-Lackierung oder spezielle Bremse, auch bei Diamant können sich Kunden ihr ganz eigenes Rad zusammenstellen lassen, erklärt Produktionsleiter Tom Mickeleit: “Auch da geht der Trend momentan hin, zu mehr Bikes, die auf Kundenwunsch produziert werden.“ Sogar der Schriftzug des Painters oder der eigene Name auf dem Rad sind möglich. Für solche High-End-Unikate zahlen Kunden durchaus 10.000 Euro. Ein weiterer Vorteil: Man bekommt sein Rad schneller. Auch deshalb steigt jüngst die Nachfrage.

Tipp: Geld vom Staat für den Fahrradkauf

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer plant, den Kauf von Fahrrädern oder E-Bikes steuerlich zu fördern. Bis zu 3.000 Euro Bonus pro Familie sind möglich oder 1.000 Steuerfreibetrag je Erwachsenem. Über die Details wird noch verhandelt, aber das Ziel des 'Klimabonus' ist klar: Die Deutschen sollen zu klimafreundlichen Kaufentscheidungen bewegt werden. Die Pläne sind im Rahmen des überarbeiteten Klimaschutzgesetzes im Gespräch.

Bike-Sharing als 'Mikro'-Abenteuer

Wer auf sein Wunschrad wartet, erwägt vielleicht, ein Rad zu leihen. Auch in diesem Branchenbereich ist der Boom spürbar. Nextbike aus Leipzig ist nach eigenen Angaben das größte Fahrradverleihsystem Europas. In 300 Städten weltweit rollen mittlerweile nextbike-Räder. Auch in Leipzig, Erfurt und seit letztem Jahr verstärkt in Dresden. "Wir hatten 2020 ein Kundenwachstum von 50 Prozent durch Neuanmeldungen", bilanziert Mareike Rauchhaus, Head of Communications bei nextbike. 2021 steigen die Anmeldezahlen weiter.

Fahrräder Nextbike
Von Leipzig in die ganze Welt: Das mitteldeutsche Fahrradverleihsystem nextbike setzt auf 'new mobility' in 300 Standorten weltweit. Bildrechte: nextbike

Dabei sind im Lockdown Touristen und Pendler als die wichtige Zielgruppe weggefallen. "Man fährt ja nicht mehr jeden Tag auf die Arbeit, wenn man im Homeoffice ist. Aber dafür melden sich viel mehr Kunden neu an, die das Fahrrad einfach mal ausprobieren wollen als Vehikel, um an den See zu fahren. Einfach mal raus aus diesem alltäglichen Zuhause sitzen", so Mareike Rauchhaus. "Jetzt mobilisieren wir die Leute für die Runde um den Block. Ich nenne das Mikro-Abenteuer."

In Leipzig gehören die Räder inzwischen zum Stadtbild. Jeder, der die App hat, kann sich ein Fahrrad mieten und im gesamten Stadtgebiet wieder abstellen. In anderen europäischen Städten sind auch E-Bikes und Lastenräder im Einsatz. Im ersten Halbjahr 2021 beliefert nextbike 40 neue Projekte in elf Ländern mit Rädern.

Fahrrad Transport Nextbike
Lastenräder - Auch Fahrrad-Verleiher setzen immer stärker auf die gefragten Cargo Bikes. Bildrechte: nextbike

Die größte Herausforderung bleiben Lieferschwierigkeiten – wie in der gesamten Branche. Es betrifft komplette, neue Räder und Ersatzteile. “Reifen, Schläuche, Pedalen. Unser Einkauf hat gut vorgesorgt, aber trotzdem ist es knapp und die Preise haben sich erhöht." Und noch ein Problem möchte Mareike Rauchhaus angehen: Female Mobility. "Wir wollen explizit Frauen ansprechen, auf die Räder zu steigen." Denn insgesamt nutzen weniger Frauen das Fahrrad als Männer – noch.

Jetzt mobilisieren wir die Leute für die Runde um den Block. Ich nenne das Mikro-Abenteuer.

Mareike Rauchhaus, Head of Communications bei nextbike

Quelle: MDR UMSCHAU

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 11. Mai 2021 | 20:15 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland

Screenshot 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK