Stornierungen Betrugsvorwurf: Machen Airlines Geld mit "Fake-Flügen"?

Airlines sind im Zuge der Corona-Pandemie in eine tiefe Krise gerutscht. Selbst Branchengrößen wie die Lufthansa können sich nur mit staatlichen Milliardenhilfen über Wasser halten. Den Fluggesellschaften fehlt Geld. Nun erhebt die Verbraucherzentrale Bundesverband einen Betrugsvorwurf: Um an Geld zu kommen, würden die Fluggesellschaften "Fake-Flüge" veranstalten. Was ist da dran?

Ein Fluggast von Flug TUI X3 2312 Düsseldorf-Mallorca wird am Flughafen Son Sant Joan von Journalisten interviewt.
Ob Airlines mit Stornierungen vorsätzlich betrügen oder den Markt testen, ist schwer nachweisbar. Bildrechte: dpa

Die Masche funktioniere so: Eine Airline biete einen Flug an. Sie hoffe nun, dass möglichst viele Kunden ein Ticket kauften. Schon nach zwei Tagen aber sage sie den Flug wieder ab, erklärt Felix Methmann, Rechtsreferent des Verbraucherzentrale Bundesverbands. "Fake-Flüge" nennt der Verbraucherschützer diese Flüge, die eigentlich gar nicht stattfänden. Weil die Fluggesellschaften gar nicht die Absicht hätten, irgendwohin zu fliegen.

Verbraucherbeschwerden führten zu Betrugsverdacht

Methmann zufolge dient das allein dazu, dass Reisende einen Flug buchen und auch sofort bezahlen. Dann sei das Geld bei der Airline. Und das wiederzubekommen, dauere bekanntlich: "Und mit dem Geld können sich die Airlines dann erstmal etwas Liquidität beschaffen." Die Masche sei bei allen Fluggesellschaften zu beobachten, sagt der Verbraucherschützer. Die Airlines hofften darauf, dass Kunden sich das Geld erst viel später oder gar nicht zurückholten.

Wie die Verbraucherzentrale darauf kommt, dass es so etwas geben könnte? Es habe Verbraucherbeschwerden gegeben, in denen es hieß, man habe einen Flug buchen können, sagt Methmann. Zum Beispiel jetzt im Juni und auch im Juli für die nächste Zeit. Diesen Flug habe man bezahlt und nach ein, zwei Tagen sei er storniert worden. Einige dieser Beschwerden seien insofern interessant, als dass die Flüge individuell storniert worden seien. Komischerweise sei der Flug online bei der Airline aber immer noch zu haben gewesen. Ein schwerer Vorwurf. Der Verbraucherschützer Methmann spricht von Betrug. Nur sei es schwer möglich, den Airlines dabei auch Vorsatz nachzuweisen.

Luftfahrtexperte glaubt nicht an Betrug

Was an dem Vorwurf dran ist, lässt sich schwer beurteilen. Wenn Betrug im Spiel ist, dann müsste in Deutschland das Luftfahrtbundesamt einschreiten. Ihr lägen zu solchen Fällen allerdings keine Erkenntnisse vor, teilt die Behörde mit. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft äußert sich auf Anfrage von MDR AKTUELL nicht. Ein Sprecher sagt lediglich, er halte den Vorwurf für völlig absurd.

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt springt bei. Auch er glaubt nicht an vorsätzlichen Betrug der Airlines: "Denn das, was reinkommen würde auf diesem Weg, ist viel zu wenig, um die Liquiditätsnöte, die eine Lufthansa und andere Fluggesellschaften haben, wirklich nennenswert zu beeinflussen." Großbongardt zufolge versuchen die Fluggesellschaften, den Markt zu testen. Da werde ein Flug geplant, reingestellt und dann sehe man, die Buchungszahlen entwickelten sich nicht so wie erhofft. Und dann nehme man den wieder raus, rechtzeitig, bevor man zusätzliche Entschädigungen an die Passagiere zahlen müsse.

Airline muss Geld binnen sieben Tagen zurücküberweisen

Doch egal, ob Vorsatz oder nicht Vorsatz, in beiden Fällen stehen die Verbraucher vor einem Problem. Denn sie müssen sich das Geld für ein bezahltes Flugticket zurückholen. Verbraucherschützer Methmann weist deshalb auf die Rechte der Reisenden hin. Demnach muss eine Airline das Geld innerhalb von sieben Tagen zurücküberweisen, wenn sie einen Flug storniert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2020 | 05:06 Uhr

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