Ein Jahr nach Eröffnung Drohende Insolvenz: Flughafen BER bittet um Milliarden-Finanzspritze

Schon die Bauphase des BER stand unter keinem guten Stern. Mit neun Jahren Verspätung wurde der Hauptstadtflughafen vor einem Jahr eröffnet – kurz vor dem Winterlockdown. In den Herbstferien folgten chaotische Zustände im Reiseverkehr. Nun meldet der Flughafen massive Finanzprobleme und bittet um Milliardenförderung gegen eine drohende Insolvenz.

Das Hauptgebäude des Flughafen Berlin Brandenburg
Das Hauptgebäude des Flughafen Berlin Brandenburg Bildrechte: dpa

Der Flughafen BER hat ein Jahr nach seiner Eröffnung erhebliche finanzielle Probleme. Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach sagte dem "Tagesspiegel", der BER brauche dringend die nächste Finanzspritze, um eine Insolvenz abzuwenden. Die Liquidität der Flughafengesellschaft reiche noch bis zum ersten Quartal 2022.

Nach den Worten von Massenbach muss die Gesellschaft Mitte Februar eine große Zahlung für den Schuldendienst leisten. Daher würden von Berlin, Brandenburg und vom Bund mehr als zwei Milliarden Euro gebraucht. "Wir brauchen schnell Geld. Wir brauchen Cash", sagte die Flughafen-Chefin.

Aletta von Massenbach
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Wir brauchen schnell Geld. Wir brauchen Cash.

Aletta von Massenbach | BER-Chefin

Acht Millionen Fluggäste im ersten Jahr

Von Massenbach nannte die Lage "superbitter". Zur Finanzspritze gebe es aber keinen Plan B. Man könne den BER betreiben und Geld verdienen oder er koste nur, sagte sie. "Ich garantiere, dass wir alles tun, damit es so reibungslos wie möglich funktioniert."

Zahlreiche Passagiere stehen am Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER) im Terminal 1 vor der Sicherheitskontrolle Schlange.
In den Herbstferien sorgten lange Wartezeiten teils dafür, dass Passagiere ihre Flüge verpassten. Bildrechte: dpa

Bislang nutzten der Flughafengesellschaft zufolge acht Millionen Fluggäste das neue Terminal. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es in Berlin mehr als vier mal so viele.

Auch wurden weniger Ziele angeflogen als die Altflughäfen Tegel und Schönefeld vor Corona bedienten. 70 Airlines starteten zu mehr als 160 Zielen, vor Corona waren es 195 Ziele.

Der BER ist fertig, man kann ihn betreiben und Geld verdienen. Oder er kostet nur.

Aletta von Massenbach | BER-Chefin

Pannen setzen sich auch nach Eröffnung fort

Der Flughafen war fast auf den Tag genau vor einem Jahr eröffnet worden, nach insgesamt 14 Jahren Bauzeit und neun Jahre später als ursprünglich geplant. Doch nicht nur die Bauphase war von zahlreichen Pannen überschattet. Kurz nach Eröffnung sorgte der Lockdown für Leere an den Gates, in den Herbstferien kam es zu chaotischen Zuständen im Terminal. Die Wartezeiten vor den Schaltern dauerten teils so lange, dass manche Passagiere sogar ihre Flüge verpassten. Grund waren Personalengpässe und pandemiebedingt aufwendigere Check-ins.

Von Massenbach versicherte, die Prozesse würden weiter verbessert. Auch für die defekten Laufbänder und mehr Sitzgelegenheiten im Terminal kündigte die Flughafenchefin Nachjustierungen an.

Quelle: MDR, dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Oktober 2021 | 07:30 Uhr

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