Landwirtschaft Freilandhaltung bei Schweinen schwer umsetzbar

Viele kaufen Fleisch aus Bio-Haltung, weil ihnen Tierwohl wichtig ist. Im Kopf hat man dann vielleicht das Bild vom Schwein, das glücklich über die Wiese tollt. Doch nur wenige Schweine werden im Freiland gehalten.

Die Sonne sehen sie erstmals auf dem Weg zum Schlachthof
Vom Stall auf die Wiese - Freilandhaltung bei Schweinen klingt nach mehr Tierwohl, ist aufgrund hoher Auflagen und Umweltbedingungen in Deutschland aber nur schwer umsetzbar. Bildrechte: MDR/TVNTV

26 halbstarke Schweine stecken ihre Rüssel in Streu und Stroh, wackeln mit den Ringelschwänzen. Bei Daniel Bauer, der Nachname ist Programm, haben sie viel Platz. Zum Stall gehört auch ein Auslauf.

Der Biobauer aus Tautendorf in Thüringen hat sich aber schweren Herzens gegen eine Freilandhaltung entschieden: "Wenn man das auf dem Grünland betreibt, haben die Schweine das Grünland ganz schnell umgebrochen. Wo dann das Landwirtschaftsamt ein Problem damit hat, weil Grünland erhalten werden muss. Und in dem Moment, wo es umgebrochen ist, hat man einen Regelverstoß gegen die Förderauflagen der Landwirtschaft begangen."

Hohe Auflagen, um Krankheiten vorzubeugen

Es geht um 700 € Fördersumme pro Hektar und Jahr, die dann wegfallen würde. Als Alternative könnte der Landwirt die Tiere auf dem Acker als Fruchtfolge einsetzen. Doch die Freilandhaltung ist mit hohen Auflagen wie zum Beispiel einer doppelten Umzäunung verbunden. Die dann immer wieder auf- und abzubauen, das sei zu viel Arbeit bei zu wenig Geld, das man fürs Fleisch bekomme. Juliane Bähring ist die leitende Amtstierärztin des Veterinäramtes Jena/Saale-Holzland.

Doppelzaun, Lagerungsvorschriften für Futter, Hygieneschleusen und Umkleiden bei großen Schweine-Freilandhaltungen – das alles habe einen Grund: "Es wird so schwer gemacht, weil die Gefahr da ist, dass durch den intensiveren Kontakt zur Außenwelt und auch die weniger kontrollierbare Umgebung im Freiland ein höheres Risiko von Erkrankungen da ist."

Schweine sind keine Weidetiere

Eine Abfrage von MDR AKTUELL bei den Behörden und Kommunen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigt: In Sachsen gibt es derzeit 98 genehmigte Freilandhaltungen, in Thüringen 41, in Sachsen-Anhalt acht. Ein Großteil, das wird bei Nachfragen deutlich, dürfte allerdings Hobbyhaltungen betreffen. Bähring erklärt: "So kann es zum Beispiel sein, dass die Haltung von einem Zuchtpaar seltener Minischweine gewerblich ist, zwei normale Hausschweine nicht gewerblich sind, wenn diese zwei Hausschweine nur gehalten werden für die eigene Versorgung der Familie."

Martin Kötter-Jürß berät deutschlandweit Biobetriebe bei der Schweinehaltung. Die Freilandhaltung sei eine Ausnahme. Denn Schweine seien Waldbewohner, keine Weidetiere. Dementsprechend müssten viele Bedingungen erfüllt sein, damit sie sich im Freiland wohlfühlten: "Das Gelände sollte möglichst eben sein, das Wasser sollte gut abfließen können, Oberflächenwasser. Sandige Böden, kiesige Böden, damit sich keine Pfützen bilden."

Gute Voraussetzungen fast nur im Nordwesten Deutschlands

Kötter-Jürß sagt, Freilandhaltung sei dadurch fast nur im Nordwesten Deutschlands gut umsetzbar. Die Schweine brauchen aber auch Unterstände und sollten regelmäßig die Fläche wechseln. Wer diese Bedingungen im Freien geschaffen hat, hat durch die Afrikanische Schweinepest nun vielerorts trotzdem ein Problem: Immer mehr Betriebe müssen ihre Schweine in den Stall holen. Martin Kötter-Jürß glaubt: "Das ist eigentlich das endgültige K.O. der Freilandhaltung."

Auch Landwirt Daniel Bauer musste in Thüringen den Doppelzaun um seinen Auslauf durch eine geschlossene Umrandung ersetzen. Dass er sich gegen eine Freilandhaltung entschieden hat – im Moment hat er damit sozusagen Schwein gehabt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 10. April 2021 | 06:51 Uhr

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