Strategiepapier Medizinkonzern Fresenius will Ärztehäuser auf Gewinn trimmen

Die Helios Kliniken GmbH (Fresenius-Konzern) will ihre Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) gewinnbringend umgestalten. Das geht aus dem "Cinderella"-Strategiepapier des Konzerns hervor, das dem ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" (MDR) vorliegt. Demnach soll der Geschäftsbereich bis 2025 auf über 350 Millionen Euro Umsatz und zwölf Prozent Gewinn (EBIT) wachsen. Bislang seien die 230 MVZ ein Verlustgeschäft, heißt es im Projektpapier.

Neben diesen ambulanten Versorgungszentren verfügt Helios in Deutschland über 89 Kliniken für die stationäre Behandlung und sechs Präventionszentren. Für alle zusammen stieg 2020 der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 602 Millionen Euro, zeigt der aktuelle Geschäftsbericht.

Ertragreiche Fachbereiche ausbauen

ein Stethoskop lioegt auf einer Röntgenaufnahme
Die Radiologie gehört zu den ertragreichen Fachbereichen, die Helios ausbauen will. Bildrechte: Colourbox.de

Das angestrebte Gewinnziel bei den MVZ bis 2025 soll u.a. mit der Bildung von Ketten und dem Ausbau der ertragreichen Fachbereiche erreicht werden. So sieht es das "Cinderella"-Papier vor. Zu den lukrativen Fachrichtungen zählt Helios beispielsweise die Radiologie, Urologie, Chirurgie und Orthopädie.

Bereinigung des Portfolios

Zudem will Helios Fachbereiche, die keine sinnhafte Ergänzung zur Klinikstruktur bilden, verkaufen. Dazu gehören die Augenheilkunde, Dermatologie und Psychiatrie. Caterin Schmidt, Sprecherin der Helios Versorgungszentren GmbH, erklärte dazu: "Wenn wir erkennen, dass andere ambulante Anbieter durch ein besseres fachliches Netzwerk dem Versorgungsauftrag im Sinne des Patienten gerechter werden, … werden wir dies mit einer Übertragung bzw. Rückführung der Sitze (Anm. d. Red.: Kassenzulassungen der Ärzte) unterstützen."

MVZ-Gründung in Aktiengesellschaften über Umwege

Das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung von 2003 hat die Gründung von MVZ ermöglicht. Darin ist ausdrücklich verboten, dass eine Aktiengesellschaft (AG), die in erster Linie gewinnorientiert wirtschaftet, ein MVZ betreiben darf. Über Tochterunternehmen kam es jedoch indirekt in einigen Fällen dazu.

Fresenius Konzenzentrale in Bad Homburg.
Zum Fresenius-Konzern gehören unter anderem die 230 Medizinischen Versorungszentren der Helios Kliniken GmbH. Bildrechte: imago images/STAR-MEDIA

Ein Beispiel ist die Fresenius SE & Co KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Hier hat die 100-prozentige Tochter Helios Kliniken GmbH die Ärztehäuser geründet. Mit der Möglichkeit, MVZ zu gründen, wollte der Gesetzgeber vor allem dem Ärztemangel auf dem Land entgegenwirken. Die Helios-MVZ befinden sich überwiegend in Städten und meist in direkter Nähe der Helios-Kliniken.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Plusminus | 24. März 2021 | 21:45 Uhr

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