Frühjahrsgutachten Konjunkturprognose deutlich gesenkt

Die deutsche Wirtschaft leidet nach der Corona-Krise nun immer stärker unter den Folgen des Ukraine-Krieges. Die führenden Wirtschaftsinstitute senkten in ihrer Frühjahrsprognose den Ausblick für dieses Jahr von knapp fünf auf 2,7 Prozent. Die Inflation bleibt vorerst hoch. Bei einem Gas-Embargo gegen Russland erwarten die Ökonomen eine Rezession.

Container werden verladen
Die Spätfolgen der weltweiten Pandemie und aktuell die Auswirkungen des Ukraine-Krieges belasten die deutsche Wirtschaft. Bildrechte: dpa

Die fünf führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland erwarten in diesem Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 2,7 Prozent. Im Herbstgutachten waren noch 4,8 Prozent veranschlagt worden.

Der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths, sagte, die Erholung von der Corona-Krise werde durch den Ukraine-Krieg gedämpft, behalte aber die Oberhand. Für 2023 wurde die Vorhersage denn auch von 1,9 auf 3,1 Prozent angehoben – unter dem Vorbehalt, dass es nicht zu einer schweren Energiekrise kommt.

Bei Gas-Embargo droht Rezession

Bei einem sofortigen Stopp russischer Gasimporte sieht das Konjunkturbild sehr viel düsterer aus. Dann dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr nur um 1,9 Prozent zulegen und 2023 dann sogar um 2,2 Prozent schrumpfen. Kooths warnte, in beiden Jahren könnten dann insgesamt 220 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung wegbrechen: "Wirtschaftspolitisch käme es dann darauf an, marktfähige Produktionsstrukturen zu stützen, ohne den Strukturwandel aufzuhalten."

Staatshilfe mit der Gießkanne treibt Inflation an

Staatliche Hilfen für private Haushalte zum Abfedern hoher Energiepreise müssen aus Sicht der Ökonomen sehr zielgerichtet dosiert werden. Kooths mahnte: "Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise." Das verschärfe dann sogar die Probleme einkommensschwacher Haushalte.

Keine Entspannung bei Preisen

Wirtschaftsinstitute legen Frühjahrsgutachten vor (Archivbild 2018)
Stefan Kooths und die anderen Ökonomen der großen Wirtschaftsinstitute legen zwei Mal jährlich ihre Analyse vor. Bildrechte: dpa

Verbraucher müssen weiter mit steigenden Preisen rechnen. Die Wirtschaftsinstitute sehen die Teuerungsrate in diesem Jahr bei durchschnittlich 6,1 Prozent und damit so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. Im Falle eines Lieferstopps für russische Energie rechnen sie sogar mit einer Inflation von 7,3 Prozent. Auch 2023 dürfte die Rate mit 2,8 – oder 5,0 Prozent im Falle eines Gasembargos – deutlich über dem Durchschnitt seit der Wiedervereinigung liegen.

Arbeitsmarkt wird stabil erwartet – ohne Embargo

Die Zahl der Arbeitslosen soll in diesem Jahr um rund 300.000 auf knapp 2,3 Millionen sinken und 2023 auf diesem Niveau verharren. Kommt es zum Gaslieferstopp, werden jedoch etwa 500.000 Arbeitslose zusätzlich erwartet.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Institute dient der Bundesregierung als Basis für ihre Steuerschätzung und Haushaltsplanung. Erarbeitet wurde das Gutachten mit dem Titel "Von der Pandemie zur Energiekrise – Wirtschaft und Politik im Dauerstressfeder" führend vom RWI in Essen, vom DIW in Berlin, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel und vom IWH in Halle.

Reuters, (ans)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 13. April 2022 | 11:00 Uhr

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