Hohe Gaspreise Heizen wird auch in Mitteldeutschland deutlich teurer

Raja Kraus, Autorin, Reporterin
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Die Energiekosten gehen durch die Decke und der Winter steht bevor. Auch private Kundinnen und Kunden müssen sich auf deutlich höhere Preise fürs Heizen einstellen.

Seniorin liest eine Rechnung, während sie eine Hand auf die Heizung hält.
Die Heizkosten werden für private Haushalte deutlich steigen. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Wird Gas für Firmen und Privathaushalte in Mitteldeutschland teurer? Thomas Pietsch, Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg sagt: "Die Preise steigen erheblich."

Pietsch redet nicht um den heißen Brei. Nicht nur Neuverträge werden teurer. Auch Verträge, deren Laufzeit mit Preisbindung endet, werden angepasst – "und das zum Teil sehr stark", formuliert der Geschäftsführer selbst. Für Privathaushalte heißt das im Endpreis: "So etwa 25 Prozent sind das schon, also es sind beachtliche Preissteigerungen. Im Gaspreis bei der Industrie sind das bis zu 100 Prozent."

Viele Gas-Anbieter stecken noch in der Preiskalkulation

Thomas Pietsch weiß, dass der krasse Anstieg für manche Firmen existenzbedrohend sein kann. Andere mitteldeutsche Gasanbieter halten sich zu ihren zukünftigen Preisen dagegen noch bedeckt. Die MITGAS Mitteldeutsche Gasversorgung schreibt MDR AKTUELL: "MITGAS wird die Preise bis Ende des Jahres konstant halten. Dazu, wie es 2022 weitergeht, können wir zum jetzigen Zeitpunkt leider noch keine Aussage treffen."

Die Stadtwerke Jena, die Leipziger Stadtwerke, der Anbieter Eins Energie in Sachsen und auch die Thüringer Energie AG, kurz TEAG, stecken nach eigenen Angaben noch in der Preiskalkulation: Ein TEAG-Sprecher erzählt am Telefon, nur eins stehe schon fest: Es wird teurer, auch für Bestandskunden – in den nächsten Wochen könnte das entsprechende Schreiben in den Briefkästen landen. Auch bei SachsenEnergie wird noch gerechnet. Schon zum 1. Oktober wurden die Preise angepasst. Ob es noch einmal teurer wird, kann Sprecherin Nora Weinhold noch nicht ganz genau voraussagen: Die Einkaufskosten seien nur ein Bestandteil für den gesamten Energiepreis. Dazu kämen noch die Netzentgelte, staatlich regulierte Umlagen und Abgaben. "All diese Komponenten, die stehen jetzt erst in den nächsten Wochen endgültig zur Verfügung."

Wettbewerber mit Lieferengpässen stellen Stadtwerke vor Probleme

Und noch ein Problem treibt die Gasanbieter um. Thomas Pietsch von den Städtischen Werken Magdeburg erklärt, "wir haben Wettbewerber, die nicht mehr lieferfähig sind. Und die Kunden dieser Wettbewerber werden uns jetzt quasi vor die Füße geworfen. Anders kann ich das gar nicht sagen, weil wir gesetzlich verpflichtet sind, die sogenannte Ersatzversorgung für Haushaltskunden vorzunehmen. Und das tut natürlich für uns enorm weh. Ich muss für diese Kunden Mengen beschaffen, die ich bisher nicht eingeplant hatte."

Und kurzfristiges Einkaufen von Gas ist teuer. Auch der Preis für die Grundversorgung wird deshalb deutlich steigen, sagt Pietsch. "Es ist ein unangenehmes Thema, weil wir der Überbringer einer schlechten Nachricht sind." Ändern kann Thomas Pietsch die Situation nicht.

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Rund 135 Euro pro Jahr sparen, wenn die Temperatur in den Wohnräumen um ein Grad gesenkt wird.
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Ergebnis insgesamt: rund 575 Euro pro Jahr
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
MDR/Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm
FAKT ist! am 11. Oktober 2021 | 22:10 Uhr
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2021 | 08:06 Uhr

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