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Die teureren Energiepreise sorgen für eine generelle Preissteigerung. Bildrechte: MDR/Unsplash/Nejc Soklic

Gas aus RusslandWie es um die Gasversorgung steht und was die Krise uns kostet

Deutschland macht sich von russischem Gas unabhängig – das kostet Wirtschaft und Verbraucher Kraft und Geld. Wir bündeln wesentliche Statistiken über Gas-Importe und Preis-Steigerungen.

Seit Ende Juni 2022 gilt in Deutschland die Alarmstufe des Notfallplans Gas. Die Bundesnetzagentur gibt begleitend täglich Auskunft über wichtige Kennziffern zur Gasversorgungslage. Auch die Gas importierende Wirtschaft bietet Daten und Statistiken zu dem Thema an.

So viel Gas wird importiert und exportiert

Seit Ende August gibt es keine direkten Gas-Importe aus Russland über die Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland mehr. Zuvor war Russland lange Zeit wichtigstes Bezugsland für Gas. In Daten der Bundesnetzagentur zu den Gasimporten ist ablesbar, wie Russland diese Rolle im Zeitverlauf eingebüßt hat und andere Gas exportierende Nationen ihre Lieferungen ausgeweitet haben.

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Die Daten beruhen auf Berechnungen der Bundesnetzagentur auf Basis von Daten der Fernleitungsnetzbetreiber. Die Angaben zu Importen und Exporten berücksichtigen auch mögliche Ringflüsse. So werden grenzüberschreitende Gasflüsse bezeichnet, die Deutschland an einem Grenzübergangspunkt (GüP) verlassen und an anderer Stelle wieder nach Deutschland zurückgeleitet werden.

So viel Gas ist gespeichert

Eine Übersicht über die Füllstände der europäischen Gasspeicher liefert der Verband der europäischen Gas-Infrastrukturbetreiber (GIE) in seiner Datenbank "Aggregated Gas Storage Inventory" (AGSI).

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Die Daten werden von den Unternehmen des Verbands auf freiwilliger Basis zur Verfügung gestellt, in Deutschland sind das 24 Gasspeicher-Betreiber, unter ihnen Uniper, VNG Gasspeicher oder die Energiekonzerne RWE und EnBW. Der Verband gibt an, die Daten regelmäßig auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität zu überprüfen. In der Regel werden die Zahlen bis zwei Tage vor dem aktuellen Datum ausgegeben.

So viel Gas wird verbraucht

Die Bundesnetzagentur aktualisiert wöchentlich ihre Übersicht zum Gas-Verbrauch. In den Wintermonaten liegt der Gasverbrauch in Abhängigkeit von der Temperatur deutlich über dem der Sommermonate, wenn weniger Gas zum Heizen aufgewendet werden muss.

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Ablesbar sind auch die Veränderungen auf dem Energiemarkt in den letzten Monaten, insbesondere in Sachen Nachfrage und Verbrauch von Erdgas. Vor allem in den zurückliegenden Wochen konnte – auch aufgrund der milden Witterung im Herbst – viel Gas eingespart werden.

Droht eine Gasmangellage?

Die Bundesnetzagentur hatte im August 2022 erste Modellrechnungen zu einer möglichen Gasmangellage veröffentlicht. Unter Berücksichtigung der Faktoren Gas-Verbrauch, Gas-Importe, Gas-Exporte, Witterung und zusätzliche Importquellen (LNG) kam man damals zu dem Ergebnis, dass frühestens im November 2022 eine Mangellage gedroht hätte und bei keinen weiteren fundamentalen Einsparungen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit im Winter eingetreten wäre.

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Nach Neuberechnungen im Oktober sah dies im Herbst bereits anders aus: Es wurden vier Szenarien berechnet, wobei nur in einem Szenario frühestens Ende Februar überhaupt eine Mangellage droht. Dieses Szenario nimmt eine Kälteperiode von zwei Wochen im Februar an und geht zudem (wie die anderen Szenarien auch) davon aus, dass Ende Oktober mit der "Ausspeicherung" von Gas hätte begonnen werden müssen. Dies ist im größeren Maßstab jedoch erst Mitte November eingetreten. Einer stärkeren Kälteperiode im November und Dezember folgte jedoch wieder milderes Wetter, sodass teilweise wieder Gas eingespeichert und die Sparquote groß genug gehalten werden konnte.

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Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hält die Gefahr einer Gasmangellage in diesem Winter folglich für überwunden. "Bei aller Restunsicherheit: Ich rechne nicht damit, dass diesen Winter noch etwas schiefgeht", sagte Müller Anfang Januar der "Bild am Sonntag". Er gehe davon aus, dass die Speicher am Ende des Winters noch zu mehr als 50 Prozent gefüllt sein werden. Zur weiteren Entlastung der Gasmärkte trägt auch die Inbetriebnahme von Flüssiggas-Terminals bei. In Wilhelmshaven ist Mitte Dezember 2022 das erste von mehreren geplanten Terminals in Betrieb gegangen. Dem betriebsfertigen Terminal in Lubmin am Greifswalder Bodden soll noch Mitte Januar die Betriebsgenehmigung erteilt werden.

So sehr steigen die Preise

Das Statistische Bundesamt schätzt einmal am Ende eines jeden Monats die Veränderung des Verbraucherpreis-Index und gibt in der Mitte des Folgemonats die final errechnete Inflationsrate eines Monats bekannt.

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Im September und Oktober 2022 stiegen die Preise demnach um mehr als zehn Prozent im Vergleich zu den Vorjahresmonaten. Der Anstieg im Vergleich zum Monat August war auch bedingt durch das Auslaufen zeitlich begrenzter Entlastungsmaßnahmen wie Neun-Euro-Ticket oder Tankrabatt. Für den November sank die Teuerungsrate laut Schätzung geringfügig auf zehn Prozent.

Wie sehr die Inflation Sie bei Ihren Einkäufen beeinflusst, können Sie mit dem MDR-Inflationsrechner ganz einfach selbst nachrechnen. Wählen Sie dazu beliebig viele Waren aus – beispielsweise Olivenöl, Vollmilch, Brot und Brötchen. Anhand der Auswahl wird dann sowohl die Preisentwicklung jedes einzelnen Nahrungsmittels angezeigt als auch die Gesamtveränderung automatisch errechnet.

So schwanken die Spritpreise

Die Wirkung des Letzteren lässt sich in der Statistik der Markttransparenzzentrale ablesen: Anfang Juni und Ende August sind deutliche Preissprünge sichtbar – als der Tankrabatt eingeführt wurde beziehungsweise auslief.

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Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2022 | 13:00 Uhr