Gaskraftwerk Leipzig Süd Kraftwerksbau trotz Gasmangel

Ralf Geißler, Wirtschaftsredakteur
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Wie sinnvoll ist es in Zeiten wie diesen, ein Gaskraftwerk zu bauen? Die Stadtwerke Leipzig stellen in den kommenden Wochen eins fertig. Das war lange geplant und sollte das Kohlekraftwerk Lippendorf ersetzen. Kann es angesichts der derzeitigen Gaspreise überhaupt noch wirtschaftlich betrieben werden?

Baustellenleiter Thomas Brandenburg vor dem Gaskraftwerk
Ingenieur Thomas Brandenburg begutachtet das neu entstandene Heizkraftwerk Leipzig Süd. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Thomas Brandenburg leitet eine Baustelle, die trotz Corona und Krieg in der Ukraine pünktlich fertig werden dürfte. Der Ingenieur baut für die Stadtwerke Leipzig das neue Heizkraftwerk Süd. Im Juni soll der erste Block ans Netz gehen. Doch was nützt Pünktlichkeit, wenn die entscheidende Frage eine andere ist: Woher kommt dann das Gas?

Bereits Gas für den Winter eingekauft

Brandenburg sagt, die Stadtwerke hätten vorgesorgt: Prinzipiell sei Gas für die Inbetriebsetzung für den ersten Winter und dieses Kraftwerk eingekauft. "Wir gehen aktuell auch davon aus, dass geliefert wird und damit wird das Kraftwerk auch definitiv in Betrieb gehen. Ob es die ursprünglich avisierten Betriebsstunden läuft, das werden wir sehen." Das hänge wiederum von den Marktbedingungen ab, erklärt der Ingenieur.

Anlage hat Priorität bei Gasmangel

Diese Marktbedingungen sind gerade alles andere als optimal. Niemand weiß, wie lange russisches Erdgas noch zur Verfügung steht. Trotzdem geht Brandenburg davon aus, dass sein Kraftwerk laufen kann. Denn es werde zehntausende Haushalte mit Strom und Fernwärme versorgen.

In den Notfallplänen des Bundes habe so etwas Priorität. Die Anlage in Leipzig stehe mit auf der Liste der Anlagen, die erst ganz zum Schluss kein Gas mehr geliefert bekämen, betont Brandenburg. "Vorher würde aber die gesamte Industrie, das gesamte produzierende Gewerbe aus der Gasversorgung raus genommen werden."

Gaskraftwerke auch in Zukunft wichtig

Tatsächlich misst die Bundesregierung Gaskraftwerken eine hohe Bedeutung zu. Das gilt für die Zukunft sogar noch mehr als heute. Gaskraftwerke sollen in der Energiewende Strom und Wärme liefern, wenn weder die Sonne scheint noch Wind weht. Die Regierung rechnet deshalb mit weiteren Kraftwerksbauten.

Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der kommunalen Unternehmen, findet das nach wie vor richtig: "Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir für den Hochlauf der erneuerbaren Energien Versorgungssicherheit brauchen." Dafür sei immer vorgesehen gewesen, dass neue Gaskraftwerke gebaut werden, erklärt er.

Neben Gas auch auf Wasserstoff setzen

Der Atomausstieg sei beschlossen, der Kohleausstieg werde bis 2038 kommen. Neue Gaskraftwerke seien deshalb unverzichtbar, findet Liebing. Sie müssten aber so ausgerüstet werden, dass sie auch mit grünem Wasserstoff laufen können, resümiert der Verbandschef. "Denn wir müssen uns so schnell wie möglich aus der Abhängigkeit von russischem Erdgas lösen."

Das könne man zum einen tun, indem man Erdgas oder Flüssiggas aus anderen Ländern importiere. "Aber eben auch, indem wir den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft deutlich beschleunigen und dafür werben wir auch", betont Liebing.

Neues Heizkraftwerk in Leipzig ist wasserstofffähig

Leipzigs neues Heizkraftwerk Süd ist eines der ersten, das wasserstofffähig ist. Doch der grüne Wasserstoff, erzeugt mit Ökostrom und Wasser, ist noch viel teurer als das derzeit so teure Erdgas.

Eigentlich sollte das neue Leipziger Gaskraftwerk das Kohlekraftwerk Lippendorf überflüssig machen – noch vor dem offiziellen Kohleausstieg. Doch wenn die Gaspreise hoch bleiben, wird das schwierig. Das weiß auch Thomas Brandenburg: "Diese Anlagen würden von der Marktprämisse her gleichzeitig laufen. Und dann kommt es darauf an, wie können wir die Wärme günstiger einkaufen." Das werde am Ende auch darüber entscheiden, ob das Kraftwerk laufe oder nicht.

Thomas Brandenburg hätte gern, dass sein Gaskraftwerk mehr läuft als Lippendorf. Denn Gas sei klimaverträglicher als Kohle. Doch wie oft es produzieren wird, hängt am Ende von den Gaspreisen ab. Und von den Weichen, welche die Politik noch stellt.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2022 | 06:00 Uhr

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