Gaspreiserhöhung Familie soll mehr als 1.000 Euro pro Monat für Gas bezahlen

Die Gaspreise explodieren. Mitgas-Kunden wurden über die bevorstehende Erhöhung der monatlichen Abschlagszahlungen informiert. Eine dreiköpfige Familie aus Landsberg etwa soll mehr als 1.000 Euro ab Oktober bezahlen.

Steigende Energiekosten mit Gaspreis und Heizung
Wer mit Gas heizt, muss ab Herbst tief in die Tasche greifen. Doch auch Fernwärme-Kunden könnten noch von empfindlichen Preissteigerungen betroffen sein. Bildrechte: Colourbox.de

Schock bei Mitgas-Kunden über Preiserhöhungen

Immer mehr Kunden erhalten dieser Tage eine Anpassung ihrer Abschlagszahlungen. Auch Familie Töpe aus Landsberg bekam gerade Post von dem mitteldeutschen Gasanbieter Mitgas. Bisher zahlten sie für ihr Häuschen mit etwa 150 qm Wohnfläche, 228 Euro im Monat für Heizung und Warmwasser. Ab Oktober sollen es 1.017 Euro sein: ein Plus von knapp 790 Euro im Monat. Die 53-jährige Conny, die mit ihrem Mann und dem pflegebedürftigen Schwiegervater in dem Haus lebt, ist geschockt: "Ich habe gedacht, das kann nur ein Rechenfehler sein. Eine fünffache Erhöhung, ohne dass wir mehr verbraucht hätten. Das kann doch nicht wahr sein."

Auch Marco T. aus Leipzig kann seine neue Abschlagszahlung kaum glauben. Auch er hat Post von Mitgas bekommen. Für seine Doppelhaushälfte zahlte er bisher 97 Euro im Monat.  Ab Oktober sollen es 761 Euro sein. Eine Preiserhöhung fast um das Achtfache.

Einige tausend Kunden monatlich betroffen

Gegenüber dem MDR bestätigt eine Sprecherin von Mitgas die angekündigten Preisanpassungen zum Oktober. Welcher Kunde mit welchen Erhöhungen zu rechnen habe, ergebe sich aus verschiedenen Faktoren. Besonders betroffen seien aber Kunden, die bisher ein Produkt mit einer Preisgarantie von 24 Monaten hatten. Infolge des aktuellen Großhandelspreisniveau ergebe sich gegenüber dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses eine deutliche Preissteigerung. Laut Mitgas seien monatlich einige tausend Kunden nach dem Auslaufen des jeweiligen Preisgarantieendes betroffen.

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Weitere massive Preiserhöhungen befürchtet

In Anbetracht der massiv verteuerten Großhandelspreise sei zu befürchten, so das Vergleichsportal Verivox, dass noch viele weitere deutliche Preiserhöhungen aus ganz Deutschland kommen werden. Das gelte auch für Grundversorger, die in der Vergangenheit konservativ und über längere Zeiträume eingekauft haben, nun aber ebenfalls mit den erheblich gestiegenen Preisen konfrontiert werden.

Auch für René Hobusch, Präsident von Haus & Grund Sachsen, sind die von Mitgas angekündigten Preiserhöhungen nur der Anfang: "Einige Versorger in Mitteldeutschland hatten in ihren Verträgen schon vor der Gaskrise Preisanpassungsklauseln, die unterjährig Preissteigerungen ermöglichen. Das hatte bereits in den zurückliegenden Monaten zu Steigerungen um bis zu 100 Prozent und mehr geführt." Nach seiner Einschätzung werde noch mit weiteren Preisanpassungen zu rechnen sein. Eine Obergrenze gebe es dabei nicht.

Gasumlage bei den angekündigten Preiserhöhungen noch nicht erhalten

Dabei ist das Ende der Preisexplosion noch nicht erreicht. Denn bei den angekündigten Erhöhungen ist die sogenannte Gasumlage von 2,419 Cent pro Kilowattstunde noch gar nicht enthalten. Die kommt dann ab Oktober noch oben drauf.

Für Familie Töpe aus Landsberg bedeutet das: Zu den 1.017 Euro Abschlagszahlung käme bei ihrem Verbrauch noch eine Gasumlage von 79,40 Euro dazu. Bei einer Mehrwertsteuer von 19 Prozent wären das 94, 48 Euro zusätzlich im Monat (bei einer Mehrwertsteuer von sieben Prozent sind es 84,96 Euro). Im Monat hätten sie dann eine Belastung von ca. 1.100 Euro – nur für Heizung und Warmwasser.

Angst vor weiteren Erhöhungen

Conny Töpe arbeitet Vollzeit und ist mit ihrem Gehalt faktisch die Alleinverdienerin der Familie. Ihr Mann ist berufsunfähig. Aufgrund einer Krebserkrankung könne er nicht mehr als Dachdecker arbeiten. Derzeit verdient er sich bei Edeka noch etwas dazu. Der 79-jährige Vater lebe unten im Haus. Sie kämen um die Runden. Doch Kosten von fast 1.100 Euro im Monat, nur für Gas, mache der Familie definitiv Angst. Denn auch beim Strom seien massive Preiserhöhungen angekündigt. 

Verbraucher sehen kaum Einsparpotential

Dass sie an den Kosten etwas ändern könne, diese Chance sieht die 53-Jährige kaum. Denn schon vor der Erhöhung hätten sie mit Warmwasser und Heizung gespart. Jetzt habe ihr Mann noch zusätzlich einige Heizungskörper abgeklemmt, um den Verbrauch noch weiter zu reduzieren.

"Die Regierung redet immer davon, dass wir sparen sollen. Aber irgendwann hat das Sparen auch ein Ende. Ich frage mich sowieso, wie man als Familie, noch dazu mit einem pflegebedürftigen Vater, fast 1.000 Euro Zusatzkosten im Monat einsparen will", sagt Conny Töpe.

Anbieterwechsel bringt kaum Kostenersparnis

Auch ein Wechsel zu einem anderen Anbieter würde sich gerade nicht lohnen, so ihre Recherche. Sie hätte auf den Vergleichsportalen nach Alternativen geschaut, aber es gebe nur wenige Angebote und auch nur 24 Monats-Verträge, die in der Regel teurer seien. Bei allen Anbietern liegt der Arbeitspreis um die 30 Cent pro kWh, also in etwa das Sechsfache der Vorjahrespreise.

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MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 19. August 2022 | 19:30 Uhr

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