Gasversorgung Heizen wird diesen Winter teurer

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Angesichts der kühlen Temperaturen hat so mancher die Heizung schon wieder etwas aufgedreht. Und damit stellt sich die Frage: Wie teuer wird das Heizen in der kommenden Saison? Denn der Staat verlangt nun eine CO2-Abgabe auf Gas und Öl. Viele Versorger werden diese Kosten an ihre Kunden weitergeben. Die ersten haben das schon getan.

Eine Hand dreht am Thermostat einer Heizung
Das Heizen wird diesen Winter teurer. Bildrechte: Colourbox.de

Die schlechte Nachricht am Anfang: Der Winter wird teuer. Zumindest dann, wenn man es zu Hause schön warm haben will. Lundquist Neubauer beobachtet die Gaspreise für das Vergleichsportal Verivox. Er sagt, bislang wolle kein einziger Versorger für nächstes Jahr die Preise senken. Diverse Versorger hätten ihre Tarife aber schon erhöht. "Auch in Mitteldeutschland haben bislang sechs Versorger erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Hervorzuheben wären die Stadtwerke in Dresden. Die erhöhen um neun Prozent. Die Gasversorgung in Görlitz steigt um 14 Prozent. Und besonders stark ist der Anstieg in Stendal. Da geht es 25 Prozent nach oben. Für eine Familie mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden sind das 352 Euro mehr im Jahr."

Warum die Gaspreise steigen

Der Anstieg hat mehrere Gründe. Da ist der staatlich eingeführte CO2-Preis. Viele Energieversorger geben diesen nun an die Kunden weiter. Außerdem ist Gas auf dem Weltmarkt gerade richtig teuer. Eine kurzfristige Lieferung kostet fast sechsmal so viel wie im Sommer 2020. Stadtwerke haben zwar oft langfristige Liefervereinbarungen. Doch auch diese Preise liegen für nächstes Jahr über dem langjährigen Durchschnitt.

Der Gasmarkt-Experte Heiko Lohmann sagt, es fehle am Angebot. "Die Speicher sind nach dem vergangenen Winter sehr leer gewesen und müssen gefüllt werden. Sie sind nach wie vor auch nicht sehr gut gefüllt. Und zum zweiten haben sie eine sehr hohe Nachfrage nach Erdgas zur Stromerzeugung. Das hängt unter anderem auch mit dem schon begonnenen Kohleausstieg zusammen."

Russland liefert weniger Gas

Ein Kernproblem: Europa fördert immer weniger Gas selbst. In den Niederlanden gehen die Reserven zur Neige, auch aus Großbritannien sinkt das Angebot. Und Russland, mit seinen gigantischen Gas-Vorräten, liefere derzeit weniger, als sich das viele wünschen, sagt Lohmann: "Es gibt im Grunde zwei oder drei Erklärungen dazu. Die eine ist, dass Gazprom nicht mehr liefern kann im Moment. Da sie zwar durchaus sehr viel produzieren, aber in Russland selbst nach dem letzten Winter die Speicher sehr leer sind und gefüllt werden müssen. Und zudem Gazprom mehr Mengen in Richtung Türkei liefern muss, weil der Liefervertrag ein höheres Plateau erreicht hat."

Es gibt auch Gerüchte, Russland liefere weniger, um die politisch umstrittene Ostsee-Pipeline Nordstream 2 ans Netz zu bekommen. Auf jeden Fall ist Gas vorerst teuer. Und in der Folge dürften auch die Strompreise weiter steigen. Thomas Engelke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert die Politik auf, die Haushalte bei den Energiekosten zu entlasten: "Die Industrieausnahmen von der EEG-Umlage, die die Verbraucher heute noch zusätzlich zahlen, müssen steuerlich finanziert werden. Und zweitens müssen auch die Industrieausnahmen von den Netzentgelten, die die Verbraucher auch noch zusätzlich zahlen, ganz abgeschafft werden. Und drittens muss die Stromsteuer auf das Minimum reduziert werden."

Damit könne ein Haushalt rund 150 Euro im Jahr sparen, sagt Engelke. Die scheidende Regierung wird solche Zugeständnisse aber wohl nicht mehr machen. Und bis sich eine neue einig ist, werden die Verbraucher erst einmal zahlen müssen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. August 2021 | 08:10 Uhr

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